Quelle: Phys.org – https://phys.org/news/2026-09-viking-south-positioned-industrial-renewal.html – University of Aberdeen, veröffentlicht am 3. September 2026
Eine neue Studie der Geological Society unter Leitung der University of Aberdeen kommt zu dem Ergebnis, dass das ehemalige Erdgasfeld Viking South in der südlichen Nordsee grundsätzlich sehr gut für die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid (CO₂) geeignet ist. Nach Einschätzung der Autoren verfügt das Feld sowohl über geeignete geologische Eigenschaften als auch über eine nachgewiesene Integrität der Speicherformation und eine für die Nutzung als CO₂-Speicher günstige vorhandene Infrastruktur.
Viking South geht auf das frühere Victor Gas Field zurück. Dort wurde mehr als 30 Jahre lang Erdgas aus einem Sandsteinreservoir des Perm gefördert, bevor die Förderung 2016 eingestellt wurde. Während der Produktionszeit wurden nach Angaben der Studie mehr als 1 Billion Kubikfuß Erdgas gefördert. Dabei seien weder erheblicher Wassereintritt noch ein Verlust der Lagerstättenintegrität oder andere wesentliche Dichtheitsprobleme festgestellt worden. Diese langjährige Betriebserfahrung ist für die geplante Umnutzung von Bedeutung, weil dadurch das Verhalten des Untergrundes vergleichsweise gut bekannt ist.
Die Untersuchung stützt sich auf umfangreiche geologische und technische Daten. Dazu gehören unter anderem seismische Untersuchungen, Bohrlochdaten, Bohrkerne und Produktionsdaten aus der früheren Erdgasförderung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Speichergestein großflächig ausgebildet und gut miteinander verbunden ist. Darüber befindet sich eine dichte Deckschicht aus evaporitischen Gesteinen, die nach den vorliegenden Erkenntnissen über lange Zeit eine zuverlässige Abdichtung gewährleistet hat.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschichte der Bohrungen. Nach Angaben der Studie gibt es keine Hinweise auf frühere Leckagen, und die vorhandenen ehemaligen Förderbohrungen seien ordnungsgemäß verfüllt und aufgegeben worden. Damit seien aus geologischer und ingenieurtechnischer Sicht wesentliche Voraussetzungen für eine CO₂-Speicherung gegeben.
Die mögliche Speicherkapazität wird auf bis zu 88 Millionen Tonnen CO₂ geschätzt. Damit könnte Viking South zu den größeren einzelnen CO₂-Speicherstandorten Großbritanniens gehören. Zum Vergleich: Für die Humber-Region werden jährliche CO₂-Emissionen von etwa 20 Millionen Tonnen angegeben. Die Region gehört damit zu den bedeutenden Industriestandorten Großbritanniens, an denen insbesondere energieintensive Industrien vor der Herausforderung stehen, ihre Emissionen zu reduzieren.
Besonders interessant ist die räumliche Lage des Speichers. Viking South befindet sich relativ günstig zum Industriecluster von Immingham. Dadurch könnte das abgeschiedene CO₂ über eine vergleichsweise kurze Transportstrecke vom Festland zum Offshore-Speicher gelangen. Hinzu kommt, dass vorhandene Pipelines und Terminals aus der früheren Erdgaswirtschaft teilweise weiter genutzt werden könnten. Dadurch ließen sich möglicherweise Investitionskosten, Bauarbeiten und die für den Aufbau einer neuen Infrastruktur benötigte Zeit reduzieren.
Das Konzept ist damit ein Beispiel für die zunehmende Umnutzung erschöpfter Erdgas- und Erdölfelder zur CO₂-Speicherung. Die geologische Struktur, die ursprünglich über lange Zeit Erdgas eingeschlossen hat, soll nach Ende der Förderung genutzt werden, um abgeschiedenes CO₂ dauerhaft im Untergrund einzulagern. Entscheidend ist dabei, dass nicht allein die Speicherkapazität betrachtet wird, sondern auch die langfristige Dichtheit der geologischen Formation und die Integrität der vorhandenen Bohrungen.
Die Autoren sehen in dem Projekt allerdings nicht nur eine Möglichkeit zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Nach ihrer Einschätzung könnte die Nutzung von Viking South auch wirtschaftliche Bedeutung für die Humber-Region besitzen. Wenn energieintensive Industrien wie Raffinerien, Produktionsbetriebe und andere industrielle Anlagen ihre CO₂-Emissionen abscheiden und anschließend speichern können, könnte dies dazu beitragen, bestehende industrielle Strukturen und Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.
Für die Humber-Region ist dieser Aspekt besonders relevant, weil dort eine große Konzentration industrieller Anlagen besteht. Die Autoren argumentieren, dass eine funktionierende CO₂-Speicherinfrastruktur es Unternehmen ermöglichen könnte, ihre bestehenden Produktionsstandorte weiter zu betreiben und gleichzeitig ihre Emissionen deutlich zu reduzieren. Damit wird die CO₂-Speicherung nicht nur als technische Maßnahme zur Emissionsminderung betrachtet, sondern als Bestandteil einer umfassenderen industriellen Transformation.
Das Projekt Viking CCS hat bereits eine politische und planerische Grundlage. Die britische Regierung hat es als vorrangiges Projekt im Rahmen ihres CO₂-Speicherprogramms eingestuft und ihm den sogenannten Track-2-Status zuerkannt. Außerdem liegt nach Angaben der Studie bereits eine Genehmigung für die zentrale Onshore-Pipeline vor. Betreiber des Viking-CCS-Projekts ist Harbour Energy, das vorhandene Anlagen und die bereits vorhandenen Kenntnisse über den Untergrund für die großmaßstäbliche CO₂-Speicherung nutzen will.
Die Studie von John R. Underhill und seinen Mitautoren trägt den Titel „Geological characterization of the Viking South carbon storage complex: injecting new life into the depleted Victor gas field“. Im Mittelpunkt steht somit nicht lediglich die theoretische Eignung eines ehemaligen Gasfeldes, sondern die detaillierte geologische Charakterisierung eines bereits produzierenden und anschließend stillgelegten Feldes.
Insgesamt zeigt die Untersuchung, welches Potenzial in der Weiterverwendung bestehender unterirdischer und oberirdischer Infrastruktur der Öl- und Gasindustrie liegen kann. Ein ehemals zur Erdgasförderung genutztes Reservoir könnte nach dem Ende der Förderung eine zweite Funktion als CO₂-Speicher erhalten. Entscheidend für die tatsächliche Umsetzung werden neben der geologischen Eignung auch die weitere Planung der Transportinfrastruktur, die CO₂-Abscheidung bei den Industrieanlagen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die langfristige Überwachung des Speichers sein.
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