Quelle: https://phys.org/news/2026-07-brazil-amazon-historic.html – Autor: Facundo Fernández Barrio – Veröffentlicht am: 21. Juli 2026
Die Zahl und Ausdehnung der Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet ist im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1985 gesunken. Dies geht aus einem neuen Bericht des Umweltbeobachtungsnetzwerks MapBiomas hervor. Nachdem das Jahr 2024 von einer außergewöhnlichen Dürre und einer Rekordzahl an Bränden geprägt war, hat sich die Situation im Folgejahr deutlich entspannt.
Den Satellitenauswertungen zufolge wurden im Amazonasgebiet 2025 rund 3,1 Millionen Hektar Land durch Feuer zerstört. Das ist der niedrigste Wert seit vier Jahrzehnten. Auch landesweit ging die verbrannte Fläche erheblich zurück und erreichte den geringsten Umfang seit 2018.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler handelt es sich um eine außergewöhnliche Entwicklung. Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen. Eine verspätet einsetzende Regenzeit zwischen 2024 und 2025 verhinderte, dass sich in vielen Regionen das übliche Zeitfenster für das kontrollierte Abbrennen landwirtschaftlicher Flächen öffnete. In Brasilien werden Feuer häufig genutzt, um Felder für den Ackerbau vorzubereiten. Gerät diese Praxis außer Kontrolle, können sich Brände rasch auf benachbarte Waldgebiete ausbreiten.
Ein weiterer entscheidender Grund für den Rückgang war die ebenfalls deutlich gesunkene Entwaldung. Wo weniger Wald gerodet wird, entsteht auch weniger trockenes Pflanzenmaterial, das als Brennstoff für großflächige Feuer dienen kann. Besonders illegale Rodungen und Bergbauaktivitäten gelten als wichtige Auslöser für unkontrollierte Brände.
Die Koordinatorin des Berichts, Geographin Ane Alencar, verweist außerdem auf einen psychologischen Effekt. Die extremen Feuer des Jahres 2024 hätten viele Gemeinden sensibilisiert. Aus Angst vor einer Wiederholung seien Brandherde schneller entdeckt und bekämpft worden, wodurch sich zahlreiche Feuer gar nicht erst großflächig ausbreiten konnten.
Der Bericht bewertet den Rückgang als eine deutliche Unterbrechung des in den vergangenen Jahren beobachteten Trends zunehmender Brandflächen. Brasilien sei damit wieder auf ein historisch niedriges Niveau zurückgekehrt.
Allerdings gibt es weiterhin Regionen mit erheblichen Problemen. So blieb die Situation in der ausgedehnten Cerrado-Savanne Zentralbrasiliens weitgehend unverändert. Dort brannte es ähnlich häufig wie in den Vorjahren. Der Cerrado gehört zu den artenreichsten Savannen der Erde und steht ebenfalls unter starkem Druck durch Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen.
Sorge bereitet den Forschern zudem die mögliche Entwicklung im Jahr 2026. Sollte sich ein besonders starker El-Niño-Effekt („Super El Niño“) ausbilden, könnte dieser eine verlängerte Trockenzeit verursachen. Dadurch würde das Risiko neuer großflächiger Waldbrände erheblich steigen.
Der Schutz des Amazonas besitzt weltweit große Bedeutung für den Klimaschutz. Der Regenwald bindet enorme Mengen Kohlendioxid und zählt zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Große Waldbrände setzen nicht nur erhebliche Mengen Treibhausgase frei, sondern schwächen auch langfristig die Fähigkeit des Waldes, Kohlendioxid aufzunehmen.
Auch bei der Entwaldung zeigen die offiziellen Zahlen für das erste Quartal 2026 eine positive Entwicklung. Nach Angaben der brasilianischen Behörden ist die Rodungsrate so niedrig wie zu keinem anderen Zeitpunkt in diesem Jahrzehnt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat angekündigt, die Entwaldung bis zum Jahr 2030 vollständig beenden zu wollen. Gleichzeitig steht seine Umweltpolitik in der Kritik, weil seine Regierung ein großes Offshore-Ölförderprojekt vor der Amazonas-Küste unterstützt, das von Umweltorganisationen scharf abgelehnt wird.
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