Von Frank Bosse
Was geistern da wieder für Meldungen durch die Medien?!
Der Winter 2025/26 wird kälter sein am Ende als viele seiner Vorgänger. Recht wahrscheinlich wird die Mitteltemperatur in Deutschland nur 0-1°C betragen, im Vorjahr waren es 2,2 °C, davor gar 4°C. Der sachliche Beobachter wird davon nicht allzu überrascht sein, schließlich ist die Wintertemperatur schon immer recht variabel, 2010 (-1,3°C) und 2011 (-0,6°C) sind Beispiele für noch kältere Exemplare in neuerer Zeit. Insgesamt und im langjährigen Mittel nehmen auch die Wintertemperaturen jedoch tendenziell zu, das bringt der Klimawandel so mit sich. Die höhere Variabilität der Wintertemperaturen im Vergleich zu den anderen Jahreszeiten hängt mit der Variabilität der „Nordatlantischen Oszillation“ zusammen, wir hatten diese Zusammenhänge auf diesem Blog schon ausführlicher geklärt, daher gerne auch hier nachlesen.
Damit ist die reale „Winterstory“ eigentlich schon auserzählt. Nicht so für übliche „Klimawarner“. Unkritische Medien wiederholen gerne „Lach- und Sachgeschichten“ über Polarwirbel, Golfstromkollaps und Jetstream- Schwäche durch den Klimawandel.
So konnte der Interessierte Anfang noch Februar 2026 hier nachlesen:
„Solche stabilen Wetterlagen werden mit dem Klimawandel häufiger. Denn die Arktis erwärmt sich – rund drei- bis viermal schneller als der Rest der Welt. Dadurch nimmt der Temperaturunterschied zu Mitteleuropa ab, der Motor des Jetstreams wird schwächer.“
„Das entbehrt aber auch jeder Grundlage!“ ruft der aufmerksame Leser unseres Blogs, nachdem er den neuesten Stand der Forschung dort verfolgen konnte. Der Jetstream wird weder „schwächer“ noch “langsamer” noch “welliger” durch den Klimawandel- Auch „Störungen des Polarwirbels“ nehmen nicht zu, jedenfalls Störungen des troposphärischen Winter- Wirbels. Da geht es sehr oft mit den Begriffen total durcheinander: der eigentliche Polarwirbel befindet sich in der Stratosphäre, wo unser Wetter zunächst NICHT gemacht wird. Eine fachmännische Erklärung lieferte auch hier „Kachelmannwetter“ mit diesem Video.
Der troposphärische Polarwirbel wird durch den Jetstream begrenzt, der wird nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft gar schneller und „leiert nicht mehr aus“ als vor 50 Jahren.
Trotzdem geistert das immer wieder wie ein Untoter durch gewisse Medien. So wurde der Autor dieser Zeilen gebeten, das alles auch in einem Audio zu kommentieren, hier nachzuhören im 1. Interview.
So richtig verrückt wird das Ganze, wenn ein Winterwetter mit dem Golfstrom in Verbindung gebracht wird, wie auch aktuell zu lesen.
Anlass war eine „Studie“, über die auch wir berichteten und die dortigen irren Modellannahmen mit dieser Zusammenfassung:
„Damit irgendeine Aussage über „das Kippen“ der AMOC auf der realen Erde zu machen, grenzt mehr an ein Stück aus dem Tollhaus, denn stellt es eine seriöse Publikation in einem namhaften Journal dar.“
Wie kommen dann solche Zeilen noch Ende Dezember 2025 in „Bild“ zustande?
„Schon lange haben Wissenschaftler die Befürchtung, der Golfstrom könnte sich bis 2100 verlangsamen oder sogar ganz stoppen. Doch das Risiko ist wohl viel höher als angenommen, wie die aktuelle Studie unter Beteiligung des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung ergibt.“
Daran ist nämlich praktisch nichts wahr! Der „Golfstrom“ wird sich nicht „verlangsamen“, solange „der Wind weht und die Erde sich dreht“ ,weiß man schon seit 2004!
Fragt man dann zu dieser Verwirrung nach, kommt häufig: „Ja, das ist richtig. Landläufig wird die AMOC aber Golfstroms genannt. Zum besseren Verständnis für Leser nutzen wir vereinfachte Begriffe.“
Gemeint ist nämlich etwas völlig anderes als der „Golfstrom“, die atlantischen Umwälzzirkulation oder AMOC. Man könnte es weniger entstellen und vereinfacht sagen: „Die atlantische Zirkulation“, nur „knallt“ der falsche Begriff „Golfstrom“ viel mehr bei Laien!
Aber auch mit der theoretischen Möglichkeit einer deutlichen AMOC-Schwächung ist noch viel weniger her als schon durch die Verwendung unrealistische Klimamodelle zu erahnen ist.
Eine Studie beschäftigt sich mit einer Voraussetzung für diese hypothetische Möglichkeit: Erheblicher Süßwassereintrag in den Nordatlantik. Wir hatten berichtet. Sie fand die realen Mengen und Wege von Schmelzwasser Grönlands in die Strömung. Und das sind ganz andere, geringere Größenordnungen als auch neueste „AMOC- Modellsimulationen“ voraussetzen, wie diese, Mitautor: Prof. Stefan Rahmstorf. Auch da werden große Mengen Süßwasser in den Nordatlantik „geschüttet“ („Hosing experiments“) ohne Rücksicht auf reale Verhältnisse.
Warum machen einige Forscher so etwas? Wäre es „die Wissenschaft“, so hätte alles das Ziel, Modelle zu verbessern und damit realen Verhältnissen näher zu kommen, wie die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg es schon vorbildlich in der Überschrift aussagt.
Wie ist dann der reißerische “Bild”-Artikel noch kurz vor Weihnachten zu bewerten?
Da wird NICHTS eingeordnet, da wird schlicht versucht, Angst zu schüren, weiter ist es nichts:
„Kälte-Zeit für Europa immer wahrscheinlicher“
Es wurde übrigens wetterbedingt auch kälter um diese Zeit! ES WAR WETTER! Am Heiligen Abend war es in fast ganz Deutschland frostig. Der Bild-Leser erinnerte sich dann womöglich an den Artikel von vor drei Tagen und folgerte kühn: „Da ist sie ja, die Kälte-Zeit… der Golfstrom!“? Es wäre logisch!
Immerhin besteht für “Bild” Anlass zur Hoffnung, dort verfasst nun Axel Bojanowski eine “Klima-Kolumne” und er weiß, wovon er schreibt.
Und da sind wir bei der Überschrift: An solchen „Wintermärchen“ mit „Golfstrom“, „Jetstream“ und „Polarwirbelschwächung“ durch den Klimawandel erkennt man mit hoher Sicherheit Alarm-Rufer ohne jeden gesicherten Grund. Man möchte denen zurufen: „Zu langes, zu lautes Blöken macht die gemeinten Empfänger nur immer tauber!“ Aber vermutlich auch ohne jeden Erfolg: die Rufer sind wahrscheinlich selbst schon taub geworden für jede Botschaft mit Vernunft.