Quelle: https://phys.org/news/2026-06-climate-deadly-middle-east.html – Hebrew University of Jerusalem, Autor: Redaktion Phys.org (bereitgestellt von der Hebrew University of Jerusalem), veröffentlicht am 16. Juni 2026
Klimamodelle übersehen die ersten Warnzeichen tödlicher Hitzewellen im Nahen Osten
Eine neue Studie zeigt, dass moderne Klimamodelle zwar die eigentlichen Hitzewellen im östlichen Mittelmeerraum und Nahen Osten recht gut simulieren, die entscheidenden atmosphärischen Prozesse in den Tagen vor ihrem Beginn jedoch häufig nicht korrekt erfassen. Dadurch könnten Möglichkeiten verloren gehen, gefährliche Hitzeereignisse mehrere Tage im Voraus zuverlässig vorherzusagen.
Für die Untersuchung analysierten Wissenschaftler 11 der weltweit führenden Klimamodelle, die auch in den Berichten des Weltklimarats (IPCC) verwendet werden. Sie verglichen die Simulationen mit realen Wetterbeobachtungen aus einer Region, die sich besonders schnell erwärmt.
Die Forscher stellten fest, dass sich die Vorboten extremer Hitzewellen oft Tausende Kilometer entfernt entwickeln. Veränderungen der großräumigen Luftzirkulation über Europa, der Türkei, Indien und Teilen Afrikas können bereits etwa eine Woche vor einer Hitzewelle beginnen. Diese Prozesse sorgen dafür, dass warme Luftmassen in den östlichen Mittelmeerraum transportiert werden und dort extreme Temperaturen entstehen.
Viele der untersuchten Klimamodelle bilden diese frühen Signale jedoch nur unzureichend ab. Die entsprechenden Prozesse treten in den Modellen oft zu spät, zu schwach oder gar nicht auf. Dadurch könnten wichtige Frühwarnhinweise verloren gehen.
Besonders wichtig scheint ein kräftiges Hochdruckgebiet über der Türkei zu sein. Modelle, die dessen Entwicklung realistischer darstellen, liefern auch bessere Ergebnisse bei der Simulation starker Hitzewellen.
Außerdem fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem südasiatischen Monsun und späteren Hitzewellen im Mittelmeerraum. Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass Veränderungen über Indien die Entstehung extremer Hitze im östlichen Mittelmeer begünstigen können. Keines der untersuchten Klimamodelle konnte diese Verbindung jedoch überzeugend nachbilden.
Nach Ansicht der Forscher bedeutet dies nicht, dass die Klimaprojektionen grundsätzlich falsch sind. Vielmehr sollten Klimamodelle künftig nicht nur daran gemessen werden, ob sie die Häufigkeit oder Stärke von Hitzewellen korrekt wiedergeben, sondern auch daran, ob sie die zugrunde liegenden physikalischen Prozesse richtig beschreiben.
Die Wissenschaftler schlagen deshalb einen neuen Bewertungsansatz vor, der gezielt die atmosphärischen Mechanismen untersucht, welche Extremereignisse auslösen. Dies könnte sowohl langfristige Klimaprognosen als auch kurzfristige Hitzewarnsysteme verbessern und dazu beitragen, Bevölkerung und Infrastruktur besser auf zunehmende Hitzeextreme vorzubereiten. (Phys.org)
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Quelle: https://phys.org/news/2026-06-permafrost-trigger-overlooked-carbon-rivers.html – Umeå University, Autor: Redaktion Phys.org (bereitgestellt von der Umeå University), veröffentlicht am 17. Juni 2026
Auftauender Permafrost könnte eine bislang übersehene Kohlenstoffsenke in Flüssen schaffen
Tauender Permafrost gilt seit Langem als bedeutende Quelle zusätzlicher Treibhausgase, weil beim Auftauen uralter organischer Kohlenstoff freigesetzt wird. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass gleichzeitig ein bislang wenig beachteter Prozess einsetzen kann, der einen Teil dieser Emissionen ausgleicht.
Forscher der Umeå University und der East China Normal University untersuchten 50 Flüsse auf dem Qinghai-Tibet-Plateau. Sie kombinierten Messungen von Kohlendioxid, gelöstem Kohlenstoff, Isotopenanalysen und geochemischen Modellen, um die Veränderungen des Kohlenstoffkreislaufs in tauenden Permafrostgebieten zu untersuchen.
Das Ergebnis: Mit zunehmendem Auftauen werden reaktionsfähige Minerale freigelegt. Dadurch verstärken sich chemische Verwitterungsprozesse, bei denen Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden und in gelöster Form in die Gewässer transportiert wird.
Im Durchschnitt kompensierte diese natürliche Kohlenstoffaufnahme rund 35 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen der untersuchten Flüsse. In Regionen mit bereits stark aufgelockertem Permafrost war der Effekt teilweise sogar so groß, dass die Verwitterung sämtliche Flussemissionen ausgleichen oder sogar übertreffen konnte.
Die Studie macht deutlich, dass biologische und geologische Prozesse eng miteinander verknüpft sind. Während Mikroorganismen beim Auftauen organischen Kohlenstoff zersetzen und Treibhausgase freisetzen, kann gleichzeitig die verstärkte Gesteinsverwitterung Kohlendioxid aufnehmen.
Die Autoren warnen jedoch davor, diesen Prozess als einfache Lösung des Klimaproblems zu betrachten. Je nach Mineralzusammensetzung können Verwitterungsreaktionen auch Kohlendioxid freisetzen. Außerdem ist noch nicht ausreichend verstanden, wie stark diese Prozesse weltweit wirken und wie dauerhaft der gebundene Kohlenstoff gespeichert bleibt.
Nach Ansicht der Wissenschaftler berücksichtigen viele heutige Klimamodelle diese geologischen Prozesse bislang kaum. Künftige Klimaprognosen sollten deshalb neben biologischen Emissionen auch geologische Kohlenstoffquellen und -senken einbeziehen, um die Auswirkungen tauender Permafrostgebiete realistischer abzuschätzen. (Phys.org)
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