Von Frank Bosse
Susanne Götze hat einen neuen Kommentar im „Spiegel“. Es geht um die Waldbrände in Südwest-Frankreich, genauer gesagt im Department Gironde bei Bordeaux. Da geht es (wie leider üblich) mehr literarisch bei ihr zur Sache als datengestützt.
Solche Sätze:
„Erschreckend gut ins Bild der Cli-Fi-Romane passt auch die aktuelle Analyse von Klimaforschenden: Die Dürre in vielen europäischen Regionen sei weniger durch fehlenden Regen entstanden als durch extreme Temperaturen, heißt es beim Netzwerk World Weather Attribution . Diese seien durch den Klimawandel deutlich wahrscheinlicher und intensiver geworden – der Zusammenhang ist eindeutig. Das Problem: Bei 40 Grad kann Luft etwa dreimal so viel Wasser aufnehmen wie bei 20 Grad.“
Es sind, das ist richtig, trockene Böden, die (nur) eine Voraussetzung für Brände sind.
Es gibt einen Index, der diese Größe abbildet, der SPEI-Index. Er berücksichtigt sowohl Temperaturen als auch Niederschläge. Man kann ihn hier global herunterladen. Das ergibt für den Raum Bordeaux für die Mittelwerte Mai und Juni („wochenlange Trockenheit“) dieses Bild bis in das aktuelle Jahr hinein:

Es gab schon trockenere Zeitabschnitte.
Bei Susanne Götze war die Rede von „Klima“:
„Europa ist in der neuen Klimarealität angekommen“
Klima zeichnet sich durch Langzeit- Trends aus.
So haben sich die Sommer-Mitteltemperaturen dort seit um 1985 um ca. 2°C nach oben entwickelt.

Das Bild wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.
Für die Bodenfeuchte (SPEI- Index) gilt das jedoch nicht, da ist kein Trend seit 1985.
Warum ist das so? Weil halt auch der Niederschlag eine große Rolle bei Bränden spielt.
Und da sehen wir keinen Trend:

Gezeigt sind mm/Tag Niederschlag. Das Bild wurde ebenfalls mit dem KNMI Climate-Explorer generiert,
Es gibt also viele Faktoren für Waldbrände, nicht nur die Maximaltemperaturen.
Susanne Götze führt auch das Gesetz von Clausius Clayperon an, ohne es beim Namen zu nennen.
Es besagt, dass eine um 1 Grad wärmere Luftmasse 7% mehr Feuchte aufnehmen kann.
Die Betonung liegt auf „kann“, denn die fragliche Wassermenge muss so auch vorhanden sein.
Das ist über Ozeanen immer der Fall, bei der angesprochenen Landfläche wird das wohl nur sehr selten so sein, die Niederschlagsmenge reicht dafür nicht. Auch ist ihr Beispiel
„bei 40 Grad kann Luft etwa dreimal so viel Wasser aufnehmen wie bei 20 Grad“
eher sehr unglücklich gewählt, schaut man auf die Maximaltemperaturen der Jahre, gemessen an der Sation in Bordeaux:

Da sind Maximaltemperaturen von über 35°C nicht selten. Die Differenz zu 20° C ist eher ein abwegiger Vergleich.
Die Gegend ist im Sommer schon immer sehr warm. Man erkennt keinen Langzeittrend in der Bodenfeuchte, auch nicht, wenn man nur die Junis bis 2026 betrachtet. Da wechseln sich trockenere Jahre mit feuchteren ab, seit den 80er Jahren ist das so.
Erhebt sich die Frage, wie Frau Götze auf so viel Klimawirkung kommt, dass sie von „neuer Klimarealität“ schreiben kann. Vermutung: Sie wollte wohl ein Gefühl transportieren, weniger datenbasierte Aussagen machen. Es ist im „Spiegel“ ja auch „nur“ Meinung. Nur halt eine mit großer Reichweite. Wenig Fakten, viel Furor: das ist öfters ihr Motto. Es betraf z.B. die Trockenheit in Deutschland im Dezember 2025 oder ihren Bericht von der Weltklimakonferenz in Brasilien.
Alle Prüfungen ihrer Aussagen mit Daten gingen ebenso fehl wie beim aktuellen Kommentar.
Hat also der Klimawandel einen Einfluss auf die Waldbrände bei Bordeaux? Das ist durchaus möglich, nur ist es viel komplexer, als dass man von „neuer Klimarealität“ schwadronieren kann. Waldbrände werden durch viele Faktoren beeinflusst, es gibt Bedingungen dafür und unmittelbare Ursachen, meist ist das Brandstiftung, mit oder ohne Vorsatz. Auch die Technologien zum Löschen entwickeln sich.
Klima heißt immer auch Langzeittrends, hier der Bodenfeuchte da. Der ist jedoch nicht gegeben. Wie viele Menschen darunter leiden, hat vorrangig mit der Verstädterung der Landschaft zu tun, hier wird das für Spanien hergeleitet.
So kommt es auch, dass die verbrannte Fläche in Frankreich keineswegs monoton mit der Zeit ansteigt (steigende Temperaturen, s.o.)!), sondern recht variabel von Jahr zu Jahr ist:

Quelle, Daten seit 2012. Stand: KW29/2026
Untersucht man den Zusammenhang “Sommer- Maximaltemperaturen gegenüber verbrannter Fläche” mit den Daten aus der Quelle, so findet man, dass die Abhängigkeit nur zu 19% (das R²) besteht:

Gerade solche Ereignisse sind also in Punkto Bedingungen dafür, Ursachen und Auswirkungen hochgradig differenziert, nicht mit einer knackigen Überschrift und plakativen Sätzen zu beschreiben, wenn man nicht zu grob vereinfacht und damit nicht einmal 20% der Wahrheit beschreibt.
Ein Muster bei Susanne Götze?