Der September 2026 meteorologisch und „die Grenzen der Erde“

Von Frank Bosse

Es war ein recht warmer September in Deutschland. Die Pressemitteilung des DWD erwähnt eine Mitteltemperatur von 15,9 °C. Damit war der Monat zwar weit weg von jedem Rekord (der steht mit 17,3 °C für 2023 zu Buche, vor den Jahren 2006 und 2016 mit 16,9°C), jedoch waren nur 7 September wärmer, davon auch 3 vor 1980. Die Daten im Kontext der letzten 100 Jahre: 

Der Niederschlag (unteres Diagramm) war im aktuellen September nicht allzu üppig (40 mm im Deutschlandmittel), jedoch bei weitem nicht ungewöhnlich: es gab 22 September mit weniger, davon auch 9 vor 1980. In den Diagrammen erkennt man bei den Temperaturen am 30-jährigen Tiefpass (fett), dass es da seit Anfang der 90er Jahre bergauf geht wie in allen anderen Monaten. Die Wirkung des Klimawandels wird hier sichtbar. Anders sieht es beim Niederschlag aus: nach einer Periode mit etwas mehr Regen in den 80er – frühen 2000er Jahren kehrte das gleitende Mittel zu den Werten der 70er Jahre zurück. Eine klare Tendenz sieht man am Ende nicht, anders als bei den Temperaturen. So ist denn auch der aktuelle Niederschlag noch keine Standardabweichung (zu 66 % wäre dann erst Zufall ausgeschlossen) unter dem Mittel der letzten 100 Jahre. Lokal ist das anders: Im Saarland fielen nur 3 mm Regen, rekordverdächtig wenig. Dafür sah man in Schleswig-Hollstein recht feuchte 75 mm. Die Streuung von Jahr zu Jahr ist dabei ebenfalls recht beachtlich.  

Summa summarum: Der September 2026 war recht warm und ein wenig trocken (zumindest im Deutschlandmittel) in Relation zu seinen Vorgängern. Im statistischen Sinne sind die Niederschlags-Abweichungen vom Mittel aktuell eher marginal. Lokale Unterschiede sind völlig üblich: Wer im Wetterbericht hört: „Örtlich Regen“, der wird nur nass, wenn er in „Örtlich“ wohnt.  

Die jährlichen „planetaren Grenzen“ 

Im Archiv des „Deutschlandfunks“ kann man die Meldung des Vorjahres noch nachhören, sie unterscheidet sich praktisch nicht von der aktuellen aus 2026 bei n-tv.  

Der Grundgedanke ist stets derselbe: Man stellt sich „Limits“ in verschiedenen Bereichen vor, was die Erde insgesamt an (i.d.R.) Belastungen durch uns Menschen „verkraften“ könne. Dann wird kalkuliert, wo wir gegenwärtig stehen, und es werden „Grenzüberschreitungen“ vermeldet. Es gibt daran auch viel berechtigte Kritik: Schon das Konzept mit festen „Schlagbäumen“ wird hinterfragt. So ähnlich ging auch der „Club of Rome“ in den 70er Jahren vor, als er das Buch „Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte. Viele traten real nicht ein, so gingen Rohstoffe nicht aus. Der Grund: auch Technologien entwickelten sich weiter und die „Schlagbäume“ wurden verschoben.  

Das Konzept der „planetaren Grenzen“ wurde federführend von Johan Rockström entwickelt, heute Chef des „Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung“ (PIK) und so kann es nicht verwundern, dass diese Einrichtung jährlich Pressemitteilungen darüber verfasst, die sich kaum noch unterscheiden.  

In den „Fakten“ darin ist auch sehr viel Unschärfe. Bei n-tv liest sich ein Abschnitt so: 

„Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen auf. Wiederholte Hitze, Dürren, Brände und die Schädigung von Ökosystemen können diese Aufnahme jedoch verringern und Ökosysteme können sich auf diese Weise in einigen Regionen von CO2-Speichern zu CO2-Quellen entwickeln. Die Autorinnen und Autoren gingen daher der Frage nach, ob Modelle, mit denen die Kohlendioxidaufnahme an Land berechnet wird, deren Widerstandsfähigkeit möglicherweise überschätzen. „Unser Weg zu Netto-Null-Emissionen ist auf funktionierende Kohlenstoffsenken angewiesen“, führte Sakschewski aus. „Aktuelle Beobachtungen sind ein Warnsignal dafür, dass unser Planet möglicherweise einen Teil seiner Fähigkeit verliert, die zunehmenden, von uns verursachten Belastungen abzupuffern.“  

Da verlieren also „möglicherweise“ die Landsenken für CO2 „einen Teil ihrer Fähigkeiten“, CO2 aufzunehmen.  

Was sollen uns diese Worte sagen? Möglich ist Vieles!  Welchen Teil?  

Wie verhält es sich mit „CO2-Senken“, also dem CO2- Verbrauch im System Erde? 

Da gibt es zwei Komponenten: Den Ozean (Wasser nimmt CO2 auf) und die Photosynthese an Land.  

Immer wieder muss man sich vergegenwärtigen, dass sämtlicher Kohlenstoff der „Biosphäre“ (Pflanzen und Tiere) ursprünglich aus dem CO2 der Luft entstammt. Am Anfang der Kette steht die Verwandlung von freiem CO2 in Kohlenstoff (Glukose) durch die Photosynthese, es entsteht dabei auch Sauerstoff und für den Prozess ist Sonnenenergie und Wasser notwendig.  

Beide Bestandteile des „Kohlenstoffzyklus“ führen dazu, dass nicht alles freigesetzte CO2 in der Luft landet. Es ist nicht ganz 50% davon. Der IPCC AR6 hat dafür den Begriff „Airborne fraction“ eingeführt. Sie ist von Jahr zu Jahr stark schwankend (von El Ninos abhängig und Vulkanen und einer Reihe anderer Faktoren), hat jedoch keinen Langzeittrend. Das ist u.a. hier im AR6 des IPCC nachzulesen, da stammt auch das Diagramm her: 

   

Die Emissionen (rot) steigen an über die Zeit nach 1960, die Rate dessen, was davon in der Luft landet (schwarz), ist im Langzeitdurchschnitt konstant, dann nehmen die Senken auch immer mehr CO2 auf. Wären die nicht vorhanden, so hätten wir mehr als das Doppelte an CO2-Wachstum.  

Die Senken helfen also, den CO2-Anstieg in der Luft (und damit die Klimawirkung, nämlich Erwärmung) im Zaum zu halten. Warum CO2 wärmt hatten wir hier erläutert.    

Und nun, so der neueste Report über die (umstrittenen) „Planetaren Grenzen“ sollen also die Senken an Land ihre Eigenschaften „möglicherweise verlieren“?  

Gibt es da einen fallenden Langzeittrend? In erster Näherung kann man den recht einfach eingrenzen. Der globale CO2-Verlauf in der Luft hat einen markanten Jahresgang:  

Quelle 

Er kommt nicht von ungefähr: Die Photosynthese von Landsenken (die befinden sich schwerpunktmäßig auf der Nordhalbkugel der Erde, da befindet sich 68% des gesuchten Landes) ist abhängig von der Photosynthese, die ist aktiv da zwischen Mai und Oktober. In diesen Monaten fällt also der CO2-Gehalt jährlich ab, in den anderen steigt er überproportional. 

Wenn also Landsenken „schwächer“ werden sollten, so müsste sich deren „Abbauleistung“ tendenziell verringern. Mit den Daten kann man das leicht ermitteln: 

Und was sehen wir bis 2025? Es schwankt stark von Jahr zu Jahr, ein Langzeittrend (gestrichelt) ist nicht auszumachen.   Wir hatten schon berichtet, dass da einige schon 2024 hyperventilierten, als die Senken- Leistung gering war. Im Bild oben ist auch zu sehen, dass davon bereits im Jahre 2025 keine Rede mehr sein konnte.  

Nein, die Landsenken verlieren keine CO2-Aufnahemefähigkeiten sagen Daten, der „Grenzen-Bericht“ treibt schlicht eine „mögliche Sau“ durchs Dorf. Da wird etwas in den Raum gestellt (kaum angreifbar durch das sehr relativierende aber kaum wissenschaftliche „möglicherweise“), das sich mit Daten als „Nichts ist unmöglich“ herausstellt. Nur handelt es sich hier nicht um den Slogan einer Auto -Werbung, sondern um Mutmaßungen zum Klimasystem der Erde. Damit ist, bei genügend Medien-Tam-Tam tatsächlich eine gewisse Öffentlichkeit zu erreichen. Der kritische Leser fragt sich allerdings zurecht: Ist da bei „planetaren Grenzen“ der Rest auch nur Mutmaßung?     

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