Regierung will Stromversorgung in zwei Schritten umbauen

Nach mehr als 2 Jahren in der Regierungsverantwortung gibt es tatsächlich eine Kraftwerksplanung bei der Ampel-Koalition. Es dürfte spannend sein, woher der Wasserstoff dafür kommen soll, denn er muss extrem günstig sein, wenn er wieder verstromt werden soll. Der Spiegel

“Im ersten Schritt sollen zehn Gigawatt an wasserstofffähigen Gaskraftwerken gebaut werden. Der Bau soll schnellstmöglich erfolgen, die Erbauer sollen dafür eine Förderung erhalten. Die Regierung will nach SPIEGEL-Informationen sowohl die Bauinvestitionen (Capex) als auch den späteren Betrieb der Anlagen (Opex) fördern. Die neu zu bauenden Kraftwerke sollen zwischen 2035 und 2040 vollständig auf Wasserstoff umgestellt werden und an Standorten entstehen, die die Stromversorgung bestmöglich absichern und die Netze möglichst wenig belasten, hieß es weiter. Der genaue Zeitplan für den Umstieg auf Wasserstoff soll bis 2032 beschlossen sein, wenn mehr Klarheit über die verfügbaren Wasserstoffmengen auf dem Weltmarkt besteht.” 

Bei ZFK war im Oktober schon klar, dass die Strategie nicht gut enden wird. Immerhin, der SPD-Politiker Hümpfer ist schlau genug zu erkennen, dass der Staat diese Kraftwerke nicht selbst bauen sollte. 

“Anfang August hatte das Bundeswirtschaftsministerium angekündigt, insgesamt bis zu 23,8 Gigawatt (GW) an neuen wasserstofffähigen Gaskraftwerken ausschreiben zu wollen. 8,8 GW sind für Kraftwerke gedacht, die von Beginn an mit Wasserstoff betrieben werden. 

Dazu sollen maximal weitere 15 GW an Kraftwerken kommen, die vorübergehend Erdgas verbrennen, ehe sie bis spätestens 2035 ans Wasserstoffnetz angeschlossen sind. Eine Einigung der Bundesregierung mit der EU-Kommission über die endgültigen Rahmenbedingungen steht weiterhin aus. (Die ZfK berichtete.) 

„Das wird in einer Katastrophe enden“ 

Dass der Staat die Kraftwerke gleich selbst baut, kommt für Hümpfer nicht infrage. Ein Blick nach Brandenburg und Stuttgart reiche, um zu sehen, dass die Stromerzeugungsanlagen bis 2030 „auf keinen Fall“ stehen würden. Und falls doch, würden sie erheblich teurer werden als geplant.” 

In einem Hintergrundartikel beschreibt die Tagesschau, wie der Umbau von Gas- auf Wasserstoff laufen soll und vor allem, was er kostet. 

“Die Kraftwerksstrategie setzt in erster Linie auf den Bau neuer Gaskraftwerke, die absehbar auch mit Wasserstoff Strom erzeugen können. Auch reine Wasserstoffkraftwerke sollen entstehen. Bis zu 25 Gigawatt an neuen Kapazitäten müssten laut Prognosen des Wirtschaftsministeriums zugebaut werden. Das entspricht etwa 50 neuen Kraftwerken. Das erfordert hohe Investitionen. Die Branche rechnet mit bis zu 40 Milliarden Euro. Das Hauptproblem dabei: Da die Kraftwerke voraussichtlich nicht ständig laufen, sondern meist nur als Reserve für sogenannte Dunkelflauten dienen werden, lohnen sich die Investitionen nicht. Die Branche setzt daher auf staatliche Förderung – sowohl, um den Bau der Kraftwerke finanzieren zu können, als auch für den laufenden Betrieb. Das Wirtschaftsministerium ist dazu im Grundsatz bereit. Am Ende geht es aber um die genauen Kosten und Bedingungen – zumal die EU-Kommission in Brüssel die milliardenschweren Subventionen absegnen muss.” 

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Noch einmal Spiegel. Ein gelber Gurt im Googlen reicht nicht unbedingt aus, um zu komplexen Sachverhalten etwas Sinnvolles zu schreiben. Die Erfahrung darf Christian Stöcker vom Spiegel gerade mal wieder machen. Er bemüht das berühmte tote Pferd bei seinem Kommentar über Kernenergie. Dabei sammelt er Altbekanntes, aber leider stimmen viele Dinge nicht. Sechs Punkte listet Anna Veronika Wendland auf Twitter auf, wo Stöcker falsch liegt. Er wird es nicht lesen, weil Stöcker gern blockt, wenn es Gegenrede gibt. Qualitätssicherung scheint es beim Spiegel bei Kolumnen nicht zu geben. 

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Paris will SUVs zukünftig stärker zur Kasse bitten. Parken soll für sie teurer werden. Die Deutsche Umwelthilfe jubelt schon, verschweigt aber besser, dass nur 6% der Stimmberechtigten bei der Bürgerbefragung mitgewirkt haben. Daraus kann man schließen, dass es 94% ziemlich egal ist. Die Welt

“Bei einer Bürgerbefragung in Paris hat sich eine Mehrheit für eine drastische Erhöhung der Parkgebühren für schwere Stadtgeländewagen ausgesprochen. Am Sonntag setzte sich damit der Plan der Stadtverwaltung durch, nach dem für SUV und andere schwere Autos eine Stunde Parken im Zentrum 18 Euro statt üblicherweise sechs Euro kosten soll und in den Außenbezirken 12 Euro statt vier Euro. Für sechs Stunden Parken im Zentrum werden gar 225 Euro statt bislang 75 Euro fällig.” 

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Die Tagesschau lässt zum Stand des Ausbaus der Erneuerbaren drei Experten zu Wort kommen, die aber alles aus dem gleichen Stall kommen. Eigenartige Form der Pluralität. 

““2023 war ein positiver Schritt – es ist einiges passiert“, betont Andreas Löschel, Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik sowie Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit tagesschau.de. So sei nicht nur die Zahl der installierten Anlagen gestiegen, sondern auch die der Genehmigungen, die entscheidend für die zukünftigen Inbetriebnahmen seien. „Es geht voran, aber es muss trotzdem noch viel geschehen.“ 

„Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass die Erneuerbaren Energien wieder schneller ausgebaut werden als es in der Vergangenheit der Fall war“, sagt auch Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Für Euphorie sorge die Entwicklung jedoch nicht, da das Ausbautempo generell noch nicht hoch genug sei, um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen. Ähnlich sieht es Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin: „Die Richtung stimmt, aber das, was wir momentan an Erneuerbaren Energien aufbauen, reicht hinten und vorne noch nicht für die Energiewende.“ Die Bundesregierung zeige sich bemüht, ein Selbstläufer sei es nach wie vor aber nicht. „Man muss die ganzen Hürden weiterhin beackern“, betont der Fachmann.” 

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