Klimafolgen von Vulkanausbrüchen

Quelle: https://phys.org/news/2026-05-ice-core-discovery-volcanic-eruptions.html – veröffentlicht am 21. Mai 2026 – Quelle: University of St Andrews

Eiskern-Entdeckung zeigt: Vulkanausbrüche könnten größere globale Folgen haben als bisher gedacht

Neue Forschungen der University of St Andrews haben einen Ausbruch des Newberry-Vulkans präzise datiert und gezeigt, dass sich dessen Asche mehr als 5000 Kilometer über den Globus ausbreitete. Das war für einen Ausbruch dieser Größenordnung bisher nicht erwartet worden. Die in der Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews veröffentlichte Studie identifizierte Aschepartikel des sogenannten Newberry-Pumice-Ausbruchs in einem grönländischen Eiskern. Möglich wurde dies durch geochemische Fingerabdrücke, bei denen die chemische Zusammensetzung der Aschepartikel mit Ablagerungen des Newberry-Vulkans in Oregon verglichen wurde.

Frühere Datierungen hatten den Zeitpunkt des Ausbruchs nur auf ein etwa 140 Jahre breites Zeitfenster um die Wende zum 7. Jahrhundert eingegrenzt. Durch den Fund der Asche im Eis konnten die Forscher den Ausbruch nun auf etwa 686 nach Christus datieren, mit einer Genauigkeit von nur zwei Jahren. Verantwortlich dafür sind die sehr präzisen Altersmodelle für grönländische Eiskerne. Studienleiterin Helen Innes erklärte, dass es äußerst schwierig sei, winzige Aschefragmente von nur 0,02 Millimetern Größe ihrer genauen vulkanischen Quelle zuzuordnen.

Deshalb sei es ein besonders aufregender Moment gewesen, als der geochemische Fingerabdruck exakt mit dem Newberry-Vulkan übereinstimmte. Solche Entdeckungen könnten wichtige Informationen über frühere Ausbrüche, deren genaue Zeitpunkte und ihre Gefahren liefern. Besonders bedeutsam sei die Erkenntnis, dass selbst vergleichsweise kleine Vulkanausbrüche Asche über enorme Distanzen transportieren können. Der Newberry-Ausbruch wird als VEI-4-Ereignis eingestuft.

Damit war er etwa zehnmal kleiner als der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980, aber deutlich größer als der isländische Eyjafjallajökull-Ausbruch von 2010, der den europäischen Flugverkehr massiv beeinträchtigte. Weltweit ereignen sich Ausbrüche dieser Größenordnung normalerweise einige Male pro Jahrzehnt. Außergewöhnlich war laut den Forschern jedoch, dass die Asche des Newberry-Ausbruchs über die gesamten USA und den Atlantik bis nach Grönland transportiert wurde. Dies zeige, dass selbst relativ moderate Ausbrüche Gefahren für den Nordatlantik darstellen können. Ein besseres Verständnis solcher Risiken sei deshalb für Katastrophenschutz und Krisenmanagement von großer Bedeutung.

Co-Autor William Hutchison erklärte, dass meist Island als vulkanischer Gefahrenherd wahrgenommen werde. Die Studie erinnere jedoch daran, dass auch zahlreiche Vulkane in Nordamerika, Russland und Japan riesige Mengen Asche über die Nordhalbkugel verteilen können. Der Nordatlantik sei eine der am stärksten genutzten Flugrouten der Welt. Der Nachweis großer Mengen vulkanischer Asche in Grönland verdeutliche daher die globale Reichweite selbst relativ kleiner Ausbrüche. Laut Hutchison komme es bei Vulkanausbrüchen nicht allein auf die Größe an. Ein kleiner, aber besonders aschereicher Ausbruch an einem ungünstigen Ort könne enorme Störungen verursachen. Es sei äußerst schwierig vorherzusagen, wann und wo der nächste global störende Ausbruch stattfinden werde. Regierungen und internationale Organisationen müssten deshalb auf koordinierte Reaktionen vorbereitet sein.

Der Newberry-Vulkan gehört zur Kaskadenkette in den USA, zu der auch der Mount St. Helens zählt. Er gilt weiterhin als aktiv und wird vom US Geological Survey als Vulkan mit sehr hohem Gefahrenpotenzial eingestuft. Der Ausbruch von 686 nach Christus war sein bislang letzter bekannter Ausbruch. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Ascheablagerungen nahe des Vulkans ungewöhnlich schmal und langgestreckt verteilt sind. Dies deutet auf starke Winde während des Ausbruchs hin. Die Forscher vermuten, dass genau diese Windverhältnisse dazu beitrugen, die feine Asche über Nordamerika hinweg bis nach Grönland zu transportieren. Andrea Burke von der University of St Andrews erklärte, dass die Forscher niemals erwartet hätten, so viel Asche in einer so großen Entfernung von einem moderaten Ausbruch zu finden. Die Ergebnisse zeigten, wie wichtig die Untersuchung vergangener Ausbrüche sei, um heutige Risiken besser zu verstehen.

Weiterlesen: https://phys.org/news/2026-05-ice-core-discovery-volcanic-eruptions.html

Teilen: