Quelle: https://phys.org/news/2026-07-cave-reveals-antarctica-el-nio.html – Autor: Luciana Constantino (Phys.org/FAPESP), Veröffentlichungsdatum: 15. Juli 2026 (Phys.org)
Eine Höhle im Süden Brasiliens hat Wissenschaftlern einen außergewöhnlich langen Blick in die Klimageschichte der Region ermöglicht. Forscher untersuchten Ablagerungen in der Malfazido-Höhle im Bundesstaat Paraná und konnten daraus die Entwicklung extremer Niederschlagsereignisse der vergangenen 7.500 Jahre rekonstruieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Häufigkeit außergewöhnlich starker Regenfälle im 20. Jahrhundert zu den höchsten der gesamten untersuchten Zeitspanne gehört. Gleichzeitig fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass sowohl Veränderungen in der Antarktis als auch das Klimaphänomen El Niño eine wichtige Rolle bei der Entstehung solcher Extremereignisse spielen.
Die Grundlage der Untersuchung bildeten sogenannte Speläotheme, also Tropfsteinbildungen wie Stalagmiten, die in Höhlen über lange Zeiträume wachsen. Während starker Überschwemmungen gelangen feine Sedimente in die Höhle und lagern sich auf den Tropfsteinen ab. Diese dünnen Schichten bleiben anschließend wie ein natürliches Archiv erhalten. Durch die Analyse von 921 solcher Überschwemmungsschichten konnten die Forscher die Häufigkeit extremer Regenfälle über Jahrtausende hinweg bestimmen. Die Altersbestimmung erfolgte mithilfe isotopischer Methoden, bei denen bestimmte chemische Elemente als natürliche Zeitmesser dienen.
Die Malfazido-Höhle erwies sich für diese Forschung als besonders geeignet, weil ihre geologische Struktur außergewöhnliche Bedingungen schafft. Unterirdische Wasserläufe und natürliche Kalksteinbarrieren führen dazu, dass sich bei Überschwemmungen Wasser und Schlamm in bestimmten Bereichen sammeln. Dadurch entstehen klar erkennbare Ablagerungsschichten, die einzelne Hochwasserereignisse dokumentieren. Die Forscher konnten diese geologischen Spuren mit jüngeren Überschwemmungen vergleichen und dadurch bestätigen, dass die Höhlenarchive tatsächlich vergangene Extremniederschläge widerspiegeln.
Ein wichtiger Befund der Studie ist der Zusammenhang zwischen den Niederschlägen im Süden Brasiliens und klimatischen Veränderungen weit entfernter Regionen. Besonders auffällig war die Verbindung zur Antarktis: Kühlere Sommerperioden in der Westantarktis traten häufiger gemeinsam mit starken Regenereignissen in Südbrasilien auf. Die Wissenschaftler vermuten, dass Veränderungen des Temperaturunterschieds zwischen der Antarktis und den mittleren Breiten die atmosphärische Zirkulation beeinflussen. Dadurch können sich Wetterlagen entwickeln, die den Transport feuchter Luftmassen aus dem Amazonasgebiet nach Südbrasilien und die Bildung intensiver Kaltfronten begünstigen.
Darüber hinaus fanden die Forscher einen deutlichen Zusammenhang zwischen starken oder moderaten El-Niño-Ereignissen und extremen Regenfällen. El Niño entsteht durch eine ungewöhnliche Erwärmung der tropischen Pazifikregion und verändert dadurch globale Wind- und Feuchtigkeitsmuster. Besonders während der vergangenen 1.000 Jahre zeigte sich, dass Jahre mit ausgeprägtem El Niño häufiger mit starken Niederschlägen im Süden Brasiliens verbunden waren. Die Forscher verweisen auch auf die schweren Überschwemmungen im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Mai 2024, die während eines El-Niño-Jahres auftraten.
Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse darüber, wie natürliche Klimaschwankungen extreme Wetterereignisse beeinflussen. Während El Niño und Veränderungen der antarktischen Klimadynamik bereits bekannte Faktoren sind, zeigt die lange Zeitreihe aus der Höhle, wie stark diese Einflüsse über Jahrtausende hinweg wirken können. Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass die durch den Menschen verursachte Erwärmung der Atmosphäre möglicherweise zur zunehmenden Häufigkeit und Intensität solcher Extremereignisse beiträgt. Die Kombination aus historischen Klimadaten und modernen Beobachtungen soll helfen, zukünftige Risiken besser einzuschätzen und Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Regionen zu entwickeln.
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https://phys.org/news/2026-07-cave-reveals-antarctica-el-nio.html
Paper: Julio Cauhy et al, A Holocene history of extreme rainfall events in Southern Brazil, Communications Earth & Environment (2026). DOI: 10.1038/s43247-026-03506-y