Windraub

Wenn ein Fraunhofer-Wissenschaftler das sagt, zudem noch einer, der sehr für Windkraft ist, wird es hakelig.

Die deutsche Nordsee ist stark bebaut mit Windkraftanlagen und es sollen noch mehr werden.
Allerdings nehmen sich diese mittlerweile den Wind gegenseitig weg.
Herausgekommen ist es, als eine Auktion eines Windparkfelds keine Bieter hatte.

Welt (Bezahlartikel)

Lukas Vollmer wählt seine Worte mit Bedacht. Er weiß, es könnte heikel werden angesichts dessen, was er im nächsten Moment aussprechen wird. Vollmer, dunkler Bart und ruhige Stimme, ist Physiker am Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme in Bremen. Seit zwölf Jahren berechnet er, wie viel Energie einzelne Windräder auf der Nordsee liefern, wie viel große Ansammlungen davon. Vollmer ist gewiss kein Windrad-Gegner, er glaubt an die Kraft der Kolosse. 

Doch er räumt etwas ein, was auch andere Experten seiner Branche inzwischen einsehen: „Auf der deutschen Nordsee wird es viele Windräder geben, die sich gegenseitig die Energie wegnehmen.“ Die Anlagen stehen sich gegenseitig im Weg. Und das zunehmend häufiger. Deutschland, so kann man ihn verstehen, übertreibt es mit der Windkraft.

Professor Ganteför hatte schon sehr früh darauf hingewiesen, dass Wind keine unendliche Ressource ist. Er wurde massiv angefeindet für sein Video.
Dabei sind die langen Windschleppen hinter Windparks mit Satelliten erkennbar. 

(Abbildung: Screenshot YouTube)

Das Thema ist keineswegs neu und es betrifft auch andere Anrainer der Nordsee, wie wir im Juni 2025 berichteten.

Die Fakten: Die Niederländer werfen den Belgiern vor, ihnen mit ihren Offshore-Windparks in der Nähe der niederländischen Küste den Wind wegzunehmen. Den eigenen Turbinen bleibe darum weniger Wind für eine optimale Leistung.Warum das wichtig ist: Windräder entnehmen der Atmosphäre Energie. Darum ist die Windgeschwindigkeit hinter solchen Anlagen oft über viele Kilometer reduziert. Weil gerade in der Nordsee sehr viele Windanlagen geplant sind, werden Windschatten-Effekte zwischen einzelnen Windparks künftig wohl noch viel zu reden geben.

Schweden, so müsste man meinen, hat reichlich Küste vor denen sich Windkraftanlagen errichten lassen. Außerdem ist Schwedens Landmasse groß und es gibt dort nur 10 Millionen Einwohner. 
Das Land ist 1,26 mal so groß wie Deutschland. In Schweden gibt nur 1/10 der Einwohner pro Quadratkilometer wie in Deutschland. Viel Platz also.

Trotzdem haben Windkraftanlagen dort wirtschaftliche Probleme, obwohl man sie vermutlich viel einfacher als in Deutschland errichten kann. 

msn:

In Schweden hat sich die wirtschaftliche Lage für Windkraftunternehmen dramatisch verschärft. Eine wachsende Zahl von Projekten ist zahlungsunfähig – getrieben durch niedrige Börsenstrompreise, technische Probleme und neue Marktmechanismen, die die Betriebsrisiken deutlich erhöhen. Mehrere Insolvenzen im Sommer deuten auf strukturelle Schwächen im Geschäftsmodell der Windenergiebranche hin.

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Man kann der taz nur zu diesem Redakteur gratulieren.
Grüner Wasserstoff hat nach wie vor ein Preisproblem.

Auch der hohe Preis ist ein Problem. Die realistischen Kosten des Wasserstoffs bei dezentralen Anlagen lägen aktuell bei 7 bis 9 Euro pro Kilogramm, sagt Philipp-Matthias Heuser, Wasserstoffexperte bei E-Bridge. Da zu den reinen Erzeugungskosten auch noch Transport und Vermarktung hinzukommen, müssten Abnehmer derzeit Preise zwischen 10 und 15 Euro pro Kilogramm bezahlen.Damit überschreiten die Preise aber die Zahlungsbereitschaft der potenziellen Verbraucher. Für den Verkehrssektor müsse eine Preis von 6 bis 8 Euro pro Kilogramm erzielt werden, um Dieselparität zu schaffen, sagt Heuser. Noch weitaus preiskritischer seien Indus­trie­kunden, die den Großteil der Abnehmer ausmachen werden: „In der Industrie liegt die Zahlungsbereitschaft nur bei 3,50 bis 4,50 Euro pro Kilogramm“, sagt Heuser.

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Stichwort Wasserstoff: Thyssenkrupp Nucera könnte einen Großauftrag aus Australien bekommen.

T-Online:

Thyssenkrupp Nucera werde das Projekt, welches sich noch in einer frühen Planungsphase befinde, gemeinsam mit PGS weiterentwickeln. Die Realisierung steht dabei unter dem Vorbehalt einer endgültigen Investitionsentscheidung. Relevante Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis von Thyssenkrupp Nucera werden aus diesem Projekt nicht vor dem Geschäftsjahr 2026/27 erwartet.

Die neue Anlage in Australien soll mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Die ersten Exporte würden für 2029 erwartet.

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Wirtschaftsministerin Reiche will die Subventionen für Solarstrom von privaten Erzeugern streichen. 
Beim RWE Vorstandschef Krebber findet sie damit Unterstützung.

Welt:

Aktuell werden Verbraucher für den Kauf und Betrieb einer Solaranlage staatlich unterstützt, etwa durch eine Steuerbefreiung und durch eine Einspeisevergütung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Krebber hält das für unnötig und sozial ungerecht. Denn eine solche Anlage rechne sich auch ohne Förderung, weil die Besitzer zum einen weniger Strom kaufen und damit zum anderen weniger Netzausbaukosten bezahlen müssen. 

Schließlich würden die Netzentgelte nach der Menge des Stroms verteilt, nicht mit Fixkosten pro Anschlusspunkt. 

Gleichzeitig seien die betreffenden Haushalte „eigentlich genau solche Nutzer und Einspeiser, wie sie keiner haben will“. Denn der private Anlagenbetreiber drücke immer dann Strom ins Netz, wenn zu viel Sonne ist und sein Strom gar nicht gebraucht wird, beschreibt der Vorstandschef des größten deutschen Stromerzeugers. Und dafür bekomme er dann auch noch einen Preis, der signifikant über dem Großhandelsstrompreis liegt. 

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