Guter Wasserstoff – böser Wasserstoff

Veronika Grimm, Wirtschaftsexpertin fiel auf Twitter auf, welche Tücken in den bunten Schaubildchen von Agora Energiewende stecken. Wasserstoff in heimischen Heizungen sind bäh. Wenn er allerdings in Gaskraftwerken erst wieder zu Strom wird, um dann Wärmepumpen mit Strom zu versorgen, ist alles wieder gut. 

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende) 

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Ein ganz eigenartiges Interview in der taz nach dem Motto, zwei Blinde erklären sich gegenseitig die Farben. Patrick Graichen, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Ulrike Hermann, Degrowth Fangirl werden in der taz interviewt. Immerhin hat Hermann erkannt, dass es ein Problem mit den Erneuerbaren gibt. 

“Herrmann: Das sehe ich eben ganz anders. Aus meiner Sicht ist Energie alles. Ohne billige Energie hätte es den Kapitalismus nicht gegeben. Und Wachstum ohne billige Energie ist nicht möglich.  

Graichen: Selbst wenn man Ihnen recht gäbe, haben wir immer noch kein Problem, weil Strom aus Erneuerbaren immer billiger wird. Die Kosten sinken weiter, in den sonnenreichen Gegenden kommt Öl gar nicht mehr an Solarenergie heran. In Portugal gab es letztens eine Solarstrom­auktion für 1,1 Cent die Kilowattstunde. Das ist fast umsonst und schlägt Kohle, Öl und Gas bei Weitem. Es gibt keinen Grund, dass die Kosten nicht noch weiter nach unten gehen. 

Herrmann: Das Problem ist die Speicherung der Ökoenergie. Die Industriegesellschaft kann nicht stillstehen, sobald kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Mindestens zweimal im Jahr produzieren Wind- und Solarenergie mindestens zwei Tage lang fast gar nichts.  

Graichen: Es können in Europa sogar mal bis zu zwei Wochen im Winter geben, in denen wir kaum Windstrom haben … 

Herrmann: Das ist ja noch schlimmer! Also für diese zwei Wochen braucht man dann Batterien oder andere Speichersysteme. Die sind aber teuer.” 

Es ist schon fast tragisch, dass Graichen hier die Solarstrompreise aus Portugal ins Feld führt. Im viel ungünstigeren “Sonnenland” Deutschland werden die Erzeuger von Dachsolar mit mehr als 7 Cent pro Kilowattstunde belohnt. Spätestens da hätte Graichen doch eigentlich ein Licht aufgehen müssen. Stets wird betont, wie unglaublich günstig die Erneuerbaren sind, die Strompreise steigen dennoch mit steigendem Anteil der Erzeugungen. Warum wohl? 

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Wie schön! Im Dezember 2021 berichteten wir über die Vetternwirtschaft im Wirtschaftsministerium. Nun ist das Thema auch beim Spiegel angekommen. 

“Die Staatssekretäre sind verschwägert, Familienmitglieder liefern Gutachten: Ist es nur trickreich oder schon dreist, wenn ein Ministerium wie ein Clan geführt wird?” 

Der Artikel hat eine Bezahlschranke. 

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Der Edersee in Hessen läuft über. Wer auch immer gern sofort Dürre ruft, für das Einzugsgebiets des Stausees stimmt das eindeutig nicht. Radio FFH

“Im Sommer war der See noch fast leer 

Das Spektakel, das sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht, gibt es in dieser Form nur unregelmäßig und nur dann, wenn der Edersee Hochwasser trägt. Im vergangenen Sommer hatte der Edersee während der Dürre noch einen der niedrigsten Pegelstände der vergangenen Jahre. Wenn er Hochwasser trägt, steigt der Wasserstand des Sees über die Vollstau-Marke (245 m ü. NN) und das Wasser strömt über die 39 Überläufe in der Mauerkrone ab. Falls erforderlich können auch noch weitere Auslässe geöffnet werden. Alle Auslässe der Staumauer des Sees zusammengerechnet ergeben 1.744 m³ pro Sekunde. 

Gut gefüllter See ist Anziehungspunkt 

Wenn der drittgrößte Stausee in Deutschland voll ist, ist das auch gut für die gesamte Region, sagte Lisa Zölzer, Sprecherin der Edersee Marketing GmbH erst kürzlich vor dem Ablassen. „Ein gut gefüllter See ist und bleibt aber weiterhin ein Anziehungspunkt in der Region.“ Vor allem an der Zahl der Tagesgäste – jährlich sind das schätzungsweise zwei bis drei Millionen – mache sich das bemerkbar. Auch das Ablassen des Sees zieht regelmäßig Touristen in die Region.” 

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Die große Energiekrise steht uns noch bevor. Fritz Vahrenholt war zu Gast bei Aktienlust und hat zu dem Thema im Interview gesprochen. 

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Momentan läuft ein regelrechtes Kesseltreiben gegen deutsche Autohersteller. Auf der Automesse in Shanghai zeigten chinesische Hersteller allerlei neue Modelle und genüsslich wird auf Zulassungszahlen in China gezeigt, bei denen deutsche Hersteller Marktanteile verlieren. Professor Karl Schlögl vom Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion hat dem österreichischen Standard ein Interview gegeben. Dabei eröffnet er einen ganz anderen Blick auf die Debatte um Verbrenner und E-Autos. 

“STANDARD: Nun sagen selbst kritische Geister, dass E-Fuels wichtig sind, und zwar für den Einsatz in Flugzeugen bzw. auf Schiffen, wo man die Dekarbonisierung sonst schwer schafft. Bezweifelt wird, dass man kostbare E-Fuels im Autoverkehr einsetzen soll. 

Schlögl: Da muss man mehrere Dinge nebeneinander diskutieren. Das eine ist, man kann nicht eine Sorte von E-Fuels allein produzieren. Wenn man Kerosin für den Flugbetrieb herstellt, wird man automatisch auch ganz normales Dieselöl produzieren. Das ist unvermeidlich. Deswegen muss man natürlich auch dafür eine Anwendung finden. Dann gibt es Gegenden auf der Welt, die nicht so gesegnet sind mit Infrastruktur wie Mitteleuropa oder Österreich, wo man an jeder Stelle hinreichend viel Elektrizität gewinnen kann. In Ostasien oder Südamerika wird es lange Zeit oder wahrscheinlich niemals eine Mobilität ohne Benzin und Diesel geben. Da muss man einen hochdichten Kraftstoff haben, den man in Fässern oder Tankwagen irgendwohin bringen kann. Dann gibt es noch den großen Bereich der Sonderfahrzeuge. 

STANDARD: Sie denken an Traktoren? 

Schlögl: Traktoren werden nicht mit Batterie fahren und wahrscheinlich auch nicht mit Wasserstoff-Brennstoffzelle, weil diese Wasserstoff-Brennstoffzelle in vier Wochen durch Staubeinwirkung kaputt ist. Traktoren, Baumaschinen, Panzer und andere Sonderfahrzeuge werden vermutlich auch weiterhin mit Flüssigkraftstoffen unterwegs sein. Deshalb ist es sinnvoll, eine große Industrie für flüssige Kraftstoffe aufzubauen, damit man auch die Skaleneffekte generiert. Wenn es nur ganz ganz wenig davon gäbe, würde der so unheimlich teuer sein, dass sich das niemand leisten kann.” 

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Leserpost von Paul Schwedtke zum Thema „Klimakleber legen Berlin lahm“:

Guten Tag, liebe Redaktion,

Mein Vorschlag dazu: Es werden nur zwei Polizisten je Einsatzort eingesetzt, mehr stehen nicht zur Verfügung. Die lösen ein oder zwei Klimakleber aus der Fahrgasse. Die anderen bleiben sitzen. Dann leiten die Polizisten  den Verkehr langsam durch die Öffnung. Die Mobilität leidet nicht, wird beruhigt, es gelangt weniger CO2 an die Luft. Und es werden Kosten gespart. Die noch sitzenden Klimakleber können dann morgen nach der Aktion abgelöst werden, oder sie lösen sich vorher ab.

Schöne Tage durch den Frühling wünscht Paul Schwedtke

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Leserpost von Hans Joachim Voigt zum Blog „Die frohe Botschaft von Harald Lesch“:

Hallo,

Herr Prof. Lesch hat sich in den letzten 2…3 Jahren dazu hergegeben die Regierungspolitik mit scheinbar wissenschaftlich fundierten Darlegungen in jeder Hinsicht zu unterstützen, mir Aussagen zu unterschiedlichen Themen, welche Menschen mit geringem Allgemeinwissen begeistert haben, aber in ihrer Darlegung mehr als fragwürdig waren für Menschen mit Hintergrundwissen. Vielleich stand er auch unter dem Zwang an Fördermittel zu kommen, wo doch der Staat die Hand darauf hat. Ich denke Herr Prof. Lesch wäre besser beraten sich um seine Sterne und Planeten zu kümmern und nicht Menschen mit Hintergrundwissen nicht stutzig zu machen oder denen ein (Be-)Lächeln abzuringen.

M.f.G.
Hans Joachim Voigt

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Leserpost von HWHoffmann:

Liebes Klimanachrichten Team,

Das Narrativ „Verstopfen der Netze durch Atomstrom“ stammt offensichtlich von ursprünglich von Greenpeace; Frau Göring-Eckhardt hat es einfach auf ihre eigene Art publikumswirksam nachgeplappert.

Viele Grüße
HWHoffmann

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Leserpost von Silvia Döring:

Betreff: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ich hörte von diversen Grünen, dass jetzt hoffentlich diese Scheindiskussion um die Atomenergie vorbei sei. Nun, das hoffen sie vergeblich! Es ist nicht das Ende der Kernkraft in Deutschland, es ist nur eine Pause. Deren Ende wir völlig unempathisch für anderer Leute Lebenswerk mit einer Party vor der Greenpeace-Zentrale feiern werden! Aufstehen, Krone richten, weitermachen!

Herzlichst, Silvia Döring (die durch Euren Blog zur Vernunft gebracht wurde)

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Leserpost von Paul Schwedtke:

Was ich nicht verstehe

Kernkraft ist in Deutschland Vergangenheit. Sinnvoll oder Unsinn? Darüber wird breit diskutiert. Bleiben Fragen? Warum schalten nur wir ab? Warum laufen die über 400 Kernkraftwerke weltweit weiter? Warum baut Südkorea für die Welt KKW? Warum müssen wir von der Spitze der technologischen Entwickelung ans Ende rutschen? Warum fordert der IPCC die Kernkraft zur Klimarettung? C02-frei ist die Produktion, wie bei Wind und Sonne. Nur bis es so weit ist, fällt im Beton jede Menge CO2 an. Beim AKW sieht man das. Bei Windkraftanlagen nicht. Da verschwinden für die Fundamente bei 30.000 Anlagen je 2.000 cbm Beton 60.000.000 cbm in der Erde. Da bleiben sie. Kein Bauer reißt den Beton wieder heraus. Und dann soll noch die Menge verfünffacht werden. Ich will diese Diskussion nicht weiterführen. Was ich nicht verstehe ist, dass intakte Anlagen nach dem Abstellen nur noch Schrott sind. Warum? Ideologen ist mit Sach-Argumenten nicht beizukommen. Wohin das führt habe ich in der DDR erlebt. Kirchen, Herrenhäuser und Schlösser in einwandfreiem Zustand passten dem Parteikader nicht, wurden in die Luft gesprengt, so auch das Schloss Putbus auf Rügen. Wie kann man nur so dumm sein? hörte ich aus der Slowakei. Das schafft nur Religion, heute die grüne, damals die rote. Das wäre nicht so schlimm, würde es uns wirtschaftlich nicht schädigen. Vom ideologischen Schaden hat sich DDR nicht erholt.

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Leserpost (Name des Autors ist der Redaktion bekannt):

Betreff: Blog vom 13.04.2023 Wärmepumpen-Debatte

Sehr geehrte Damen und Herren,

das ist ein höchst interessanter Artikel der den Wärmepumpen-Irrsinn unserer (H)Ampel-Koalition endlich mal in Zahlen fasst. Ich habe vor einigen Wochen unserem Bundestagsabgeordneten aus dem hiesigen Wahlkreis (SPD) mit ähnlichen Zahlen, vor allem aber mit Sanierungskosten für mein Eigenheim konfrontiert. Wie erwartet habe ich allerdings keine Antwort erhalten. Zum Blog-Artikel habe ich allerdings noch eine Anmerkung, die meiner Meinung nach nicht klar genug heraus kommt. Der Autor schreibt:

“Gehen wir aber einmal davon aus, dass mit dem CO2 Faktor vom 11.12. bis 17.12 2022 diese elektrische Energie bereitgestellt werden könnte (was in der Praxis unmöglich gewesen wäre). Dieser „CO2 – Faktor“ lag zwischen 633 g/kWh und 513 g/kWh. Quelle.“

Nun, dass sind die CO2 Belastungen pro KWh Strom in diesem Zeitraum. Nun ist aber jede neue Wärmepumpe, ebenso wie jedes neue E-Auto ein zusätzlicher Verbraucher im Stromnetz. Strom aus sogenannten “erneuerbaren“ Quellen ist aber gedeckelt. Durch die Zahl der Anlagen und das Wetter. Gibt es einen neuen Verbraucher im Netz, so dreht kein Windrad schneller und die Sonne scheint auch nicht länger. Der zusätzliche Strom muss also zur Gänze aus konventionellen Quellen stammen. Erst mit zunehmendem Ausbau der “Erneuerbaren“ wird das Problem kleiner. Das kann aber noch Jahre dauern. Die Frage ist welcher Ausbau schneller abläuft? Der bei den Stromverbrauchern oder der bei den Stromerzeugern. Wenn der zusätzliche Strom durch Steinkohle erzeugt wird reden wir von 2 bis 2 1/2 facher CO2 Belastung. Bei Braunkohlekraftwerken sogar von einem Faktor 3 gegenüber den genannten Zahlen. Das hätte ich noch deutlicher herausgestellt. Ansonsten war es ein sehr lesenswerter und guter Artikel. Danke für die viele Arbeit.

 

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