Von Frank Bosse
Das oberste Ziel der „Energiewende“ war und ist immer: CO2-arme Produktion von Energie. Dieser „Sektor“ ist von herausragender Bedeutung, hängen doch Fortschritte auf allen Gebieten wie Gebäude und Verkehr davon ab, möglichst klimafreundlich Strom zu produzieren, um durch Elektrifizierung überall die problematische Kohlenstoffverbrennung zu minimieren.
Ein Blick auf den Stand beim CO2-Faktor (Wieviel g CO2/produzierter Kilowattstunde fallen an?) in Europa:

Der europäische Mittelwert lag im Jahre 2024 bei 192 g CO2/kWh, der Median (nicht so empfindlich auf Extremwerte) gar bei 155 g CO2/kWh. Deutschland brachte es auf 291 g CO2/kWh, damit sehr deutlich über dem Durchschnitt.
Woran liegt dieser sehr unbefriedigende Stand? Hierzu sei eine aktuelle Sommerperiode für Deutschland untersucht, der Zeitraum 13.6.-12.7. 2027, auf Stunden aufgelöst nach Daten von „Agora Energiewende“.
Im Mittel produzierte die Deutsche Energieversorgung 293 g CO2/kWh im Auswertungszeitraum, allerdings ging der Ausstoß im Maximum auf 600 g CO2/kWh nach oben. Der geringste Wert betrug noch immer 85 g CO2/kWh. Frankreich erreichte im Mittel des Juni 2026 (!) dagegen 28 g CO2/kWh!
Wo liegt also der Hase im Pfeffer, dass Deutschland trotz aller Investitionen so ein großer Treibhausgas-Produzent bei der Energieproduktion ist? Kapazitäten wurden ja aufgebaut: Insgesamt standen 78 GW an Windenergie und 124 GW an Photovoltaik (PV) an installierter Leistung zur Verfügung. Die Maximalproduktion an gesamtem Strom im Zeitraum betrug 79 GW/Tag, der Mittelwert lag bei 58 GW/Tag. Zumindest das Mittel war also nur mit Windkraft oder PV theoretisch leistbar Theoretisch! Die mittlere Produktion von Energie aus Windkraft erreichte nur 15% der installierten Leistung, maximal wurden 52% erreicht, an „schlechten Windtagen“ nur um 0,3-0,4%. So viel Installation für so wenig Ertrag! Bei PV sieht es nicht besser aus, um die 15% im Mittel 53% als Top-Wert, nachts natürlich null.
Wenn diese „Erneuerbaren Energien“ (EE) nicht genug liefern, muss für die Versorgungssicherheit in Deutschland Kohle und Gas weiter hochgefahren werden. Das führte im Mittel zur Produktion von 13,5% der Gesamtleistung aus Gas, aus Kohle waren es 15%. Die Spitzenwerte: 25 bzw. 29 %. Hier zeigt sich das Problem des Verzichts auf Kernkraft, die Nutzung ist nach wie vor hierzulande gar verboten. Das beantwortet auch die Frage, warum Frankreich so viel weniger Treibhausgas in die Luft bläst: neben EE kommt da die Kernkraft (sie ist CO2-arm mit nur 5 g CO2/kWh) mit rund 67% zum Einsatz.
Das Erreichen deutlich niedrigerer Werte in Deutschland steht in den Sternen. Das Tempo ist seit 2018 so gering, dass kein signifikanter Trend mehr nachzuweisen ist, wir berichteten.
Ist der Ausweg „Batteriespeicher“ für EE real für eine überschaubare Zukunft? Es existieren gegenwärtig „Netzdienlich“ (also nicht kaum steuerbare Heimspeicher) Groß- und Gewerbespeicher für ca. 7,8 GW Leistung (Daten). Das wären ca. 10% des maximalen Verbrauchs. Damit längere Zeiten mit viel zu wenig EE im Netz (im untersuchten Zeitraum sind es z.B. die Tage 16.6.-2.7. mit regelmäßig um 500 g CO2/kWh durch eine „Hitzeflaute“ bei Windenergie) zu „puffern“ ist illusorisch.
Eine valide Besserung der „Klimabilanz“ Deutschlands Energieproduktion ist nicht in Sicht, geht man nicht neue Wege. Ohne die verkehrt sich die „Energiewende“ in ein Klimaproblem, statt es zu lösen. Es schien nur so bis 2018, dass der Weg Erfolg versprach. Nun kommt er in eine „gesättigte Zone“, weitere Fortschritte sind marginal und stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand. Nach einer Studie der DIHK gab Deutschland pro Jahr zwischen 2020 und 2024 ca. 80 Mrd. Euro/Jahr aus, für die Zukunft soll sich das bis 2049 auf ca. 5 Billionen Euro summieren. Zumindest für die Jahre 2020-2024 kann man konstatieren: für keine realen Fortschritte beim Klimaschutz (CO2 Emissionsfaktor).
Das alles kommt weiß Gott nicht überraschend, der „Weltklimarat“ IPCC empfahl bereits 2021 den Weg:
„…and toward renewables, nuclear power, CCS, electricity networks and storage..”
Dass es Deutschland bisher NUR mit EE versucht, ist nicht wissenschaftlich begründet. Zu unstet stehen die zur Verfügung. Deshalb mahnte die DIHK an:
„Für eine wirtschaftlich tragfähige Transformation braucht es daher eine strategische Neuausrichtung.“
Die „nackten Zahlen“ für die 30 untersuchten Sommertage ganz aktuell zeigen es: Deutschland tritt auf der Stelle und hat mit der „Energiewende“ inzwischen ein massives Klimaproblem, hinzu kommen wirtschaftliche und überdehnte Haushaltsausgaben auch durch sie.
Auch die EU hat inzwischen erkannt, dass der Ausstieg aus Kernkraft ein „strategischer Fehler“ war, wir informierten.
Was genau hindert Deutschland also, den nur wenig erfolgreichen Weg mit „nur EE“ durch die anderen vom IPCC empfohlenen Lösungen zu ergänzen und es damit auch dem viel erfolgreicheren Vorbild Frankreich nachzutun? Das Dilemma ist lange bekannt! Wenn man etwas nicht logisch erklären kann, so ist meist die Erklärung „Money“ die naheliegende. Zu viele Interessen, nicht von Klimaschutz oder gesellschaftlichem Wohlergehen diktiert, sind offensichtlich am Werk. Das sollte schleunigst beendet werden.