Ein Mensch und seine Windesräder
Ein Mensch, der glaubt ans grüne Rad,
verkündet stolz im Morgenblatt:
„Der Strom ist rein, die Zukunft klar,
ganz ohne Last, und wunderbar!“
Er zeigt uns Bilder, unendlich weit,
von spargelhafter Herrlichkeit.
Wo Rotorflügel surrend kreisen,
soll Fortschritt sein und Richtung weisen.
Doch fragt man still: „Was bleibt zurück,
nach zwanzig Jahren Windesglück?“
Dann wird es plötzlich sonderbar,
man spricht nicht gern, was gestern war.
Die Flügel groß, robust und schroff,
aus Balsaholz und Faserstoff.
Verbund aus Harz und Glasgeflecht,
Zersägt man sie im Trenngefecht.
Man mahlt sie klein, man gräbt sie ein,
nennt das dann Kreislauf – Gewissen rein!
Ein Teil kommt mit ins Zementbett,
doch wirklich clean wird’s derart ned.
Der Mensch ruft dennoch unbenommen:
„Das wird bald alles rückgewonnen.“
Als ob man morgen mit Verstand
die Lösung zieht aus hohler Hand.
Die Sockel sind aus Stahlbeton,
tief im Gelände – Tonnen schon.
Viel Stahl im Leib, viel Kupferdraht,
Ist zu verschweigen – man leise bat.
Und wenn die Speicher auch vergeh’n,
weil Zellen altern, müde stehn,
dann wächst zum grünen Ideal
ein zweiter Müllberg jedes Mal.
Dazu manch Stoff, der ewig bleibt,
im Boden sickernd Unheil treibt.
Was sauber schien im Werbeschein,
kann anders in der Praxis sein.
Drum prüfe stets, wer ehrlich wägt,
was Jubelruf im Munde trägt.
Nicht alles, was im Winde weht,
ist grün, nur weil es oben dreht.
(Michael L., frei nach Eugen Roth)