Der deutsche Energiemix besteht aus mehr als nur Strom

Leserbrief von Hans Albrecht zum Blog vom 24.8.2026:

Der im Betreff genannte Artikel von Herrn Dr. Schulz enthält gleich am Anfang folgende Aussage:

Die öffentliche Wahrnehmung des Status Quo bedarf dringend einiger Klarstellungen:

Der deutsche Energiemix besteht aus mehr als nur Strom.

Und diese 1. Aussage sollte immer absolut im Vordergrund stehen, denn der Strombedarf ist nur ein kleiner Teil des Energiebedarfs.

+++

Kaum jemand weiss davon: Wenn es richtig heiss wird, machen die Solarpanels schlapp. Alex Reichmuth hat die Hitzeschwäche der Sonnenenergie im Nebelspalter dargelegt: https://www.nebelspalter.ch/themen/2026/08/solarpanels-liefern-bei-hitze-weniger-strom

Bis zu 20 Prozent
Solarpanels liefern bei Hitze weniger Strom

Die Fakten: Der Wirkungsgrad von Solarpanels sinkt bei hohen Temperaturen deutlich.

Warum das wichtig ist: Neben der Winterschwäche haben Solaranlagen auch eine Hitzeschwäche. Das hat die Stromversorgung bis jetzt zwar noch nicht beeinträchtigt, könnte aber bei einem deutlichen Ausbau von Klimaanlagen zu einem Problem werden.

Das Zitat: «Ein Solarpanel ist ein bisschen wie der Siliziumchip in Ihrem Computer: Wenn es zu heiss wird, funktioniert es nicht mehr ganz so gut.»  (Ray Wills, Ressourcenwissenschaftler an der University of Western Australia, siehe hier)

Den ganzen Artikel kann man hier nachlesen: https://www.nebelspalter.ch/themen/2026/08/solarpanels-liefern-bei-hitze-weniger-strom

Den Newsletter „Klima und Energie“ von Alex Reichmuth kann man hier abonnieren: https://www.nebelspalter.ch/newsletter/klima-energie

+++

Baden, 31.August 2026 – Leserbrief Dr. Gerhard Reinmüller

Schluss mit De-Industrialisierung und auf zu neuen Wegen mit dem Deutschlandplan Kernenergie.

In einigen KN nach dem 19. August 2026 erschienen sehr interessante Beiträge über „Neues zur Kernenergie“ „Märchen der deutschen Energiepolitik“ und „Grünen Stahl“, die wohl als Kernpunkte der heutigen bzw. einer neuen Wirtschaftspolitik bezeichnet werden können.

Mit der Geschichte der deutschen Atompolitik – vom technischen Weltniveau bis zum poli­tisch erzwungenen Ausstieg– bringen Fritz Vahrenholt – Björn Peters ein trauriges Beispiel das genau zum neuen Morgenthau-Plan passen dürfte. (vgl. dazu meinen LB vom 22.August 2026 – „vom Morgenthau zur Abenddürre“).

Im „Deutschlandplan Kernenergie“ beschreiben Vahrenholt-Peters detailliert den möglichen Weg zurück zu einer gesicherten, wettbewerbsfähigen Energieversorgung, um nach der Sackgasse der Energiewende mit ausschließlich Erneuerbaren Energien herauszukommen und wieder ein „blühendes Land mit frischem Morgen Tau“ zu erhalten.

Dafür stellen Vahrenholt -Peters den konkreten Deutschlandplan ins Zentrum:

„Reaktivierung bestehender Anlagen, Neu­bau an bewährten Standorten sowie gezielte Förderung von neuen Reaktortechnologien“.

Zugleich skizzieren sie einen realistischen Pfad zur Skalierung der Kernenergie auf tausende Gigawatt Leistung – als Schlüssel für Versor­gungssicherheit und Wohlstand.

Das neue Buch „Zeit für Kernkraft“ Schlüssel zum Wohlstand ist, wie Prof. Vahrenholt klar feststellt, als Streitschrift gedacht:

„Mit diesem Buch möchten wir die Verschweigens Koalition aus CDU und SPD herausfordern, die es fertiggebracht haben, das Wort Kernenergie in ihrer Koalitionsvereinbarung nicht ein einziges Mal zu erwähnen. Mit unserem „Deutschlandplan Kernenergie“ beschreiben wir den möglichen Weg zurück zu einer gesicherten, wettbewerbsfähigen Energieversorgung. 

Helfen Sie als Leser meines Newsletters mit, dass ab September die Diskussion um die Zukunft der Kernenergie in Deutschland neu entfacht, wird“.

Einen ebenso wichtigen Schritt schlägt Rupert Pritzl in den KN vom 28.August 2026 vor, um aus der Sackgasse der deutschen Klimapolitik herauszukommen:

„Dringend erforderlich ist ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Klimapolitik – weg von der dirigistischen klimapolitischen Mikrosteuerung und hin zu einem technologie- und ergebnisoffenen Such- und Entdeckungswettbewerb sowie weg vom gesellschaftsspaltenden staatlichen Misstrauen und staatlich-patrimonialer Bevormundung hin zu mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Bürger und Unternehmer“. 

Anstelle der De-Industrialisierungspolitik bräuchte Deutschland eine grundlegende Neuausrichtung der Klimapolitik, die – in ersten Ansätzen – auch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gefordert wird und wofür sie vom Mainstream auch stark kritisiert wird. Leider hat Frau Min. Reiche Recht, wenn sie feststellt, dass die deutsche Energiewende die Energiegesamtsystemkosten völlig ignoriert und letztlich das Land ruiniert! 

Wie schon mehrmals zitiert bezeichnete das ‚Wall Street Journal’ bereits 2019 die deutsche Energiepolitik als die dümmste der Welt.

Das war sehr prophetisch und entpuppte sich als absolut zutreffend.   Bedauerlicherweise wurde das in Deutschland nicht zur Kenntnis genommen und keine Lehren daraus gezogen. Jetzt 7 Jahre später sieht es noch viel düsterer aus, als man es damals ahnen konnte, wobei auch ein kleiner positiver Nebeneffekt gesehen werden kann:

Trotz Mainstream und Grünem Meinungsdiktat getrauen sich heute doch einige Journalisten diese traurige Realität auszusprechen. Zwar vorsichtig, um nicht anzuecken und die eigene Karriere zu gefährden, aber es ist ein Beginn.

Auch in den oberen Etagen der Konzerne getraut man sich jetzt endlich vermehrt Kritik am ‚Deutschen Weg‘ zu äußern.

Am deutlichsten ist wohl der CEO Christian Kullmann von Evonik der klar feststellte: „Die Energiewende hat uns 1000 Milliarden Euro gekostet – und uns nichts gebracht“.

In den KN vom 29. August wurde festgestellt „EnBW stellt Ausbauziele für Windkraft in Frage“ und auf Vorstandschef Georg Stamatelopoulos Bezug genommen, als er der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« sagte:

»Wir müssen die Bezahlbarkeit im Auge behalten. Ein niedrigeres Ausbauziel wäre eine sinnvolle Korrektur nach 20 Jahren, kein Bremsen.

Windturbinen, Logistik und Kabel seien teurer geworden. Im Fünf-Jahres-Vergleich liege die Kostensteigerung bei 30 bis 40 Prozent, über 15 Jahre bei mehr als 50 Prozent“.

Dabei ist der Energieriese EnBW im Geschäft mit Windkraft einer der großen Player.

Die Ökonomie kommt jetzt endlich der Physik zu Hilfe, um den grünen Irrsinn einzubremsen:

Wie schon mehrmals in meinen LBs betont, erzwingt der Aufbau eines Energiesystems bestehend aus wetterabhängigem Windstrom und Solarstrom natürlich den Aufbau von Doppelstrukturen (Backup-Kraftwerke, Batterien, Netzausbau, Steuerungsmechanismen für all das) und das ist eben sehr teuer und muss letztlich vom Stromkunden bezahlt werden. Die Reduzierung des Energieangebots, wie im Energie Effizienz Gesetz (EnEfG) vorgeschrieben und von Morgenthau abgeschaut, verteuert den Strompreis noch mehr. Im Sept. 2021 schrieb ich an Frau Prof. Veronika Grimm/Mitglied des Sachverständigenrates zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung,

dass ihr in der PRESSE veröffentlichter Artikel über „Klimaneutralität“ an der Realität vorbeigeht und sie besser an das Wohl des Landes denken und wertvolle Projekte wie z.B. den DFR unterstützen sollte. Weiters ersuchte ich sie in dieser Richtung auf ihre Kollegen im Sachverständigenrat einzuwirken. Natürlich war mir klar, dass dies nicht möglich sein würde, wenn sie nicht ihre Karriere gefährden wollte. Nachdem ich jedoch für den Gründer des Sachverständigenrates, Herrn Prof. Dr. Giersch, seit meiner Studienzeit eine hohe Wertschätzung hatte, war es für mich ein Bedürfnis an die Qualität und die Traditionen des Sachverständigenrates zu erinnern. Seit Feber 2024 sitzt Frau Prof. Dr. Grimm im Aufsichtsrat von Siemens Energy und gilt jetzt als Expertin für Wasserstoffwirtschaft.

Mit dem von mir damals, bzw. schon seit vielen Jahren angesprochenen „Dual Fluid Reaktor“ und seiner Rückholung nach Deutschland könnte das ehemals führende Land wieder ein Spitzenprodukt erhalten welches, niedrige Strompreise und modulare Anpassung an die erforderlichen Größen – vom Klein- bis zu Groß Reaktoren – ermöglichen würde.

Der DFR wird all die Vorteile der Generation 4 Konzepte mit flüssigem Brennstoff in sich vereinen und als schneller Reaktor mit großer Effizienz die Ressourcen vollständig nutzen und so auch als „Atommüll Vernichter“ einsetzbar sein. (Details siehe meine früheren LBs).

Die in den KN vom 17. 01.2026 dargestellten Projektbeispiele

[Wasserstoff Pionier Hydrogenius streicht Stellen / der Cottbuser Wasserstoff-Flotte fehlt eine Tankstelle und die 46 neuen Wasserstoff-Busse stehen still / Gasnetzbetreiber Gascade investierte hunderte Millionen Euro, um eine 400 km Erdgasleitung umzurüsten und mit Wasserstoff zu befüllen. Jetzt liegt sie aber still, denn es fehlen die Kunden, weil Wasserstoff zu teuer und nicht wettbewerbsfähig ist]  zeigen den Dilettantismus, mit dem in Deutschland Energiepolitik betrieben wird (vgl. dazu auch meinen LB vom 25.01.2026).

Wer glaubt, dass man Klimaneutralität ohne Einbeziehung von Kernenergie erreichen kann, der ignoriert die Physik, was endlich auch in offiziellen Statements von oberster Stelle zum Ausdruck kommt. Letztlich musste auch Ursula von der Leyen zugeben, dass „Die Abkehr von der Atomkraft ein strategischer Fehler war “.

Bundeskanzler Merz stimmte dieser Aussage wohl zu, betonte aber, dass die deutsche Entscheidung gefallen sei, wobei er im Wahlkampf ganz andere Versprechen gemacht hatte.

Die gesamte deutsche Wirtschaftspolitik wird einem irrsinnigen Planziel direkt untergeordnet:

„Klimaneutralität für Deutschland“.

Wie schon mehrmals betont ist Deutschland für nur etwa 1,5% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Außerhalb Europas macht keiner mit und die meisten Länder verfolgen andere Strategien. Für Deutschland bleibt daher nur das traurige Ergebnis, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Reduktion von CO2-Emissionen anderswo besser klappen, weil man entweder bessere geographische Bedingungen hat oder richtigerweise auf Kernenergie im Energiemix setzt oder vielleicht im Gegensatz zu Deutschland setzen durfte.

Eine weitere starke Umweltbelastung resultiert aus dem starken Bevölkerungswachstum in Afrika, Asien und Latein Amerika, wie in meinem LB vom 3. August 2026 behandelt.

Die derzeit verbreitete Mainstream-Ansicht, dass nur die Menschen in den entwickelten Ländern mit ihrer Industrie, ihren Straßen und Verkehrsmitteln, ihren Bauwerken, etc. die Umwelt belasten ist leider einseitig und daher sicher nicht richtig.

Denn jeder neue Mensch muss ernährt werden und möchte sich entwickeln, so dass die genannten Entwicklungsländer wohl zu den stärksten Umweltsündern gehören

Auch die organisierten millionenfachen Wanderbewegungen nach Europa sind auch eine starke Umweltbelastung, ganz zu schweigen von dem dadurch in den Industrieländern verursachten Bevölkerungswachstum, welches Anpassungen (Erweiterungen) der Infrastruktur, sowie der Arbeits- und Wohnstätten erfordern wird.

Ähnlich wie der „Unsinn der Klimaneutralität“ ist auch der derzeit von der EU geförderte „Grüne Stahl“ einzustufen.

Anstatt es den Fachleuten in den Industrie-Unternehmen zu überlassen welche Technologien sie einsetzen, um Produkte am günstigsten produzieren zu können, sich mit diesen am Weltmarkt durchzusetzen, an der Spitze der Entwicklung zu bleiben und für Wohlstand ihrer Länder zu sorgen mischen sich die EU-Bürokraten in typischer KPdSU-Manier, mit staatlich patrimonialer Bevormundung, in interne Details des Produktionsablaufes ein. Dadurch gefährden sie die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen und führen zu De-Industrialisierung und Wohlstandsverlusten.

In Summe handelt die EU wie ein Handlanger des von mir zuletzt genannten „Morgenthau-Planes“.

Nach all dem kann man nur hoffen, dass es doch noch gelingt aus der Sackgasse der derzeitigen fehlgeleiteten Energiepolitik mit De-Industrialisierung herauszukommen.

Denn nur mit einem neuen Weg,
wie im Deutschlandplan Kernenergie gezeigt,
könnte das Land wieder auf eine Erfolgsspur kommen.

Mit ehrlichen Erfolgswünschen
Ihr Dr. Gerhard Reinmüller

Teilen: