Von Frank Bosse
Wir hatten schon mehrfach über Klimamodelle und deren Grenzen berichtet, das treibt seriöse Klimaforscher um. So ist auch ein Bericht aus dem Jahre 2025 über eine „andere Klimakrise“ zu verstehen. Die Autoren (Shaw und Stevens von der Universität Chikago bzw. dem Max Plack Institut für Meteorologie Hamburg MPI-M) machten Unzulänglichkeiten in Klimamodellen ausfindig und konstatierten eine Krise im Verständnis in der Klimaforschung. Die Hauptautorin und eine Reihe weiterer „Hochkaräter“ in der Klimaforschung waren auch an einer Arbeit aus dem Jahre 2025 beteiligt, die sich noch ausführlicher mit Details befasste und zu verschiedenen Aspekten des Klimas Einschätzungen vornahmen, was Modelle gut leisten und was nicht (vgl. Tabelle 1 da).
Sie stellen u.a. fest, dass Modelle recht gut die Erwärmungsrate der Mitteltemperatur am Boden der Erde (T2m) replizieren.
So überschätzen die neuesten Modelle (CMIP6) im Mittel aller beteiligten Läufe sie nur um 3% gegenüber Beobachtungen. Das ist verblüffend gut im Ziel. Geht es jedoch in Details, so erkennt man die riesigen Herausforderungen. Löst man die Erdoberfläche räumlich auf und korreliert Beobachtungen (hier GISS 1980-2025) mit dem Mittel der CMIP6-Lösungen, so ernüchtert das Bild:

Korrelation von Modellen und Beobachtungen. Das Bild wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.
Große Gebiete korrelieren nur mit R<0,5 (weiß), man beachte den Ostpazifik, den südlichen und Teile des tropischen Ozeans, das westliche Nordamerika, den Nordatlantik und Teile Asiens und Australiens.
So muss es unklar bleiben, ob das Mittel nicht nur aus Zufall (oder „from the wrong reasons“) so gut getroffen wird, da es lokal riesige Diskrepanzen gibt. Für den Ostpazifik untersucht das die Arbeit „Confronting Earth System Model trends with Observations“ in Abb.2:

Eine Reproduktion von Fig.2 der verlinkten Arbeit
Während Beobachtungen im Ostpazifik nur eine Erwärmungsrate von ca. 28 % der globalen feststellen, verhalten sich die verschiedenen Modelle wie eine zufällige Punktewolke mit im Mittel viel höheren Raten. Hier haben Modelle die Gründe für die geringere Erwärmung des großen Gebietes physikalisch schlicht nicht „verstanden“, anders sind die Diskrepanzen nicht zu erklären.
Wir merken uns: Modelle haben ihre lokalen (engen) Grenzen, man kann damit weniger anfangen in der realen Welt als vielleicht vermutet.
Eine noch neuere Publikation, ein Bericht über eine Forschungstagung auf Schloss Ringberg, organisiert vom MPI-M vom Frühjahr 2026, hat auf Seite 14 eine weitere bittere Wahrheit zu Modellen im Gepäck:
„Even if the theory were an adequate description of the CMIP models, it should be remembered that these models are themselves imperfect approximations to the real world. Their ocean dynamics is quasi laminar, rather than highly turbulent as in the real world, the effect of which one attempts to account for through statistical corrections.“
Alle Ozeanströmungen werden nur “unvollkommen genähert“, weil ihre turbulente Dynamik praktisch nicht abgebildet werden kann in bisherigen Klimamodellen.
Die Strömung, die am meisten in den Schlagzeilen ist, ist die AMOC. Wie sieht ihr Strömungsbild aus?

Etwas turbulenteres kann man sich kaum vorstellen! Überall kleinskalige Verwirbelungen („Eddies“) und z. T. wilde Strömungen, nicht nur eine sondern deren viele. Damit können bisherige Klimamodelle mit ihrer geringen Auflösung nicht klarkommen, das lehrt uns der verlinkte Bericht von Autoren, die auch der „Who is who in Climate Research“-Liste entnommen sein könnte. Und trotzdem wird da um die AMOC mit CMIP 6 – Modellen fleißig „unvollständig genähert“, mit nur laminaren Modell- Strömungen, die dort real nicht auftreten. Ein ganz frisches Beispiel aus dem August 2026 ist diese Arbeit.
In „Nature“ wurde da „gefunden“: Bei schnellerer globaler Erwärmung (wie beobachtet) wird die AMOC ganz sicher kollabieren, bei langsamerer nicht:

Eine Reproduktion von Abb.1b der verlinkten Arbeit
Beim gegenwärtigen Szenario (RCP4.5, türkis) „kippt die AMOC von der Tischkante“ (geht stark zurück und erholt sich nie), bei geringerer Erwärmungsrate (RCP 2.6, grün) nicht.
Wie haben es der Leitautor v. Westen und seine Kollegen aus Utrecht gemacht? Unter „Methods“ wird man fündig: Ein arriviertes Klimamodell (CESM) lieferte die „Weisheit“. Nur wie, wenn es doch turbulente Strömungen wie die AMOC gar nicht handhaben kann?
Das bleibt das Geheimnis der Autoren! „Was soll das in „Nature“?“ mag sich der eine oder andere Zeitgenosse fragen. Es kann nur eine „unvollständige Näherung“ (MPI-M) sein, was da modelliert wurde. Oder auch: ein nicht falsifizierbares Rechen-Exempel, nichts, was auf die reale Welt so übertragbar ist. Das tut die Arbeit jedoch sehr stringent und gibt im letzten Satz der Diskussion auch politische Ratschläge:
„It is therefore critically important to reduce greenhouse gas emissions as quickly as possible to limit the risk of an AMOC collapse.“
Da ein “AMOC-Kollaps” nur mit einem Modell errechnet wurde, das mit einer turbulenten AMOC gar nicht umgehen kann: das ist etwa so, als wollte man einen Abfluss im Spülbecken nur mit einem Modell der Gravitation simulieren und die Bewohner vor einer kommenden Verstopfung warnen, obwohl bisher alles normal ist. Das würde auch keiner ernst nehmen.
Halten Sie, lieber Leser, es mit solchem Modell-Schindluder- „Studien“ der AMOC genauso!