Sandabbau in Flüssen übersteigt weltweit die natürliche Neubildung

Quelle: https://phys.org/news/2026-07-river-sand-outstripping-nature.html – Nanyang Technological University (NTU Singapore) / Phys.org, veröffentlicht am 22. Juli 2026.

Sand gehört zu den wichtigsten Rohstoffen der modernen Welt. Er wird für Beton, Straßen, Gebäude und zahlreiche Infrastrukturprojekte benötigt. Eine neue internationale Übersichtsarbeit zeigt jedoch, dass Flüsse in vielen Regionen der Erde deutlich schneller ausgebeutet werden, als sie Sand und Kies auf natürliche Weise nachliefern können. Die Forscher warnen, dass dies weitreichende Folgen für Flusslandschaften, Ökosysteme und Millionen von Menschen haben könnte.

Für die Studie wertete ein internationales Team unter Leitung der Nanyang Technological University in Singapur insgesamt 411 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus, die seit 1974 erschienen sind. Die Analyse zeigt, dass der Abbau von Sand und Kies in Flüssen zu einer der größten Herausforderungen für die nachhaltige Nutzung von Gewässern geworden ist. Besonders betroffen sind Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum und intensiver Bautätigkeit.

Dort, wo verlässliche Messungen vorliegen, übersteigt die jährlich entnommene Sand- und Kiesmenge die natürliche Sedimentzufuhr häufig um ein Mehrfaches. Dadurch vertiefen sich Flussbetten, Ufer werden instabil und brechen leichter ab. Gleichzeitig sinken vielerorts die Grundwasserspiegel, die Wasserqualität verschlechtert sich und in Küsten- und Deltaregionen kann Salzwasser weiter ins Landesinnere eindringen. Diese Veränderungen gefährden nicht nur die Natur, sondern auch Straßen, Brücken, Gebäude sowie landwirtschaftliche Flächen und Fischereien.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Sand in Flüssen kein unbegrenzt verfügbarer Rohstoff ist. Die Sedimente entstehen durch Verwitterung in den Gebirgen und werden über lange Zeiträume flussabwärts transportiert. Wird unterwegs mehr Material entnommen als nachgeliefert wird, gerät dieses natürliche Gleichgewicht aus den Fugen. Flüsse verlieren ihre Fähigkeit, sich selbst zu stabilisieren und Deltas sowie Küsten mit neuem Sediment zu versorgen.

Nach Ansicht der Autoren besteht ein zentrales Problem darin, dass in vielen Ländern weder der Umfang des Sandabbaus noch die natürliche Sedimentfracht ausreichend überwacht werden. Ohne belastbare Daten sei eine nachhaltige Bewirtschaftung kaum möglich. Deshalb empfehlen sie, den Abbau systematisch zu erfassen, die natürlichen Nachlieferungsraten der Flüsse zu bestimmen und verbindliche Entnahmelimits festzulegen.

Die Studie macht deutlich, dass der weltweit steigende Bedarf an Baumaterialien künftig noch stärker mit den ökologischen Belastungsgrenzen der Flüsse in Einklang gebracht werden muss. Nur wenn Sand als begrenzte Ressource behandelt wird und die Entnahme an den natürlichen Sedimenthaushalt angepasst wird, lassen sich langfristige Schäden an Flüssen und Deltas vermeiden.

Weiterlesen: https://phys.org/news/2026-07-river-sand-outstripping-nature.html

Paper: Edward Park et al, River Sand and Gravel Mining: Global Drivers, Impacts, and Pathways for Sustainable Management, Reviews of Geophysics (2026). DOI: 10.1029/2024rg000868

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