Noch mehr AMOC

Von Frank Bosse

Wir hatten schon so oft darüber berichten müssen: Das Thema „Atlantic Meridional Overturning Circulation“ oder die „Atlantische Umwälz-Zirkulation“ und ihr „Erlahmen“ wird regelmäßig neu thematisiert. Diesmal war der Anlass diese Modell-Arbeit, die eine noch schnellere Reduktion der Zirkulation errechnete als bisher angenommen. Wir hatten auch schon berichtet, welche Fallstricke sich in solchen Studien manifestieren können, z. B. die Klima- Modellauswahl samt benutzter Szenarien.  Es ist auch ein Wesensmerkmal solcher Modellstudien, dass sie kaum zu widerlegen sind. Etwas, was in der Wissenschaft nicht für robuste Ergebnisse spricht.  

Wir wollen uns diesmal daher einen recht ausführlichen Artikel des „Freitag“ darüber ansehen, um die Voraussetzungen für die bald erwartete „AMOC-Schwäche“ (jetzt etwa 50% modellierte Verringerung der Transportleistung bis 2100) zu beleuchten.  

Wir erfahren:  

„Die atlantische meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) ist ein wesentlicher Bestandteil des globalen Klimasystems. Aufgrund der Klimakrise befindet sie sich in ihrem schwächsten Zustand seit 1600 Jahren.“ 

Nun gibt es Daten dazu erst seit 2004, sie zeigen bis 2024 sehr viel Variabilität, einen signifikanten Abwärtstrend zeigen sie nicht. Dass sie „so schwach ist wie seit 1600 Jahren nicht“ geht auf eine nicht unumstrittene Arbeit zurück, wir informierten.    

Wir wollen Daten ab den 90er Jahren benutzen (global sahen wir danach ca. 0,8°C Temperaturanstieg, das sei „die Klimakrise“ seitdem) um die Faktoren, die zu einer Schwächung führen, zu prüfen. Der „Freitag“-Artikel dazu:  

„Die AMOC verlangsamt sich, weil die Lufttemperaturen in der Arktis aufgrund der globalen Erwärmung rapide ansteigen. Das bedeutet, dass sich der Ozean dort langsamer abkühlt. Wärmeres Wasser ist weniger dicht und sinkt daher langsamer in die Tiefe. Durch diese Verlangsamung sammelt sich mehr Niederschlag im salzigen Oberflächenwasser an, wodurch dieses ebenfalls an Dichte verliert, was das Absinken weiter verlangsamt und einen AMOC-Rückkopplungskreislauf bildet.“ 

Da ist von der Lufttemperatur die Rede. Die spielt tatsächlich eine Rolle, jedoch nicht nur die der Arktis. Dazu nochmals eine Grafik über den Verlauf der Strömung im Nordatlantik:  

Quelle 

Der interessante Teil beginnt mit dem Ende des Golfstromes vor Neufundland. Der „North Atlantic Current“ (rot) transportiert warmes, salzreiches Wasser (ex “Golfstrom”, der fördert tropisches Wasser schnell nach Norden) langsam über den Nordatlantik. Dabei verliert das Wasser viel an Wärme an die Troposphäre, die im Norden immer mehr abkühlt. Das bewirkt östlich von Neufundland, dass das noch immer salzreiche und damit schwere Wasser schließlich zu schwer wird und absinkt in die Tiefe: Die „Pumpe“ der AMOC.  

Die Temperatur-Differenz zwischen dem Ende des Golfstromes und östlich von Grönland ist erheblich: ca. 20°C. Auf diesem gesamten Weg verliert die Strömung an Wärme. Wie viel wärmer wurde die Troposphäre darüber? Hier die Trends 1990-2023, das sind 33 Jahre:  

Quelle: KNMI Climate Explorer 

Die Daten der Lufttemperaturen über Ozeanen aus dieser Quelle zeigen sehr ähnliche Trends, in einem großen Gebiet östlich 50°W zwischen 40°N und 65°N: praktisch gar nichts. Auf der ganzen Reise der AMOC gibt es nur an den Rändern der Route eine Erwärmung über dem Atlantik von ca. 0,7°C ab 1990. Das ist sehr wenig, im Vergleich zu den 20° Differenz als Absolutwert. Der Verdacht: das kann die AMOC nicht ernsthaft in Bedrängnis bringen.  

Das Ergebnis der Schwächung sei, so im „Freitag“ referiert, ein Dichtverlust des Oberflächenwassers, der Salzgehalt sollte also absinken mit der zunehmenden Erwärmung.  

Das kann man auch mit Daten prüfen, wir wollen auch den Südatlantik erfassen, denn der „Freitag“ sagt in seinem Artikel:  

Die AMOC lässt sich nur schwer modellieren, da sie von subtilen Unterschieden in der Wasserdichte bestimmt wird, die durch Veränderungen des Salzgehalts im gesamten Atlantik verursacht werden. Die geringere Unsicherheit in der neuen Analyse resultiert aus der Identifizierung von Modellen, die den Salzgehalt an der Oberfläche im Südatlantik besser widerspiegeln – eine Tatsache, deren Bedeutung den Wissenschaftlern bereits bekannt war.“  

Wenn also „die Klimakrise“ die AMOC so schwächt wie angenommen: Welche Spuren hinterließ sie dann im atlantischen Salzgehalt, der ja „so entscheidend“ ist? Die Trends 1990-2025: 

Quelle: KNMI Climate Explorer 

Es sind die Trends im Salzgehalt an der Oberfläche gezeigt. Gesucht sind blaue Bereiche für sein Absinken. Sehen Sie welche auf dem Weg der „AMOC“, lieber Leser?  

Nirgends eine Verringerung der Salinität seit 1990 in Zusammenhang mit der AMOC, im ganzen Atlantik nicht vom Südatlantik bis hinauf nach Grönland mit seiner Eisschmelze! 

So kommt es wie so oft: Modellierungen in die Zukunft! Wenn man reale Daten vergleicht, sieht man nichts, was die Modellansätze rechtfertigt. Denn: Wenn „die Klimakrise“ die AMOC so schwächt, dass sie sich bis 2100 in der Transportleistung halbieren soll, so sollten doch bei den Ursachen dafür in den letzten 35 Jahren deutliche Trends zu sehen sein? Fehlanzeige!    

So bleiben auch die „fetten Überschriften“ der jüngsten Zeit wohl, was sie sind: Sensationshascherei.  

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