Quelle: Phys.org – https://phys.org/news/2026-07-africa-wildfire-season-shorter-scientists.html – Autorin: Hannah Bird – Veröffentlicht am: 20. Juli 2026 (Phys.org)
Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt, dass sich die Waldbrandsaison in Afrika in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verkürzt hat. Das ist bemerkenswert, denn Afrika ist mit rund 70 % der weltweit jährlich verbrannten Fläche der bedeutendste Brandkontinent der Erde. Dennoch haben Satellitendaten seit Beginn der 2000er Jahre einen kontinuierlichen Rückgang der verbrannten Fläche dokumentiert.
Forscher gingen bislang häufig davon aus, dass vor allem die jährliche Niederschlagsmenge die Brandaktivität bestimmt. Die neue Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Entscheidend ist weniger, wie viel Regen fällt, sondern vielmehr wann er fällt.
Die Wissenschaftler analysierten tägliche Niederschlagsdaten aus drei unabhängigen Datensätzen für den Zeitraum 1990 bis 2023 und verglichen diese mit Satellitenbeobachtungen der Brandflächen und Feuerereignisse zwischen 2003 und 2022. Dabei zeigte sich ein eindeutiges Muster: Die Trockenzeit beginnt heute in weiten Teilen Afrikas später als früher. Dadurch verkürzt sich die Zeitspanne, in der Vegetation austrocknen und leicht entflammbar werden kann.
Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in Nordafrika. Dort verschiebt sich der Beginn der Trockenzeit im Mittel um etwa 1,75 Tage pro Jahrzehnt nach hinten. Im südlichen Afrika ist die Verzögerung mit rund 0,4 Tagen pro Jahrzehnt geringer, aber ebenfalls nachweisbar. Insgesamt führt diese Entwicklung dazu, dass die Trockenperiode kürzer wird.
Die Ursache liegt nicht darin, dass sich die eigentliche Regenzeit wesentlich verlängert. Vielmehr fällt zu Beginn der normalerweise trockenen Jahreszeit heute häufiger zusätzlicher Niederschlag. Diese Regenfälle halten Böden und Grasland länger feucht. Vor allem die ausgedehnten Savannengräser trocknen dadurch später aus und bilden erst verzögert den leicht brennbaren Brennstoff, der für großflächige Feuer erforderlich ist.
Die Studie zeigt, dass die Waldbrandsaison eng mit der Dauer der Trockenzeit verknüpft ist. In Nordafrika treten die meisten Brände zwischen Oktober und März auf, mit einem Höhepunkt im Dezember. Im südlichen Afrika konzentriert sich die Hauptbrandsaison auf die Monate April bis September, wobei Juli und August die aktivsten Monate darstellen.
Je feuchter der Beginn der Trockenzeit verläuft, desto geringer fallen sowohl die Zahl der Brände als auch die insgesamt verbrannte Fläche aus. Der Zusammenhang ist besonders deutlich in Nordafrika. Im südlichen Afrika ist er schwächer ausgeprägt, was darauf hindeutet, dass dort zusätzliche Einflussgrößen eine wichtige Rolle spielen.
Nach Ansicht der Autoren gehören dazu vor allem menschliche Aktivitäten. Die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, Straßenbau und andere Infrastrukturprojekte zerschneiden vielerorts die Landschaft. Dadurch entstehen kleinere, voneinander getrennte Vegetationsflächen, auf denen sich Feuer weniger weit ausbreiten können. Zusätzlich beeinflussen regionale Maßnahmen des Feuermanagements die Brandentwicklung.
Die Forscher weisen zugleich auf Einschränkungen ihrer Analyse hin. Satelliten können kleinere Feuer übersehen, sodass die tatsächliche Brandaktivität teilweise unterschätzt wird. Außerdem unterscheidet die Untersuchung nicht zwischen natürlich entstandenen Bränden, etwa durch Blitzschlag, und absichtlich gelegten Feuern, die beispielsweise für Landwirtschaft oder Landschaftspflege genutzt werden.
Die Ergebnisse haben auch praktische Bedeutung. Viele heutige Systeme zur Vorhersage von Waldbränden berücksichtigen vor allem Niederschlagsmengen, Temperaturen oder Dürreindizes. Die neue Studie legt nahe, dass der zeitliche Verlauf der Niederschläge mindestens ebenso wichtig ist. Eine genauere Berücksichtigung des Beginns und Endes der Trockenzeit könnte die saisonale Feuerprognose verbessern und Behörden helfen, Einsatzkräfte gezielter zu planen.
Darüber hinaus verdeutlicht die Untersuchung einen wichtigen Aspekt des Klimawandels: Veränderungen betreffen nicht nur die Gesamtmenge des Niederschlags, sondern auch dessen saisonale Verteilung. Bereits einige zusätzliche Wochen mit Regen zu Beginn der Trockenzeit reichen offenbar aus, um die Austrocknung der Vegetation deutlich zu verzögern. Dadurch verkürzt sich das Zeitfenster für großflächige Brände, sodass jährlich Millionen Hektar weniger Fläche abbrennen als noch vor wenigen Jahrzehnten. (Phys.org)
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