Waldbrände in Deutschland

Jedes Jahr im Juli kommt in Deutschland der Waldbrandbericht des Landwirtschaftsministeriums heraus.

Er gilt immer für das vergangene Jahr und er ist auch für das Jahr 2025 sehr interessant.
Zunächst muss man anekdotische Evidenz von den Fakten trennen.
Der Tenor in der Presse und den Medien lautet eigentlich immer: 
Es war noch nie so schlimm wie jetzt.
Das ist sicherlich beeinflusst von tagesaktuellen Ereignissen wie den großen Bränden in Frankreich oder Spanien, die in der Tat beängstigend sind. Aber es ist falsch.

Ein schönes Beispiel wie man so ein Thema des jährlichen Berichts bedenklich aufbereiten kann, ist die Tagesschau.

Deutlich mehr Waldbrände in Deutschland, titelte sie Ende Juli.

Das ist für sich gesehen nicht falsch, aber dennoch verfälschend. Warum?
Weil die Jahre 2023 und 2024 sehr arm an Waldbränden waren.
Immerhin muss das arme Saarland nicht als Vergleich herhalten, dafür die Nordseeinsel Norderney. Die Fläche der Insel ist in 2025 in Deutschland den Flammen zum Opfer gefallen. 

Rund 2.600 Hektar Wald sind im vergangenen Jahr in Deutschland verbrannt – das sind etwa 3.676 Fußballfelder. Es gab mehr als doppelt so viele Waldbrände wie im Jahr zuvor. Grund war das besonders trockene Frühjahr.

In Deutschlands Wäldern hat es zuletzt wieder deutlich mehr gebrannt. 
Die Zahl der registrierten Waldbrände lag im vergangenen Jahr mit 1.175 mehr als doppelt so hoch wie im niederschlagsreichen Jahr 2024, wie aus der Waldbrandstatistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft hervorgeht.

Grund dafür ist demnach das besonders trockene Frühjahr 2025; so wurden schon im April 233 Brände verzeichnet, gefolgt von jeweils über 200 Bränden in den Monaten Mai und Juni, sowie 200 und 147 Bränden im Juli und August.

Die gesamte verbrannte Waldfläche betrug 2.626 Hektar, das entspricht in etwa der Größe der Nordseeinsel Norderney – oder 3.676 Fußballfeldern. Damit liegt die verbrannte Fläche um ein Vielfaches über dem Mittelwert der vergangenen 35 Jahre von 844 Hektar.


Schauen wir daher in die Statistik des BLE.
Wir sehen, dass die Jahre 2019 und 2022 mehr verbrannte Fläche hatten und das Jahr 2024 wie beschrieben ein extrem brandarmes Jahr war. Nur wird das in dem Artikel mit keinem Wort erwähnt, dagegen aber der enorme Anstieg in 2025 gegenüber 2024 betont. 



Jetzt kann man sich mal den Spaß machen in die Zahlen in einer geglätteten Kurve darstellen. Schon sieht das auch nach nur 6 Jahre Statistik etwas anders aus.
Mit noch mehr Jahren wäre ein ganz andere Aussagekraft da. 



Der Bericht des Landwirtschaftsministerium gibt wie gewohnt auch Auskunft, welche Bundesländer besonders betroffen waren. Es war 2025 nicht Brandenburg führend, sondern Sachsen. Der Brand in Gorischheide war hier ausschlaggebend.
Auch hier wieder das alte Spiel. Es war ein munitionsbelastetes Gelände. 
Das Gebiet war früher ein Truppenübungsplatz. Im Boden befanden und befinden sich noch zahlreiche Blindgänger und Munition, weshalb Feuerwehrleute viele Bereiche nicht betreten konnten. Teilweise musste ausschließlich von Fahrzeugen aus gelöscht werden, und jede Explosion stellte eine Gefahr für die Einsatzkräfte dar. 
Genau diese Altlasten machten den Einsatz außergewöhnlich schwierig.

Das ähnelt ähnlichen Bränden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. 

