Energiewende auf Kurs?  

Von Frank Bosse

Im Mai 2024 meldete das Bundeswirtschaftsministerium:  

“Die Energiewende ist auf Kurs und nimmt weiter Fahrt auf.” 

Ein Foto prangt da über der Meldung, es zeigt einen Jungen auf einem Segelboot. Der unbefangene Leser sollte stutzig werden: Wird da die deutsche Volkswirtschaft im Ernst mit einem Segler verglichen?  

Wir wollen schauen, wie die Fakten nach zwei Jahren sind.  

Dazu haben wir uns die Anteile von Windenergie (allerdings nicht nur Offshore wie das Segel- Bild des Ministeriums suggeriert, sondern die Summe von On- und Offshore erzeugter) plus Solarenergie angesehen. Hierzu betrachteten wir die 151 Tage vom 1.Januar 2026 bis 31. Mai 2026. 

Wieviel Prozent des Verbrauchs decken die Träger der „Energiewende“ wie sie Deutschland praktiziert wird?  

Daten: Agora Energiewende 

Das Ergebnis ernüchtert etwas. Der Mittelwert aller Tage liegt bei 45 %, nur 19% der Tage erreichen einen Einsatz von mehr als 60%, dafür kommen 17% nur auf unter 30% an CO2-armen Energieträgern. Sie treten immer mal wieder auf, ein Zeichen, dass viel Witterung im Spiel sein muss.  

Es ist das erklärte Ziel der „Energiewende“ den CO2 Ausstoß drastisch reduzieren zu wollen.  

Wie verhält es sich also mit dem Emissionsfaktor in g CO2/produzierter kWh? Er sei gegen die oben beschriebenen Anteile geplottet:

  

Es stimmt: in sehr hohem Maße wird die Streuung des Emissionsfaktors von der Streuung der Anteile der „Energiewendeträger“ bestimmt, zu 91% (das R² in der Abbildung).  

Je mehr sie beitragen, desto geringer ist der CO2-Emissionsfaktor. Das Wirtschaftsministerium hatte also recht? „Mehr Strom aus Wind und Sonne reduziert Emissionen“.  

„Im Prinzip ja“ lautet die Antwort. Nur ist der mittlere Emissionsfaktor im Zeitraum bei 336 g CO2/kWh, das korrespondiert sehr gut mit dem mittleren „Durchdringungsrad“ von 45% mit diesen Formen der Energieproduktion. Allerdings erzeugen wir an 17 % der Tage mit unter 30% “Wendeenergie” auch witterungsbedingt über 423 g CO2/kWh. Damit liegt Deutschland deutlich über dem Jahresmittel der EU von ca. 260 g CO2/kWh. Wohin müsste sich also der Einsatz verschieben?
Die Trendgerade in der Abbildung oben hilft weiter: Es müssten 58% Wind+ Solarenergie werden.  

Das schaffte Deutschland nur an 22% der Tage Januar-Mai 2026. So gesehen wäre das Erreichen wenigstens eines Minimalzieles, des europäische Mittels mit allein diesen Energien förmlich schon eine Herkulesaufgabe.  

Das „probate“ Argument der „Energiewende-Architekten“ lautet stets:  

„Wir müssen halt mehr Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen installieren.“  

Da steht jedoch schon sehr viel: ca. 77 GW an Wind- und 117 GW an Solarenergie könnten theoretisch produziert werden.  

Wieviel ist es tatsächlich? 

Auch dieses Ergebnis ernüchtert. Im Mittel lieferte Wind nur 21% der installierten Leistung, Solar gar nur knapp 9%. Das überrascht natürlich nicht, nachts wird null produziert und im Winter kaum etwas. Aber auch Windkraft erreichte im Zeitraum an keinem Tag mehr als 60% Nutzung des installierten Potentials. Wohl auch aus dem Grund der Notwendigkeit der Abregelung in wenigen Stunden der Tage mit viel Solarenergieproduktion. Sonst wäre die Netzstabilität akut gefährdet.  

Ab Mitte April kommt Wind so nur noch auf eine mittlere Auslastung der installierten Leistung von 13,5%. Die beiden CO2-armen Technologien kannibalisieren sich auch noch, statt gemeinsam den CO2-Ausstoß zu reduzieren!  

Das ist z.B. in der Woche vom 27.4.26-3.5.26 mit stündlichen Daten klar zu sehen:  

Quelle: Agora 

Was wir immer wieder sehen ist, dass die Summe von Wind- plus Solarenergie auf Werte von nur um 30% absinkt. Bei der großen installierten Leistung geschieht das nicht zufällig: Es ist sehr viel Witterung im Spiel. Das muss mit hohen Anteilen Energieproduktion aus Kohlenstoffverbrennung ausgeglichen werden, um den täglichen Bedarf an Strom zu decken. Das wiederum treibt die Emissionen.  

Frankreich ging einen gänzlich anderen Weg: Da wird viel Kernkraft eingesetzt und ebenfalls Wind- und Solarenergieproduktion. Im Zeitraum 1. Januar bis 31. Mai 2026 kam es auf mittlere 29 g CO2g/kWh. Wollte man das mit dem „deutschen Weg“ erreichen, müsste 99,7% der verbrauchten Energie aus Wind und Solar kommen, rein rechnerisch sagt das die Geradengleichung des Scatterplots oben.  

Das ist völlig illusorisch.  

Kommen wir auf die Eingangsthese des Wirtschaftsministeriums vom Mai 2024 zurück, damals unter Minister Robert Habeck:  

NEIN, die Energiewende ist NICHT auf Kurs. Wenn man nüchtern kalkuliert, ist schon das Erreichen des Europäischen Mittelwerts des Emissionsfaktors damit eine Herkulesaufgabe gegen Witterung; Physik und Regelungstechnik. Noch mehr Anlagen vom Gleichen helfen kaum. Chemische Energiespeicher (Akkumulatoren) müssten gigantische Kapazitäten haben.  

Alles in allem: So wie die “Energiewende” in Deutschland praktiziert wird ist sie ein Wunschtraum für Reisen mit Segelbooten, kaum geeignet im realen sozialen und wirtschaftlichen Umfeld einer Nation wie Deutschland.    

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