Von Frank Bosse
Volker Quaschning ist „Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin (Hochschule für Technik und Wirtschaft)“, nach eigener Aussage auch „Experte für Erneuerbare Energien, Energiewende und Klimaschutz“.
Man ist von ihm einiges gewöhnt an „steilen Aussagen“ und das, was da von ihm am 17.4.2026 auf X zu lesen war, setzt dem wohl eine Krone auf:

Quelle: Screenshot X
Er ist ein bekannter Verfechter der These: „Erneuerbare Energien (EE) werden es richten“ und hier nimmt er die Kernenergie aufs Korn, indem er die Erzeugung von Strom in der 15. Kalenderwoche im Jahr 2019 mit der der gleichen Woche im aktuellen Jahr vergleicht. Vor 7 Jahren waren in Deutschland noch 9,5 GW aus Kernkraft am Netz, heute null. Rechts im Bild ist zu sehen, dass für sie aktuell auch keine Verwendung wäre, da die EE zeitweise den gesamten Bedarf decken könnten und „fossil“ (=Kohlenstoffverbrennung) dann eine Pause einlegen könnten. Ist dem wirklich so?
Quaschning ist auch „Experte für Klimaschutz“ wie er schreibt. Als solcher ist es wohl seine Pflicht, den CO2-Ausstoß der Stromproduktion (in g CO2/kWh) in den Vordergrund zu stellen. Der scheint für den eingeschlagenen Weg zu sprechen: im Mittel wurde 2019 470 g CO2/kWh erzeugt, im Jahre 2026 waren es in diesem Zeitraum 295, wie Agora Energiewende ermittelte. Das muss jedoch nicht repräsentativ sein, es kann schlicht am Wetter liegen. Viel aufschlussreicher ist ein aktueller Vergleich mit Frankreich, das Land nutzte Kernkraft sehr ausgeprägt, mehr als 1 TW in der KW 15/26 wurde so erzeugt. Ergebnis: Im Mittel lag dort der Emissionsfaktor bei 22,6 g CO2/kWh, also Faktor 13 unter dem deutschen. Das war schon 2019 kaum anders: Im Jahresmittel stieß Deutschland damals 431 g CO2/kWh aus, Frankreich gerade mal 58!
„Was ging in Deutschland seitdem schief, dass wir beim Klimaschutz so ins Hintertreffen gegenüber Frankreich (mit intensiver Kernkraftnutzung) kommen konnten?“ Das wäre die angemessene Frage eines Klimaexperten! Das scheint Quaschning wohl eher nicht zu sein? Dann wüsste er, dass der „Weltklimarat“ IPCC im letzten Bericht (AR6) ausdrücklich Kernkraftnutzung empfahl, die er für „nicht mehr sinnvoll“ hält.
Wir sehen uns seine Graphik genauer an und vergleichen die Daten von „Agora Energiewende“ mit dem Diagramm von Quaschning für das aktuelle Jahr. Dabei ist die „konventionelle Stromerzeugung“ interessant, die aus Kohle, Erdgas und anderen konventionellen Quellen. Sie ist es ja, die den CO2-Emissionsfaktor derart in die Höhe treibt. Ein Blick auf das ähnliche Diagramm nur unter Verwendung valider Daten ergibt das:

Man möchte sich die Augen reiben: die 9,5 GW aus Kernkraft hätten tatsächlich „Platz“ im Netz. Dabei müsste man nicht abregeln: Das Minimum der Produktion von „dreckigem Strom“ lag bei 9,7 GW, das könnte man immer ersetzen.
Quaschning muss alternative Tatsachen sehen, in seiner Graphik beträgt das Minimum der „fossilen“ Produktion nämlich null! Irgendwie kam ihm der „Platz“ für CO2-arme Kernkraft im Jahr 2026 abhanden. Seine Graphik hält einer Überprüfung durch „Agora Energiewende“ Daten nicht stand, die Aussage ist also irreführend. Damit haben wir auch die Antwort auf seine Frage im Text: „Warum diskutieren sie solche technisch sinnlosen Vorschläge?“:
Weil sie nicht sinnlos, sondern im Gegenteil im Sinne der CO2-armen Produktion sehr sinnvoll sind!
Quaschning begeht darüber hinaus noch Fehler: Kernkraftwerke sind heute sehr wohl zur Abregelung fähig. Der rote Klotz war schon in 2019 kein „Klotz“, die Leistung wurde am Ende der fraglichen Woche sehr wohl um 15% reduziert. Das ging schon damals, heute funktioniert es auch, das zeigt Frankreich.
Er verschweigt auch eine weitere Schattenseite von viel EE: bei „günstigem“ Wetter produzieren sie zu viel, trotz aller Versuche der Abregelung. So bezahlte der Stromkunde am Montagmittag der Woche über 125 Euro/MWh dafür, dass wir den Strom anderswo via Exporte verklappen mussten.
Abregelung funktioniert nachgewiesen bei Kernkraft, bei EE nur sehr unvollständig: Das ist die wahre Botschaft.
Alles in allem: Ein Beitrag zum vergessen vom „Professor“. Wilde und falsche Thesen über einer irreführenden Grafik. Warum macht er so etwas? Eine Vermutung: er sieht die Fälle der „Energiewende“ davon schwimmen. Da er weniger das Klima im Sinn haben kann, erscheint er hier wie ein Propagandist für ihre Lobbyinteressen. Das muss ein Wissenschaftler jedoch unbedingt vermeiden, will er als solcher angesprochen werden.