Von Frank Bosse
Der August 2026 in nackten Zahlen zu Temperaturen und Niederschlag der letzten 100 Jahre in Deutschland nach der Mitteilung des DWD:

Verzeichnet sind die Einzelwerte und je ein 30- jähriger Tiefpass. Von den Temperaturen her rangiert der vergangene August mit 19,9°C auf Platz 4. Vor ihm platzierten sich noch 2003 (20,6 °C), 2022 (20,2°C) und 2020 (20,0°C). Auffällig ist, dass nach 2015 gehäuft Jahre auftraten, die in die Nähe von 20°C kamen. Einzig 2021 bot vergleichsweise kühleres Wetter mit 16,4°C. So zeigt denn auch der Tiefpass (fett) seit den 80er Jahren und besonders nach 2012 steil nach oben. Die Daten lügen nicht: wir erleben den Klimawandel monatlich auch in Deutschland.
Beim Niederschlag ist das Bild nicht so einheitlich. Es gab mit 62 mm im Deutschlandmittel zwar merkbar mehr Regen als im Vorjahr (46,6 mm), nur war auch dieser Wert vergleichsweise gering. Es traten jedoch 23 Augusts in den letzten 100 Jahren auf, die noch trockener waren, davon 10 vor 1980. Der Niederschlag war also sehr weit weg von „ungewöhnlich wenig“, zumindest im Deutschlandmittel.
Für den Gesamtsommer (Juni, Juli, August) 2026 ergeben sich, ebenfalls nach der Mitteilung des DWD, diese Abbildungen:

Bei den Temperaturen kam der Sommer 2026 auf den zweiten Platz: Mit 19,6°C musste er nur 2003 (19,7°C) knapp den Vortritt lassen. Auch hier ist der Verlauf des Tiefpasses eindeutig: Seit Anfang der 80er ist es auch sommers um ca. 2,5°C wärmer geworden, blickt man „klimatechnisch“, mit einer Integrationszeit von 30 Jahren auf den Sachverhalt. Beim Niederschlag waren nur 7 der vergangenen hundert Jahre trockener als das heurige, davon 4 nach 1980. Auch hier auffällig, dass nach 2018 nun schon der dritte recht trockene Sommer auftrat. Das „biegt“ auch den Tiefpass am Ende nach unten, wobei man seine Eigenheit kennen muss: Das Ende (hier die letzten 15 Jahre) ist nicht sehr „stabil“, kann also von möglichen feuchteren Folgejahren zukünftig wieder relevant „nach oben gebogen“ werden. Bisher ist es jedoch in den letzten Jahren im Sommer trockener als vorher. Eine „Rekorddürre“ erlebten wir zumindest im Flächenmittel jedoch weder im gesamten Sommer, erst recht nicht im August. Vorsicht mit solchen Überschriften in Medien ohne jede Statistik-Beachtung.
Da war auch viel die Rede von „Hitze“. Das war in Teilen auch berechtigt, in anderen nicht. Seit zwei Jahren (vgl. hier und hier) bewerten wir für Berlin die physiologische Hitze, mit einem Ausdruck, der dem Verlauf der Feuchtkugeltemperatur (oder auch „Kühlgrenztemperatur“) entspricht. Dieser Ausdruck (eine Kombination zwischen Temperaturen und Taupunkttemperaturen) berücksichtigt beide Komponenten, die großskalige „Hitzebelastung“ ausmachen: Temperatur und Luftfeuchte. Für Berlin sah das im Vergleich zu Vorjahren so aus in 2026:

Der Index verarbeitet sowohl die Amplitude als auch die Dauer der Belastung. In 2026 (dunkelrot) ging es in Berlin los mit dem 18.6., es gab eine mächtige Hitzewelle mit Temperaturen bis 39°C und 18°C Taupunkt am 28.6. Das erzeugte eine Feuchtkugeltemperatur von ca. 26°C, allerdings noch entfernt von „Lebensgefahr durch Hitze“, dafür bedürfte es noch mindestens 4 Grad mehr. So waren diese Tage z.T. sehr belastend, objektive physiologische Gefahr bestand jedoch noch nicht. Danach war dann zunächst die große Hitze aufgeschoben, weitere Belastungen gab es dann wieder nach dem 29.7. bis zum 5.8.26. Am 30.7. folgte der Rekord an Temperaturen der zweiten Welle: 37°C. Allerdings blieb der Taupunkt im Zaum: die Feuchtkugeltemperatur schaffte es nur bis ca. 23°C. Am 17.8. war dann alle Hitze in Berlin vorbei und das Jahr endete in der Gesamtbelastung recht genau da, wo auch schon 1994 endete. 2015 und 2019 blieben mit großem Abstand unerreicht, die beiden Vorjahre wurden jedoch übertroffen. Nur wer kann sich schon so lange an die Einzelheiten zu „Hitze“ erinnern? So mag es kommen, dass alle Jahre wieder das Lied von der „sagenhaften Hitze“ gesungen werden kann, wie in diesem. Real bleibt für Berlin: Besonders die Welle Mitte bis Ende Juni war sehr belastend, danach kam nichts, was nicht schon lange gut bekannt war.
Umso mehr mussten die Meldungen des RKI in diesem Jahr zu „Hitzetoten“ verblüffen, wir berichteten aktuell am 1. August und später.
Wie kam das RKI zu den Zahlen? Kurz zusammengefasst: Allein aus den Mitteltemperaturen von Kalenderwochen (!) folgerte es: „Sind sie größer als 20°C, dann ist mögliche Übersterblichkeit (mehr Todesfälle als im Median 2022-2025) (garantiert) durch Hitze bedingt.“
Wir hatten bereits Anfang August dargelegt, wie eine statistische Auswertung darstellbar wäre. Man fertige eine Regression an: auf der einen Seite die Todesfälle (Unter/Übersterblichkeit) und auf einer anderen die Wochenmittel- Temperaturen. Man kann dann schauen, welche Abhängigkeit bestehen KÖNNTE, denn irgendeine Kausalität ist damit keinesfalls nachgewiesen. Wir kamen am 21.8. darauf, dass vielleicht die Todesfälle zu 50% von den Temperaturen abhängig sein könnten, wenig genug. Inzwischen ist die Zeit bis KW 34 (bis 22.8.) ausgewertet und das Diagramm sieht noch schlechter aus was eine mögliche Abhängigkeit betrifft:

Die Kalenderwochen, die Sterblichkeit in ihnen und ihre Mitteltemperaturen sind verzeichnet.
Die Abhängigkeit ist nun gar auf 41% (das R² im Diagramm) zurückgegangen. Es könnte also sein, dass gerade mal 41% der Todesfallzahlen mit Hitze korrelieren. Der entscheidende physische Zusammenhang muss allerdings eher dunkel bleiben, weil die mitentscheidende Größe für wirkliche physiologische Hitzebelastung, die Luftfeuchte vom RKI überhaupt nirgends in Betracht gezogen wurde, anders als im „Hitze-Diagramm“ für Berlin oben.
Die ganze Operation erinnert so mehr an einen Taschenspielertrick als an das Ergebnis eines sich seriös gebenden Instituts. Die Schlagzeilen in einigen Medien sind wohl nur auf völlig unkritischen, statistisch unbeleckten Journalismus dort zurückzuführen. Schade um die ganze „Empörung“ landauf, landab über „Hitzebedingte Todesfälle“, sie war mehr „heiße Luft“ als es im Sommer gab.
Was bleibt also von diesem Sommer meteorologisch?
- Wir leben im Klimawandel, es wurde auch im Sommer um nunmehr ca. 2,5°C wärmer als es zu Beginn der 80er Jahre war. Damit steigt zwangsläufig auch die Anzahl heißer Tage (>30°C).
- Es war recht trocken, jedoch weit weg von „sehr ungewöhnlich“ im Sinne von „zu > 95% im Grenzbereich“.
- Es war zeitweise recht heiß, nur bleiben wir in der gemäßigten Klimazone. Reale Lebensgefahr bestand nicht.
- Das RKI lieferte ein Musterbeispiel für wohl intentionale Sensationsmeldungen ohne reale Substanz.