Von Frank Bosse
Seit Ende Juli erfahren wir unablässig von „Hitzetoten“ durch das Robert-Koch Institut. Dabei finden sich wie im aktuellen Bericht immer wieder solche Sätze:
„Der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle entfällt auf die Altersgruppen ab 75 Jahren.“
„Hitzebedingt“ beinhaltet eine Kausalität („bedingt“). Ist das durch die Methode des RKI gedeckt? Da werden Daten des Statistischen Bundesamtes zur Sterblichkeit ausgewertet (hier herunter zu laden) und wöchentliche Deutschlandtemperaturen (hier zu finden) vom DWD via Bundesnetzagentur.
Man korreliert zwei Datenreihen und das RKI legt eine Schwelle fest, ab wann Übersterblichkeit durch die Temperaturen (Hitze!) auftreten soll:
„Der analysierte Verlauf der Sterbefälle zeigt in Wochen mit mittlerer Temperatur über 20°C (…) deutlich höhere Werte im Vergleich zu kühleren Sommerwochen.“
Wir hatten schon im Artikel am 1.8.2026 festgestellt, dass das „Modell“ des RKI eher fraglich sein könnte, da man nur mit den Sommermitteltemperaturen (!) ein nur unwesentlich abweichendes „Modell“ für die Sommer ab 1950 bauen kann, völlig unphysiologisch.
Nun seien aktuelle Zahlen 2024-2026 ausgewertet um das „RKI-Modell“ weiter zu verifizieren.
Eine Korrelation zwischen A und B wird man stets finden, wenn A von B oder B von A oder A und B von C, D, E… abhängig ist. Das sagt also NICHTS über Kausalität. Man sollte zumindest vom RKI bei der Korrelation in 2026 eine Aussage treffen können, zu wieviel Prozent die Sterblichkeit von der „Hitze“ abhängig sein könnte oder anders gesagt: Welche denkbare Abhängigkeit und „mitwirkende Einflüsse“ bestehen überhaupt?
Hierzu werden die Übersterblichkeitszahlen der Gesamtbevölkerung mit den Wochentemperaturen bisher in diesem Sommer korreliert, wenn man den Median 2022-2025 als „normal“ setzt wie das RKI.

Benutzt wurden die Daten von Anfang Juni bis KW32, so im Diagramm bezeichnet. Die KW27 (unter 20°C und hohe Sterblichkeit) sticht heraus, sie hat eine besonders hohe Abweichung vom Trend (gestrichelt). Es könnten Nachwirkungen der Hitze in KW 26 sein oder auch nicht. Einen zeitlichen Verzug behandelt das RKI auch nicht, jedenfalls wird das in den Methoden da nicht erwähnt. So kommt es, dass die Streuung der „Übersterblichkeit“ mit den vom RKI verwendeten Daten nur zu 50% (das R² im Diagramm) von der Streuung den Wochen- Temperaturen abhängig ist. Das ist viel zu wenig (nahe würfeln) für valide quantitative Aussagen!
Auch der Satz des RKI oben:
„Der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle entfällt auf die Altersgruppen ab 75 Jahren.“
sei näher überprüft. Wenn es so wäre, so müsste der Anteil > 75 Jahre an den Gesamttodeszahlen /Woche in KW 26 mit einer Mitteltemperatur von 25,8°C besonders hoch sein. Diese Anteile in den Wochen des Jahres:

Überraschung: der prozentuale Anteil war in KW 26 und besonders KW 27 so niedrig wie in keiner anderen Woche des Jahres. Woran liegt das? Die Übersterblichkeit lag z.B. bei 30…35-jährigen viel höher, bei +48%, bei 45…49-jährigen bei +44% in KW 26. Es sind quer durch die Bevölkerung prozentual mehr jüngere im Mittel als die mit >75 Jahren in KW 26 und 27 gestorben. Das sagen die gleichen Daten, die auch das RKI auswertet, nur spricht das gegen „Hitze“ als DIE Ursache. Dass die ältere (>75) Gruppe völlig unabhängig von Temperaturen mehr Todesfälle aufweist als der Rest, ist eine Binse. Es kommt auf die Verteilung an und die widerspricht, dass ältere überproportional viel an „Hitze“ leiden und deshalb auch sterben, damit oder dadurch.
Noch ein prüfender Blick auf die Vorjahre, um noch diesen RKI-Satz zu überprüfen:
… zeigt in Wochen mit mittlerer Temperatur über 20°C (…) deutlich höhere Werte im Vergleich zu kühleren Sommerwochen.“
Da ragt in 2025 eine Woche >20°C hinaus: KW 33 mit 21,7 °C (der Sommer war eher kühl im Vorjahr), in 2024 waren es 21,9°C in der Spitze, ebenfalls in KW 33. Welche Übersterblichkeit sahen wir also in der Gesamtbevölkerung, da die Temperaturen 20°C deutlich überschritten? In 2025 waren es +0,8 %, in 2024 gar -0,3% wenn man das Mittel jeweils April/Mai zugrunde legt, also völlig unbedeutend im „Zahlenrauschen“.
Die Vorjahre bestätigen die >20°C Wochentemperatur als Schwelle für relevante „Übersterblichkeit durch Hitze“ ebenfalls nicht.
Die „knallige Überschrift“ der ARD unter Bezugnahme auf das RKI „Robert Koch-Institut meldet 14.000 Hitzetote“ benutzt deren „Statistik“ und die gaukelt völlig übertriebene Sicherheit in den Zahlen vor.
Sie ist so nicht zu rechtfertigen. Korrekt wäre:
„Das RKI sieht eine gewisse Korrelation zwischen „Hitze“ und Todesfallzahlen, ob das kausal so ist, muss sich zeigen. Die These, dass daran vor allem ältere Menschen sterben können, geht so nicht aus den Daten hervor“
Nur erforderte das die Quellenprüfung der Daten und Aussagen. Wenn die Headline jedoch ins politische Konzept passt, wird da niemand prüfen. Dann allerdings unter einem Verlust im Ansehen von Medien und „der Wissenschaft“ zu klagen, ist schizophren. Sowohl Kernaussagen des RKI als auch solche Medienmeldungen haben tatsächlich etwas von Baron Münchhausen und seinem „Ritt auf der Kanonenkugel“.