Klimaaktivisten in dritter Potenz 

Von Frank Bosse 

Unser erster Fall spielt in Österreich. Da gibt es ein Fernsehprogramm namens „Servus TV“ und das sendet regelmäßig eine Show „Talk im Hangar 7“, in der aktuellen Ausgabe vom 21. Mai 2026 ging es um „Klima-Notstand: bald wieder Lockdowns?“ Ein (laut Vorstellung) „Deutscher Klima- und Fahrrad-Aktivist“ kam auch zu Worte, Ingwar Perowanowitsch veröffentlichte einen Teil seines Beitrags auf X.  In dem 92 Sekunden Video ging es zunächst um „die Wissenschaft“ und er beklagte, dass zu viele Menschen „die Augen zu machen“. Bei Min. 1:00 kommt er auf den „globalen Süden“ zu sprechen und die vielen „Klimaflüchtlinge“, weil den Menschen dort die Existenzgrundlage durch den Klimawandel genommen würde. Bei Min. 1:12 wird er konkret und führt aus: 

 „weil es z.B. in Botswana seit 2 Jahren nicht geregnet hat in manchen Regionen“.  

Der Klimawandel! Die Gegend ist sehr trocken, große Gebiete sind Wüste. Nur wurde es mit dem Klimawandel da wirklich noch trockener seit 1980?  

Die Antwort: 

Die Abbildung wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.  

Sie zeigt die hoch aufgelösten Trends des Niederschlags nach der Reanalyse „ERA5“, im Allgemeinen als „Daten-Goldstandard“ bezeichnet. Im Nordosten des Landes nahm er zu, einen ganz, ganz leicht negativen Trend nur ganz im tiefen Süden, dort befindet sich die „Halbwüste“.  

Die Daten stützen die Behauptung des Aktivisten nicht. Er hat seine „Weisheit“ vermutlich aus Wikipedia, dort wird die These „Klimawandel!“ kolportiert, jedoch auch nicht von Daten gestützt. So werden Erzählungen über „Klimaflüchtlinge“ geboren, mit dem Brustton der Überzeugung vorgetragen ohne jede datenbasierte Grundlage. Auch die Mitteltemperaturen steigen da kaum.  

Klima-Aktivismus halt!  

Der zweite aktuelle Fall spielt in Deutschland, im „Freitag“ stand eine neugierig machende Überschrift: „AMOC bedroht die Zentralheizung Europas“ (hinter der Bezahlschranke).  

Fangen wir mit dem Ende des Artikels von Nick Reimer an: 

„Aktuell befindet sich die Menschheit auf einem Kurs von 6 Grad mehr bis zum Ende des Jahrhunderts.“  

Grundlage der Behauptung: Das war einmal das oberste Ende des Erwartungsbereiches nach dem Szenario SSP5-8.5, es wurde jedoch bereits im April 2026 in Rente geschickt als „unplausibel“. Wir berichteten u.a. hier.  

Wie der Aktivist des „Freitag“ die 6 Grad bis 2100 am 22. Mai 2026 ernsthaft aufs Papier bringen konnte, bleibt sein Geheimnis.
Wir hatten hier berichtet, dass aktuelle Schätzungen davon ausgehen, dass die höchste Wahrscheinlichkeit bei 2,4 Grad um 2100 gegenüber vorindustriellen Zeiten liegt (also ca. 1 Grad mehr als heute), der obere Rand des Bereichs liegt bei 3,2 °C, der untere bei 1,6°C.  

Diese Zahlen „knallen“ zwar nicht wie die von Nick Reimer in die Welt gesetzte und damit den Leser verängstigende, dafür sind sie jedoch begründet von drei Profi- Statistikern in einer begutachteten Arbeit aus 2025. Damit ist natürlich nicht allzu viel Staat zu machen bei „Klima- Untergangspropheten“, bisher waren jedoch alle Propheten falsche. 

Mit düsteren Prognosen beginnt auch der Reimer-Artikel, der sich vor allem um die AMOC dreht. Wir hatten hier erst unlängst den neueren Forschungsstand beleuchtet (weniger die Ansichten von Stefan Rahmstorf vom PIK, die Reimer dazu ausschließlich bemüht) und fanden ein real sehr uneinheitliches Bild.  

Zur Beschreibung der Wirkung der AMOC in Europa vergleicht Reimer die Temperaturen von Hamburg und einem Ort in Kanada, der auf der gleichen Breite wie Hamburg liegt. Da ist es im Winter viel kälter, das wäre das Werk der Atlantischen Umwälzzirkulation. 

Ein Blick auf die Temperaturverteilung Januar-März 2023 der extratropischen Nordhalbkugel: 

Quelle: „KNMI Climate Explorer“ 

Tatsächlich: In Europa ist es deutlich wärmer als an der Ostküste Amerikas. Wie sieht es mit dem anderen großen Ozean aus, dem Pazifik? Auch da die gleiche Erscheinung: An der Westküste Amerikas ist es deutlich wärmer als an der Ostküste Asiens auf gleicher Breite. Man erkennt deutlich in beiden Fällen warme Zungen Richtung Westen wachsend. Dann liegt es nahe, dass da vorrangig etwas anderes gemeinsam wirken muss, im Pazifik gibt es ja keine vergleichbare Strömung wie die AMOC im Atlantik.

Die Erklärung ist altbekannt: Nördlich ca. 40°N weht der Wind gewöhnlich von West nach Ost, man nennt es die Westdrift. An der jeweiligen Westküste der Kontinente kommt der Wind also vorrangig vom Ozean her, der ist im Winter deutlich wärmer als das Land. Die Luft wird so bei der weiten Reise über das Meer aufgewärmt. Auf der Ostseite der Kontinente ist das anders, hier kommt der Wind von Westen her über das kühlere Land.

Das ist der entscheidende Grund, warum es in Hamburg im Winter wärmer ist als in Kanada, das trifft für Vancouver in Kanada (Mitteltemperatur 3-4 Grad im Januar) ebenso zu im Vergleich zur Halbinsel Sachalin (-5 Grad im Januar). Wie weit die AMOC hier vielleicht auch ihre Hände im Spiel haben mag, ist völlig offen ob des Haupteffekts „Westdrift“.  

Die Windrichtung kann auch eine verlangsamte AMOC nicht beeinflussen. Daher ist auch völlig offen, was ihr Abschwächen an den Wintertemperaturen in Europa wirklich „drehen“ könnte.  

Der gute Nick Reimer scheint nicht viel zu wissen über die Gegebenheiten auf der realen Erde, was ihn offenbar nicht daran hindern kann, mit Eifer darüber zu schreiben. Lassen wir es daher genug sein mit seinem Artikel.     

Der dritte aktuelle Fall stammt aus dem „Tagesspiegel“, auch hinter der Bezahlschranke. Da geht es um das „in Rente geschickte“ Szenario RCP 8,5 (oder SSP5 8.5). Nachdem zunächst erst einmal betretene Sprachlosigkeit in vielen Medien darüber herrschte, so hat man sich wohl nun auf eine Sprachregelung geeinigt. Im Tagesspiegel klingt das so:  

 „Die aktuellen jährlichen Emissionen von CO₂ sind mit rund 40 Milliarden Tonnen zwar immer noch sehr hoch. Aber seit einigen Jahren nehmen sie kaum noch zu. Das ist vor allem ein Erfolg der weltweiten Energiewende. Schnell wachsende Flächen von Solarzellen und Windräder liefern immer mehr Strom…Und deshalb konnten sie das Szenario ungehemmt weiter steigender CO₂-Emissionen aus ihrer Liste der plausiblen zukünftigen Klimaentwicklungen streichen.“ 

Aha! Die erfolgreiche Klimapolitik ist also die Ursache für die Abwahl des „Katastrophenszenarios“. Das ist allerdings unwahr! Wir hatten hier berichtet über die großen Probleme mit der Konsistenz des Doom-Szenarios mit der realen Erde, die bereits ab 2017 in der Wissenschaft geäußert wurden. Zeke Hausfather, ein renommierter Forscher drückte es so aus auf X:  

„Beides ist richtig: RCP 8.5 war nie ein realistisches „Weiter so Szenario“ UND wir haben reale Fortschritte gemacht, die Emissionskurve weiter nach unten zu bringen.“  

    

Es ist das klassische Beispiel für „Korrelation ist nicht Kausalität“. Gegen dieses Prinzip verstößt jedoch die gefundene Wortwahl des „Tagesspiegel“ und anderer Medien. Axel Bojanowski nennt das in der „Welt“ eine Lüge.  Im engen Sinne ist das Vorspiegeln einer nicht vorhandenen Kausalität auch eine.  

Am Ende drei Beispiele für aktuellen Aktivismus in der Klima-Berichterstattung. Davon gibt es definitiv zu viel!  

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