In anderen Bundesländern haben die Feuerwehren das Thema offenbar besser im Griff, weil sie dort gefahrloser löschen können.

Auch über diese Konstellation der Truppenübungsplätze schweigt sich die Tagesschau leider aus.

Kommen wir zu den Brandursachen. Hier wird ja gern der Klimawandel genannt, aber selbst die hohen Temperaturen in Südeuropa zünden keine Wälder an.
Das machen Menschen. Meist mit Absicht, manchmal aus Fahrlässigkeit oder Blödheit.
Weil im Sommer einfach mehr Menschen in Wäldern unterwegs sind, brennt es mehr, einfache Mathematik, mehr Waldbesucher bedeutet auch mehr Deppen. 

Die Abwesenheit von Wasser bzw. Niederschlag begünstigt Waldbrände, denn hat ein Depp erst einmal ein Feuer gelegt, dann kann es sich auf dem ausgetrockneten Boden sehr schnell verbreiten. 

Wir wollen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk aber auch durchaus loben.

Im MDR gibt es eine sehenswerte Doku über die Zeit nach Waldbränden.

Es ist ein Prozess, der viele Jahre dauert, bis aus der Asche ein neuer Wald entsteht. „Um das zu filmen“, so Filmemacher Uwe Müller, „haben wir Brandflächen in verschiedenen Stadien aufgesucht, wo wir auch auf altes Filmmaterial dieser Orte zurückgreifen und so die Entwicklung sichtbar machen konnten.“

Der Film unternimmt eine tiefgehende Erkundung der Prozesse in der Natur. Mit augenöffnenden Vorher-Nachher-Beobachtungen, im Zeitraffer und im Makro-Bereich. Mit einem Fokus auf Brandherde in Kalifornien, Griechenland und den Osten Deutschlands sowie die Folgeforschungen. „Ein Dreh in Kalifornien war besonders herausfordernd“, erinnert sich Müller. „Bei 37 Grad auf einem vierstündigen Abstieg in den Kings Canyon, bepackt mit der Kameraausrüstung und Wasservorräten. Immer auf der Hut, weil sich Klapperschlangen auf den Pfaden sonnten. Auch Braunbären waren in dem Gebiet unterwegs. Nach sechs Stunden Drehzeit den ganzen Weg zurück, nochmal über 4 Stunden diesmal.“ Belohnt wurden Uwe Müller und sein kleines Team mit Bildern von eindrucksvollen Riesenmammutbäumen, teilweise über 80 Meter hoch und weit über 3000 Jahre alt, die Feuern eindrucksvoll widerstehen können. „Einfach atemberaubend“, so Müller.


Und auch die Tagesschau hat erkannt, dass Glasscherben keine Brände auslösen. Dennoch liest man immer wieder davon, ganz besonders in den Sozialen Medien.
Wer sich die Postings von Jörg Kachelmann dazu ansieht, der kommt aus dem Staunen über die Dummheit vieler Medien und Nutzer kaum heraus.

Auch Glasflaschen oder Glasscherben reichen nicht aus, um die für eine Entzündung nötige Temperatur zu erreichen. Forscherinnen und Forscher des Deutschen Wetterdienstes in Braunschweig haben im Sommer 2006 versucht, solche Bedingungen mit einer Versuchsanordnung nachzustellen. Die Entzündung gelang in keinem einzigen Fall.„Die sogenannten Selbstentzündungen von Wäldern sind ein Märchen“, sagt Rüdiger Glaser, Professor für Physische Geographie an der Universität Freiburg. „Man braucht immer einen Zündeffekt.“ Oftmals sei es neben gezielter Brandstiftung einfach Unachtsamkeit, die einen Brand auslöse – wie zum Beispiel eine weggeworfene Zigarette.

Glasscherben gehören in den Müll oder einen Glascontainer aber keineswegs in die Natur und schon gar nicht in den Wald. 

Wir lernen, Kontext ist wichtig und eigentlich wäre es die Aufgabe der Medien, diesen zu liefern. Das gelingt wie das Beispiel Waldbrand zeigt, nicht immer wirklich. 

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