15 Jahre Daten zur „Energiewende“ und was sie verraten zum „Deutschen Energieleiden 2019“

Von Frank Bosse

Wir hörten davon: Klimaschutz sei essenziell, der sehr warme Sommer kostete (so das Robert-Koch Institut, wir berichteten über die „wilde Statistik dahinter) 14.000 Menschen das Leben. Erst unlängst stellte Kanzler Merz zu den Waldbränden in der Eifel fest: „Das ist der Klimawandel“.

Allenthalben also immer wieder der Blick auf das Klima, das sich vor allem durch das Treibhausgas CO2 erwärmt und in den Meldungen solche Folgen zeigt. Das entsteht vorrangig durch das Verbrennen von Kohlenstoff, es kann Erdgas oder Kohle oder Holz oder Öl sein. Daher auch alle Bemühungen in Europa und Deutschland, Energie möglichst CO2-arm zu gewinnen. Dabei spielt die Elektroenergie die führende Rolle, andere „Sektoren“ wie Gebäude und Verkehr sind weitgehend nur mithilfe von „Elektrifizierung“ (z.B. mit Wärmepumpen oder Elektromobilität) beim Freisetzen von CO2 zu bremsen. Daher hier ein Blick auf die kompletten Daten von „Agora Energiewende“, dort seit 2012 verfügbar:

Die Grafik ist verwirrend, es sind schlicht zu viele Informationen enthalten. Daher seien die Daten vorbehandelt mit dem Ziel, die Kernaussagen zugänglich zu machen.

In grün ist der Anteil am Verbrauch der Summe aller real CO2-armen Quellen abgetragen, das sind Wasser, Wind, Photovoltaik (PV) und Kernkraft.

In schwarz ist der Kohleanteil am Verbrauch gezeigt, in hellgrau der Gasanteil. In dunkelgrau ist die „Zielgröße“ der Energiewende gezeigt, der CO2-Emissionsfaktor in g CO2/kWh, als Prozentsatz des maximalen Monatsmittelwertes, das waren 578 g CO2/kWh im Februar 2013.

Diese Zielgröße wird seit 2018 nicht mehr signifikant kleiner, wir hatten das hier bis zum ersten Halbjahr 2026 gezeigt. Wir hatten auch bereits nachweisen können, dass Deutschland in Europa nur von wenigen Ländern beim Emissionsfaktor noch übertroffen wird. Die Situation ist also in Punkto Klimaschutz im Vergleich sehr schlecht und es hat sich in den Jahren ab 2019 auch nichts entscheidendes daran gebessert.

Das sollte eigentlich Dringlichkeitssitzungen der Regierung und anderer Zuständiger für die „Energiewende“ auslösen. Nur hört man davon natürlich überhaupt nichts, vielmehr vernimmt man „weiter so!“. Daher die Spurensuche in der letzten Abbildung.

Warum sinkt der Emissionsfaktor ab 2019 nicht bei der Deutschen Energieversorgung? Die Antwort ist so einfach wie verblüffend: Weil auch der Anteil CO2-armer Produktion verharrt. Zwischen 2012 und 2019 stieg der noch, von 30-40% auf 40-60%, diesen Wert allerdings immer nur sporadisch erreichend. Meist sind um 50% das „Ende der Fahnenstange“. Der Betrag ist nach 2019 volatiler, die Witterung hat höheren Einfluss als vor 2019. Woran das vorrangig liegt: die stabil arbeitende Kernkraft als CO2-arme Erzeugung ist ab 2019 weniger geworden, ab 2023 ist sie ganz verboten.

So kommt es auch, dass der Anteil Gas leicht steigt und Kohle nach 2019 auch nicht nachhaltig weniger wird.  Beide „CO2-Schleudern“ müssen immer wieder ran, um das Netz zu stabilisieren. Und seit 2023  (man erkennt es gut im ersten Bild, einer Reproduktion von „Agora“) entstehen immer wieder Lücken (weiß rechts oben), geschlossen durch sehr teure Importe. In den knapp 4 Jahren seitdem haben sie sich auf 1,2 Monatsproduktionen von Elektroenergie addiert, auf Monats-Ebene seltene (sehr billige oder gar kostenpflichtige) Exporte abgerechnet.

Die Lage nach der Energiewende ist also nicht nur ernst für das Klima, es ist auch keine Aussicht auf Besserung. Da wird viel von chemischen Speichern phantasiert. Wenn es Ihnen gelingen sollte, die Wirkung vorhandener Pumpspeicher (ca. 40 GWh sind installiert) im „Agora“-Bild auszumachen, so haben sie hervorragende Augen. Wenn Sie also von Batterien und Ihren Kapazitäten hören: setzen Sie diese Zahlen ins Verhältnis zu den realen Pumpspeichern und Sie haben eine Vorstellung davon, wie homöopathisch diese Größenordnungen bei der Stromproduktion sind.

Im Großen und Ganzen hat man in den Jahren nach 2019 die eine Methode der CO2-armen Produktion von Energie (Kernkraft) gegen die andere (Wind und PV) ausgetauscht und sich damit auch noch höhere Volatilität (zwischen 37% und 65% Anteil ist nach 2019 alles dabei) eingekauft, im Bild oben klar zu sehen.

Das eigentliche Ziel der „Energiewende“, so hier eine gewagte These, kann nicht CO2-Reduktion sein. Warum? Untersucht man die Abhängigkeit der CO2-Faktoren in vielen Ländern Europas von ihren Anteilen an Erneuerbaren Energien, so findet man abermals Verblüffendes:

20 Länder Europas und ihre CO2- Koeffizienten über den Anteilen an EE.

Ein Trend ist nicht vorhanden, die Beeinflussung also um null. Entscheidend für den „Klimaschutz“ sind lokal die Verfügbarkeit anderer, nicht volatiler Energien. Das ist oft Wasserkraft oder Kernkraft.

Wir hatten hier gezeigt, dass letztere sehr hoch signifikant den CO2-Emissonsfaktor positiv beeinflusst. Etwas, was EE offensichtlich nicht vermögen. Genau deshalb dümpelt Deutschland im „CO2-Ranking“ auch mit ganz oben, trotz gigantischer Investitionen in EE. Und die letzte Graphik lehrt, dass mehr EE wie vorgesehen kaum eine Steuerwirkung ausüben kann.

Die Schlussfolgerung kann nur sein, dass „mehr vom gleichen“ nicht weiterhelfen wird. Bei Licht besehen befindet sich also Deutschland in einem „Energieleiden seit 2019“. Klimaschutz scheint nur ein Vorwand zu sein, das sagen alle Daten aus. Sie erinnern sich vielleicht an die Korona-Zeit? Man nannte die Pandemie „Covid-19“ für „Corona Virus Disease 2019“. Vielleicht sollte man das Deutsche Energieleiden „GED-19“ nennen, für „German Energy Disease 2019“?     

Teilen: