Von Dr. Ludger Laurenz
Das Wichtigste in Kürze:
- Solarer Einfluss möglicherweise viel größer als bisher angenommen: In zahlreichen Zeitreihen verschiedener Klima- und Umweltparameter lassen sich Muster identifizieren, die mit der etwa 22-jährigen Periodizität des Hale-Zyklus der Sonne übereinstimmen und auf einen möglichen solaren Einfluss auf klimatische Prozesse hindeuten.
- Einfache Methode zum Nachweis von Hale-Mustern: Hierzu werden die Zeitreihen an den Terminator-Ereignissen der Jahre 1881, 1903, 1926, 1946, 1968, 1988, 2011 in einzelne Abschnitte zerlegt und anschließend als gestapeltes Zeitreihendiagramm dargestellt. Periodisch wiederkehrender Strukturen zwischen den einzelnen Segmenten ermöglichen eine erste Beurteilung, ob ein Muster im Sinne des Hale-Zyklus und damit ein potenzieller solarer Einfluss vorliegt.
- Hale-Muster können für zuverlässigere Prognosen genutzt werden: Das wirtschaftliche Potenzial der Nutzung von Hale-Mustern für Prognosezwecke ist in zahlreichen Anwendungsbereichen erheblich. Eine verbesserte Vorhersagbarkeit klimatischer und hydrologischer Variabilität könnte die Planungssicherheit erhöhen und zur Optimierung von Anpassungs- und Risikomanagementstrategien beitragen.
- Mitteleuropa als Hotspot: Die bisherigen Analysen deuten darauf hin, dass Mitteleuropa im globalen Vergleich eine besonders ausgeprägte Signatur potenzieller solarer Einflüsse auf Wetter- und Klimatrends aufweist.
- Neues Forschungsfeld – Überprüfung der Terminator-Hypothese: Die Terminator-Hypothese ist ein junges Forschungsgebiet. Die wiederholte Beobachtung von Hale-Mustern in historischen Datensätzen belegt zwar keinen Kausalzusammenhang zwischen Sonnenaktivität sowie Wetter- und Klimatrends, deutet jedoch auf einen systematischen Zusammenhang hin, der weiterer Untersuchung bedarf.
Kürzlich veröffentlichte der Meteorologe Antony Watts einen Fachbeitrag, in dem mögliche Einflüsse solarer Variabilität auf die Erdatmosphäre diskutiert werden:
„Hat der „Terminator“ der Sonne das kommende El Niño 2026 vorhergesagt? Neue Forschung sagt Ja“ (Watts 2026).
Der Beitrag von Antony Watts greift Fragestellungen auf, mit denen ich mich seit mehreren Jahren beschäftige. Im Rahmen eigener Untersuchungen analysiere ich mögliche Zusammenhänge zwischen Terminator-Ereignissen der Sonne und Wettertrends. Die dort dargestellten Überlegungen möchte ich daher durch eigene Ergebnisse ergänzen, die in mehreren Beiträgen in KLIMANACHRICHTEN.DE dokumentiert sind. (Laurenz).
Bisher wurden die von mir präsentierten Ergebnisse in der Fachwelt und von einem Teil der Leserschaft überwiegend kritisch beurteilt. Die Vorbehalte beziehen sich insbesondere auf die bislang unzureichende empirische Absicherung, die noch nicht hinreichend geklärten physikalischen Übertragungsmechanismen zwischen solarer Aktivität und Prozessen in der Erdatmosphäre sowie auf die Annahme, dass ein derart ausgeprägter solarer Einfluss auf ein- bis mehrjährige Wetter- und Klimavariabilität derzeit nicht als etabliert gilt.
Watts bezieht sich in seinem Beitrag auf die Vorhersage eines neuen El Nino für 2026 schon drei Jahre vorher durch den Sonnenphysiker Robert Leamon (Leamon 2023). Zitate von Watts sind im Folgenden kursiv gekennzeichnet.
Robert Leamon von der NASA und der University of Maryland (Baltimore County) veröffentlichten 2023 ein Bericht, in dem vorhergesagt wurde, dass der nächste El Niño im Jahr 2026 eintreffen würde. Seine Prognose basierte nicht auf Ozeanmodellen oder Klimasimulationen. Sie basierte auf der Sonne.
Insbesondere basierte die Prognose auf einem Sonnenphänomen, das er und sein Kollege Scott McIntosh den „Terminator“ nennen: ein magnetisches Ereignis, das das Ende eines Sonnenzyklus und den Startpunkt des nächsten markiert. (Leamon 2023).
Was ist der Terminator?
Das Ende des vorher gehenden Hale-Zyklus und der Übergang zum neuen Zyklus bezeichnen Leamon und McIntosh als Terminator. Der Terminatorliegt ca. 3 bis 4 Jahre hinter dem Sonnenfleckenminimum.
Der Beginn eines neuen Zyklus ist durch Änderung der magnetischen Aktivität der Sonne gekennzeichnet (Figure 2 in Leamon 2021). Der Wechsel in den neuen Zyklus bewirkt eine messbare in kurzer Zeit ablaufende Verschiebung des Sonnenwinds, der wiederum die geomagnetische Aktivität der Erde moduliert.“
Der Terminator-Zeitpunkt zeigt sich empirisch in einem nahezu gleichzeitigen, abrupten Umschalten mehrerer Beobachtungsgrößen (unter anderem Sonnenfleckenaktivität, extreme UV-Strahlung und kosmische Strahlung auf die Erde). Der Terminator markiert damit das tatsächliche Ende des alten und den Beginn des neuen 22-jährigen magnetischen Hale-Zyklus.
Bestimmung der Kalenderjahre der Terminatoren
Jeder 22-jährige Hale-Zyklus umfasst zwei aufeinanderfolgende unterschiedliche Schwabe-Zyklen. Der Unterschied zwischen geraden (paarigen) und ungeraden Schwabezyklen ist als Gnevyshev–Ohl-Regel (auch Even–Odd Rule) bekannt.
Robert J. Leamon identifizierte die geraden Zyklen (SC20, SC22, SC24, SC26) als erste Hälfte der 22-jährigen Hale-Zyklen, während er die ungeraden Zyklen (SC21, SC23, SC25, SC27) der zweiten Hälfte zuordnet. Mit dieser Vorgabe hat Leamon die Wechseljahre zwischen den Hale-Zyklen beziehungsweise Startjahre der jeweiligen Hale-Zyklen bestimmt, siehe schwarze Pfeile in der folgenden Abbildung.

Die schwarzen Pfeile kennzeichnen die Terminatoren für die Jahre 1946, 1968, 1988 und 2011. Der in der Darstellung sichtbare Terminator 1967 wird in nachfolgenden Analysen auf das Jahr 1968 revidiert.
Im Folgenden wird das Hale-Muster in Zeitreihen dargestellt, die bis 1881 zurückreichen. Da Leamons Terminatoren erst ab 1930 bekannt sind, fehlen die Terminatoren in der Zeit davor. Diese können hilfsweise und vorläufig bestimmt werden, indem die Kennzeichen der Terminator-Grenzen von Leamon, insbesondere der Verlauf der Sonnenfleckenaktivität und des geomagnetischen aa-Index und Kp-Index auf die Zeit vor 1930 übertragen werden.
Entdeckung der Terminator-Jahre ermöglicht erstmalig Nachweis von Hale-Mustern in historischen Zeitreihen
Watts: Durch die Mittelwertbildung aus den letzten fünf Sonnenzyklen in einen zusammengesetzten „Standardzyklus“ identifizierte Leamon ein wiederkehrendes Muster. Dafür hat Leamon die historische Datenreihe der el Nino/la Nina-Abfolge an den Terminatoren getrennt und die einzelnen Abschnitte übereinandergelegt. Am Kurvenverlauf mit dem Hale-Muster konnte er erkennen, in welchen Zyklusjahren am ehesten mit El Nino zu rechnen ist.
Die Festlegung der Terminator-Jahre bzw. der Startzeitpunkte der Hale-Zyklen stellt einen zentralen methodischen Schritt für die Untersuchung eines möglichen solaren Einflusses auf die Erdatmosphäre dar. Nur auf dieser Basis wird die Identifikation von Hale-Mustern in atmosphärischen Variablen, wie sie in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt sind, ermöglicht.
„Was ist der Mechanismus?
Das bleibt eine offene und ehrliche Frage. Die meisten Forscher, die in diesem Raum arbeiten, bevorzugen „Top-Down“ -Modelle, bei denen die Sonnenaktivität die obere Atmosphäre auf eine Weise verändert, die sich schließlich auf das Oberflächenwetter ausbreitet. Aber der spezifische physische Weg wurde nicht festgelegt.
Leamon und McIntosh vermuteten zunächst (in ihrer Arbeit von 2021), dass galaktische kosmische Strahlung die Verbindung sei. Der kosmische Strahlfluss variiert mit dem Sonnenzyklus und wirkt sich auf die atmosphärische Ionisation aus. Aber bis 2023 hatte Leamon es sich noch einmal überlegt, da das Timing nicht gut genug passte, und er lehnt sich jetzt zu geomagnetischer Aktivität als plausiblerer Treiber an.
Das im Folgenden dargestellte Hale-Zyklus-Muster im geomagnetischen Feld der Erde liefert konsistente Hinweise, die mit der von Robert J. Leamon vorgeschlagenen Einteilung der Schwabe-Zyklen in den Hale-Zyklus vereinbar sind.
Muster des Hale-Zyklus im Erdmagnetfeld
Die periodisch im Hale-Zyklus schwankende Aktivität der Sonne überträgt sich auf das geomagnetische Feld der Erde. Der aa-Index (oft „geomagnetischer aa-Index“ genannt) ist ein Maß für die Stärke der weltweiten geomagnetischen Aktivität, also dafür, wie stark das Magnetfeld der Erde durch die Sonnenaktivität gestört wird.
Der aa-Index misst seit 1868 die Schwankungen des Erdmagnetfeldes und dient als Indikator für den Einfluss von Sonnenwind und Sonnenstürmen auf die Erde. Er wird aus Messungen von zwei geomagnetischen Observatorien auf gegenüberliegenden Seiten der Erde berechnet. Da die Messreihe bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, wird der aa-Index häufig zur Untersuchung langfristiger Veränderungen der Sonnenaktivität verwendet.
In der folgenden Abbildung ist der Verlauf des geomagnetischen aa-Index über die Hale-Zyklen im Zeitraum 1881 bis 2025 dargestellt. In Anlehnung an die Vorgehensweise von Robert J. Leamon wurde der seit 1881 verfügbare Datenverlauf an den jeweiligen Terminator-Ereignissen segmentiert und die resultierenden sieben Abschnitte übereinandergelegt.

Abb.2: Geomagnetischer aa-Index im Sommerhalbjahr im Verlauf von 7 Hale-Zyklen 1881 bis 2025
Die sieben analysierten Zyklen zeigen einen weitgehend kohärenten Verlauf mit einem ausgeprägten Minimum im Zyklusjahr 10. Durch die Ausrichtung der Zeitreihen an den Terminator- bzw. Startjahren
1881, 1903, 1926, 1946, 1968, 1988 und 2011
ergibt sich ein wiederkehrendes Muster, das mit der 22-jährigen Periodizität des Hale-Zyklus der Sonne konsistent ist. Watts schreibt dazu: „Der Terminator markiert eine schnelle Neuordnung des Sonnenmagnetfeldes an Sonnenzyklusgrenzen. Diese Rekonfiguration bewirkt eine messbare Verschiebung des Sonnenwinds und des interplanetaren Magnetfeldes, die wiederum die geomagnetische Aktivität der Erde moduliert.
Muster des Hale-Zyklus bei der QBO
Watts schreibt: Von dort aus sind geomagnetische Störungen bekannt, die die Verteilung der elektrischen Ströme in der oberen Atmosphäre beeinflussen. Diese Strömungen beeinflussen die stratosphärische Zirkulation, insbesondere den Polarwirbel und die quasi-biennale Schwingung (QBO), die beide etablierte Modulatoren von troposphärischen Wettermustern sind“
Die Quasi-Biennale Oszillation (QBO) ist ein regelmäßiger Wechsel der Windrichtung in der tropischen Stratosphäre über dem Äquator. Dabei ändern sich die vorherrschenden Winde in etwa 16–30 km Höhe abwechselnd von Westwinden zu Ostwinden und wieder zurück. Ein vollständiger Zyklus dauert im Mittel rund 28 Monate. Die QBO beeinflusst die atmosphärische Zirkulation und kann Auswirkungen auf Wetter- und Klimamuster haben.
In der folgenden Abbildung zeigt sich, dass die Windrichtung im Zeitraum von Jahr −3 bis −1 am Ende eines Hale-Zyklus sowie in den ersten vier Jahren des jeweils folgenden Zyklus in allen vier betrachteten Zyklen ein einheitliches Umschaltverhalten aufweist. Dieses Muster legt nahe, dass möglicherweise ein systematischer Zusammenhang zwischen der solaren Variabilität am Ende bzw. Beginn eines Hale-Zyklus und der Phasenentwicklung der Quasi-Biennalen Oszillation (QBO) besteht. Elf Jahre später, entsprechend einem Schwabe-Zyklus versetzt, deutet sich ein vergleichbares Strukturmuster erneut an.

Abb. 3: Windrichtungswechsel in der QBO im Verlauf der letzten 4 Hale-Zyklen, mit den drei letzten Jahren des vorhergehenden Zyklus
Muster des Hale-Zyklus im Polarwirbel und der Wintertemperatur in Norwegen
Watts vermutet das Muster des Hale-Zyklus auch im Polarwirbel. Es gibt keinen einzelnen offiziellen Börsen- oder Klimaindex, der den Polarwirbel direkt beschreibt. Ein indirekter Maßstab ist der Index der Arktischen Oszillation (AO). Er beschreibt die Luftdruckverteilung zwischen der Arktis und den mittleren Breiten. Positiver AO-Wert: starker Polarwirbel, kalte Luft bleibt eher in der Arktis. Negativer AO-Wert: geschwächter Polarwirbel, größere Wahrscheinlichkeit für Kaltluftausbrüche nach Europa oder Nordamerika.

Abb. 4: Arktische Oszillation AO im Dezember im Verlauf der letzten 4 Hale-Zyklen
Das wiederkehrende Muster des Hale-Zyklus ist in den ersten drei Zyklusjahren sowie im übergeordneten, über die Zyklusdauer abfallenden Trend der einzelnen Zeitreihen erkennbar. Die interannuelle Variabilität ist dabei insgesamt hoch. Ein kausaler Nachweis eines solaren Einflusses lässt sich aus dieser Darstellung allein nicht ableiten. Ein in den ersten drei Zyklusjahren vergleichbares Muster findet sich auch bei der Nordatlantischen Oszillation (NAO).
Ein deutlich ausgeprägteres Hale-Muster zeigt sich in der Dezember-Mitteltemperatur Norwegens, die in hohem Maße von der Arktischen Oszillation (AO) beeinflusst wird.

Abb. 5: Dezember-Mitteltemperatur in Norwegen im Verlauf der letzten 6 Hale-Zyklen
In der vorliegenden Abbildung ist ein ausgeprägtes Muster im Sinne des Hale-Zyklus zu erkennen. Insbesondere in den ersten drei Zyklusjahren tritt in allen sechs betrachteten Zyklen eine konsistente Variabilität der Dezember-Mitteltemperaturen auf. Der Verlauf dieser frühen Zyklusphase weist auf eine wiederkehrende Struktur hin, die mit der Phasenlage der Sonnenaktivität in Beziehung stehen könnte.
Der Trend der Dezember-Mitteltemperaturen in Norwegen spiegelt in hohem Maße die Variabilität der Arktischen Oszillation (AO) wider; ein möglicher Zusammenhang mit solarer Variabilität bleibt in diesem Zusammenhang hypothetisch und bedarf weiterer statistischer und physikalischer Prüfung.
Muster des Hale-Zyklus bei ENSO
Dazu schreibt Watts:
Der tropische Pazifik ist besonders empfindlich gegenüber stratosphärischer Kraft, da die dortigen tiefen konvektiven Systeme, die Motoren von ENSO, auf selbst kleine Veränderungen des Temperaturgradienten zwischen der äquatorialen Stratosphäre und der umgebenden Atmosphäre reagieren. Ein Terminator getriebener Anstoß zur stratosphärischen Zirkulation könnte plausibel das Gleichgewicht zwischen den Passatwindmustern, die La Niña unterstützen, und der Schwächung, die El Niño auslöst, kippen.
Muster des Hale-Zyklus im Dürretrend von Iowa
Das ausgeprägteste Hale-Zyklus-Muster konnte weniger im ONI-Index, der den ENSO-Trend beschreibt, sondern im Dürretrend Iowas im Mittleren Westen der USA identifiziert werden. Dieser Dürreindikator ist eng mit ENSO-bedingten Variationen korreliert und kann als regional integrierter Ausdruck der ENSO-Aktivität interpretiert werden. Analog zu den Zusammenhängen zwischen der Arktischen Oszillation (AO) und den Dezembertemperaturen in Norwegen könnte der Dürretrend Iowas somit als regional modulierter Proxy großräumiger Klimavariabilität verstanden werden. Eine mögliche Beziehung zu solaren Zyklen ist dabei als hypothetisch zu betrachten und bedarf weiterer systematischer Überprüfung.
Der Palmer Drought Severity Index (PDSI) ist ein klimatologischer Index zur Bewertung der Stärke und Dauer von Trocken- oder Feuchtperioden. Er basiert auf einer Wasserbilanz aus Niederschlag, Temperatur und der Wasserspeicherkapazität des Bodens. Negative Werte zeigen Trockenheit an (je kleiner, desto stärker die Dürre). Positive Werte zeigen feuchte Bedingungen an. Der PDSI wird häufig verwendet, um klimatische Veränderungen zu analysieren.
Iowa im Mittleren Westen der USA wird als Beispielregion für indirekten Einfluss des ENSO-Trends gewählt. Die typischen Auswirkungen von El Niño in Iowa sind mehr Niederschlag im Winter und Frühjahr. Die veränderte Lage des Jetstream begünstigt mehr Tiefdrucksysteme über Teilen der USA. In vielen El-Niño-Ereignissen treten in Iowa überdurchschnittliche Niederschläge auf. Das kann besonders im Frühjahr zu höherer Bodenfeuchte und teilweise auch zu Hochwasserrisiken führen.
Das beste Hale-Muster beim PDSI zeigt sich in Iowa im Januar, s. folgende Abbildung.

Abb. 6: Palmer Drought Severity Index in Iowa im Verlauf der letzten 5 Hale-Zyklen
Das untersuchte Hale-Muster zeigt eine ausgeprägtere Struktur um Zyklusjahr 6, während in den Zyklusjahren 17/18 – um einen Schwabe-Zyklus verschobenen Phase – eine geringere Signalausprägung erkennbar ist. Der Dürretrend in Iowa weist zeitweise eine hohe Übereinstimmung mit der ENSO-Variabilität auf und kann als regionaler Proxy großskaliger ozeanisch-atmosphärischer Dynamik interpretiert werden.
Die in Abbildung 6 dargestellten Zusammenhänge eignen sich nicht unmittelbar für prognostische Ableitungen. Aussagen über eine kausale Beziehung zu solarer Aktivität sowie über eine erhöhte Auftretenswahrscheinlichkeit spezifischer ENSO-Phasen in bestimmten Zyklusjahren bleiben hypothetisch und erfordern eine weiterführende statistische und physikalische Validierung.
Die im Zyklusjahr 6 in Abbildung 6 in allen vier Zyklen beobachtete Akkumulation von Feuchtigkeit weist eine strukturelle Übereinstimmung mit folgender von Antony Watts formulierten Hypothese auf.
Warum die fünfjährige Verzögerung?
Hier wird es interessant. Der Terminator dreht einen Schalter nicht sofort um. Der Sonnenzyklus nach dem Terminator steigt allmählich, und der kumulative geomagnetische Zwang braucht Zeit, um sich durch die Stratosphäre und in die Ozean-Atmosphäre-Kopplung des tropischen Pazifiks zu arbeiten. Fünf Jahre stehen in etwa im Einklang mit den Zeitskalen sowohl der stratosphärischen Anpassung als auch des ozeanischen Wärmegehaltsaufbaus, der einem großen El Niño vorausgeht.
Eigene Analysen weisen darauf hin, dass sich das Hale-Muster auch in der zeitlichen Häufung tropischer Stürme und Hurrikane nachweisen lässt und für Prognosezwecke genutzt werden kann.
Muster des Hale-Zyklus im Niederschlags- und Dürretrend von Deutschland
Nach aktuellem Stand der Untersuchung deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Mitteleuropa im globalen Vergleich eine ausgeprägte Variabilität potenzieller Zusammenhänge zwischen solarer Aktivität und Wettertrends aufweist, insbesondere im Hinblick auf Niederschlagsanomalien auf Jahres- bis Dekaden-Skalen. Die nachfolgende Abbildung illustriert diesen Zusammenhang exemplarisch.

Abb. 7: Jahresniederschlagssumme im gleitenden dreijährigen Mittel im Verlauf der letzten 6 Hale-Zyklen
Das Hale-Muster manifestiert sich insbesondere im kohärenten Verlauf der einzelnen Zeitreihen, der sich im übergeordneten Trend der Kurven widerspiegelt. Die schwarze Mittelwertkurve kann dabei als Referenzgröße zur Beschreibung der zyklischen Entwicklung herangezogen werden.
Das Potential für Prognosen zeigt sich aus dem Vergleich zwischen der schwarzen Mittelwertkurve und den ab 2011 dargestellten, rot gestrichelten Beobachtungen. Die Qualität von Prognosen auf Basis des Hale-Musters dürfte die Qualität aller bisherigen Prognoseverfahren übertreffen.
Das analysierte Niederschlagsniveau zeigt innerhalb des Hale-Zyklus eine asymmetrische Verteilung, wobei in der ersten Hälfte (erstes Schwabe-Zyklusintervall) tendenziell niedrigere Niederschlagswerte auftreten als in der zweiten Zyklushälfte. In der Folge ergibt sich für diesen Abschnitt eine potenziell erhöhte Häufigkeit von Dürrebedingungen im Vergleich zur zweiten Zyklushälfte.
Diese Beobachtung wird durch die seit 1950 vorliegenden Dürredaten des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gestützt, s. folgende Abbildung.

Abb. 8: Sommerdürre (braun eingefärbt) in Deutschland im Verlauf von 4 Hale-Zyklen in der Vegetationsperiode April bis Oktober für den Gesamt-Boden (0 – max. 2 Meter)
Ein gehäuftes Auftreten von Dürresommern in der ersten Hälfte des Hale-Zyklus lässt sich in den seit 1950 verfügbaren Dürrekarten des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) nachvollziehen. Die hier dokumentierten Dürreintensitäten und Dürremagnituden weisen darauf hin, dass ausgeprägte sommerliche Trockenperioden überproportional häufig in die erste Zyklushälfte fallen.
Hoher Anzahl von Dürrejahren in der ersten Hälfte folgen überdurchschnittliche Anzahl von Dürrejahren in der zweiten Hälfte. Das aktuelle Jahr 2026 liegt in der zweiten Hälfte eines Hale-Zyklus, in dem schon in der ersten Hälfte mehrfach extreme Dürre aufgetreten ist.
Als mögliche Ursachen kommen Einflüsse multidekadischer Klimaschwankungen, insbesondere der Atlantischen Multidekaden-Oszillation (AMO), der Nordatlantischen Oszillation (NAO) sowie längerfristiger Variationen der Sonnenaktivität, etwa des Gleissberg-Zyklus und Eddy-Zylus in Betracht. Aufgrund der kurzen Datenreihe lässt sich jedoch kein kausaler Zusammenhang ableiten.
Muster des Hale-Zyklus in der Abflussrate in der Westhälfte von Deutschland
Das Hale-Muster zeigt sich in Mitteleuropa nicht nur im Niederschlagssummen, sondern auch in allen damit im Zusammenhang stehenden Faktoren wie zum Beispiel der Abflussrate, s. folgende Abbildung.

Abb. 9: Abflussrate (runoff) im Jahresmittel in der Westhälfte von Deutschland im Verlauf von 6 Hale-Zyklen. Die schwarze Mittelwertlinie gibt die Prognosewerte für die einzelnen Zyklusjahre an. Die Prognosephase 2026-2031 ist gelb hinterlegt.
Das beobachtete Hale-Muster besitzt potenziell erhebliche wirtschaftliche Relevanz. Insbesondere für die Binnenschifffahrt könnten die identifizierten Zyklusjahre 4, 9 und 19 als Indikatoren für ein erhöhtes Auftreten von Niedrigwasserphasen dienen. Eine frühzeitige Berücksichtigung dieser Zusammenhänge könnte die Planung und Umsetzung geeigneter Anpassungs- und Vorsorgemaßnahmen unterstützen.
Die Darstellung von Hale-Mustern in gestapelten Zeitreihendiagrammen ließe sich durch zahlreiche weitere Analysen aus unterschiedlichen Weltregionen ergänzen. Nach dem derzeitigen Stand meiner Untersuchungen weist insbesondere Mitteleuropa eine auffallend hohe Ausprägung potenzieller Zusammenhänge zwischen solarer Variabilität sowie Wetter- und Klimatrends auf, die für Langfristprognosen genutzt werden könnten.