AMOC- Kollaps: Der Untote 

Von Frank Bosse

Es ist gar nicht lange her, da hofften wir auf ein Abflauen der „AMOC-Kollaps“ -Bewegung in den Medien.  

Wir berichteten, dass es einige neuere Studien gibt, die da auch eine Entwarnung verkünden.  

Da hatten wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht.  
Aktuell berichtet die „Frankfurter Rundschau“ sogar über ein Interview mit Claudia Kemfert (Ökonomin, nicht Ozeanologin) und zitiert sie so:  

 „Stattdessen fordert Kemfert Deutschland und Europa auf, sich stärker sicherheitspolitisch auf das Szenario eines Amoc-Kollapses vorzubereiten.“ 

Woher kommt diese Angst vor einem Kollaps der Atlantischen Umwälzzirkulation?  

Schnell wird man fündig: Stefan Rahmstorf und die Medien-Maschine des PIK sind auch am Werk. 

Er postete auf X ein Video (natürlich auch mit dem unvermeidlichen Einspieler von Szenen aus dem Sci-Fi Thriller „The day after tomorrow“), hier ein Standbild, von ihm ausgesucht: 

Der „Erklär-Bär“ Rahmstorf vor einem Bild, das die Abkühlung im Nordatlantik zeigen soll, wenn die AMOC kollabiert. 

Quelle: X 

Er verlinkt dort auch ein Paper, das die Inhalte des Videos zum Gegenstand hat. Darin viel bekanntes, der „Cold Blob“ im Atlantik südlich Grönlands sei ein untrügliches Zeichen einer sich abschwächenden Zirkulation. Wir hatten über diese These und ihre Grenzen schon öfters informiert, z. B. hier.  

Ein Blick in das Paper fördert auch Interessantes zu Tage. So schreibt Rahmstorf unter dieser Abbildung der Trends des Salzgehalts im Nordatlantik:  

Quelle: Fig. 10 des Rahmstorf Papers.   

Yet more evidence comes from analysis of seawater density in the upper 1,000 m 
in the subpolar gyre region, which correlates closely with the AMOC and shows a decline over the past 70 years.  

Abgebildet sind also die Trends ca. 1955 bis jetzt. Es gibt für die Salinität der oberen 1000 m des Atlantiks auch Daten für das „blaue“ Gebiet, die zeigen das: 

Quelle: „KNMI Climate Explorer“ 

Da wird deutlich, woher der fallende Trend in Rahmstorfs Bild kommt: Ein Ereignis nach 2010 mit deutlichem Einbruch, inzwischen (2025) ist der Salzgehalt allerdings wieder auf einem Wert, um den er seit 1950 schon oszillierte. Das passt recht gut zu den Messungen der AMOC mit dem Instrument „Rapid“: 

Quelle 

Wir sahen auch hier einen einmaligen Einbruch der roten Kurve um 2010 – nur keinen kontinuierlichen realen Trend nach unten.

Wenn der Salzgehalt also „eng mit der AMOC selbst korreliert“, so findet man: Sie ist gegenwärtig wieder so stark wie schon 1950. Sie hätte nach Rahmstorfs Logik nicht nur einen temporären „Dip“ beschreiben sollen, sondern einen stetigen Abwärtstrend.
Den sehen wir nicht!  

Der Hinweis mit dem Salzgehalt ist jedoch wichtig! Beginnen die „Kollaps“-Geschichten doch alle ähnlich: Der Klimawandel „versüße“ den Nordatlantik, daher könne das salzreiche Wasser bei Grönland nicht mehr absinken und die „Pumpe“ der AMOC versagt.
Über die Probleme mit der Realität (beobachtete Änderung des Salzgehalts da) hatten wir schon berichtet, über die nicht vorhandene „Versüßung“ auch: 

Quelle

Da sind keine fallenden Trends des Salzgehalts seit 1980!
Mit dem Zusammenhang zwischen dem Salzgehalt an der Meeresoberfläche (nicht bis 1000 m Tiefe wie von Rahmstorf oben beschrieben) und der Stärke der AMOC beschäftigte sich genauer diese Arbeit vom August 2025.

Sie benutzte mehrere Datenquellen um den möglichst ohne jede Verzerrung zu erfassen.

Das ist sehr wichtig, denn sie findet:

„This result further supports our contention that SSS is a more effective indicator of NAMOC variability than SST, and could explain why SSS is significantly correlated with NAMOC strength across all climate states, while the relation can be broken for the SST under extreme climate scenarios when external forcing dominates the response.“


Die Autoren hatten auch mit Modellen herausgefunden, dass der Salzgehalt (SSS) besser die AMOC abbildet als die Oberflächentemperaturen des Meres (SST). Vor allem machen sich die Defizite der SST-Methode (Stichwort “Cold Blob“) bei einem stärkeren äußeren Antrieb bemerkbar, das ist gegenwärtig durch die Klimaerwärmung auch gegeben. Vorsicht also mit solchen Thesen, besser ist es, den Salzgehalt auszuwerten. Und da findet die Arbeit, wie hier auch schon gefolgert im Juni 2025: Nichts, keinen realen Trend seit 1958:

Quelle: Fig. 4e der verlinkten Arbeit

Woraus sie diesen Schluss zieht:


„The absence of significant SPNA freshening over the past several decades may imply the AMOC is less fragile than previously postulated, …”


Die AMOC ist nicht so fragil wie (von anderen) angenommen.

Wie verträgt sich das mit dem „Daueralarm“, durch das PIK und einige andere Forscher befeuert?
So, dass Frau Kempfert schon fordert:

„In Deutschland müssen die Sicherheitsbehörden beginnen, sich damit auseinanderzusetzen, was es bedeutet“, sagte Kemfert.“


Worauf sollen wir uns noch „vorbereiten“ und wie? Auf Szenarien, die in der wissenschaftlichen Literatur z. T. völlig konträr gesehen werden? Die Arbeit aus 2025 sieht „wenig Fragilität der AMOC“, Rahmstorf warnt fortgesetzt vor dem nahenden Kollaps und man müsse vorbeugen! Das ist keine Grundlage für politisches Handeln! Wer so etwas fordert, lässt die vielen Zweifel in der Wissenschaft außen vor und will die eigenen Thesen als „die Wahrheit“ verkaufen. Nur sind sie das objektiv nicht.

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