Der „Dürre-Regimewechsel“  

Von Frank Bosse

Eine knallige Überschrift im Focus:  

Regime-Wechsel- 

Jetzt tritt Deutschland in eine neue Dürre-Ära ein“ 

Es folgt ein langer Artikel über eine „unsichtbare Dürre“ und fallende Grundwasserstände in Deutschland von Jaqueline Arendt, eine gelernte Journalistin.  

Darin wird davor gewarnt, sich von „grüner Vegetation“ täuschen zu lassen, denn 

 „der Wassergehalt in den tieferen Bodenschichten (ist) bereits deutlich unterdurchschnittlich.“ 

Darunter prangt eine Abbildung des „Helmholz Dürremonitor“ wie diese für den Gesamtboden (im Mittel bis 1,8m Tiefe): 

Quelle 

Was da z. B. für Südost-Bayern ausgewiesen wird, ist in der Tat (laut Legende) in Teilen eine Dürre, wie sie nur alle 50 Jahre vorkommt.  

Da liegt auch Rosenheim. Es gibt eine vergleichbare Analyse vom DWD: Der „Bodenfeuchteviewer“. 

Dort kann man die gewünschte Bodentiefe eingeben und erhält grafische Daten.  

Für 1,8 m zeigt diese Anwendung das:  

Da ist nirgendwo „extremer Trockenstress“ in den „dunkelbraunen“ bayerischen Flächen des Dürremonitors sehen wir in der Tiefe mindestens eine „gute Wasserversorgung“.  

Nun denn, also das komplette Bodenprofil in Albaching bei Rosenheim: 

Quelle: DWD- Bodenfeuchteviewer 

Wahr ist, dass in geringer Tiefe in den letzten Tagen die nutzbare Feldkapazität etwas zurück ging, es war sehr warm mit wenig Niederschlag. Nur sieht man in einer Tiefe von > ca. 50 cm mehr als 80%, ab 1,20 m Tiefe gar eine Übersättigung mit Wasser.  

Erhebt sich die Frage, wie der Widerspruch der beiden Bodenfeuchtekarten zustande kommt. Auf der einen Seite eine „50-Jahresdürre im Gesamtboden“ (vor allem in tieferen Schichten, wie im „Focus-Artikel erwähnt, “unsichtbar”), auf der anderen eine Übersättigung (120%) ab 1,20m Tiefe.  

Wir hatten leider schon öfters die Gelegenheit, uns kritisch mit dem „Dürremonitor“ befassen zu müssen, zuletzt hier
Dabei konnte man im Sommer 2025 doch vermeintlich aufatmen: Die Verantwortlichen hatten ihre Methodik umgestellt und das schien die Probleme mit dem „Trocken Bias“ des Modells vorher dafür gelöst zu haben. Da haben wir uns wohl zu früh gefreut, die Modelldiskrepanz ist wieder offenkundig.
Darauf fallen Medienleute natürlich herein und texten wilde Stücke über „verborgene Trockenheit“.  

„Man kann solche Angaben auch mit einer zweiten Quelle unabhängig verifizieren!“ möchte man denen zurufen.  

Der „Focus“-Artikel begibt sich weiter auf „Dürresuche“ und kommt zum Grundwasser. Das sei “gestresst”. 

Es würden gleich zwei Faktoren so wirken, eine Karte da soll das zeigen: 

Quelle: “Focus” 

Da ist der Landkreis Oder-Spree, südöstlich vom Berlin „dunkelrot“ eingefärbt (“Alarm!”) für „beide Stressoren“.  

Dort liegt auch Briesen (östlich von Fürstenwalde), da ist eine Messstation, deren Daten sind vom Landesumweltamt Brandenburg in einer Karte abzurufen. Dieser Mühe kann man sich unterziehen und bekommt dieses Ergebnis: 

Quelle 

Oben der Verlauf ab April 2025, unten der von 2015 an.  

Man sieht da aktuell: nichts. 

Seit über 10 Jahren ein praktisch stabiler Grundwasserstand mit normalen Schwankungen.  

„Was bitte heißt „akuter und struktureller Grundwasserstress“ und wie macht der sich bemerkbar?“ Das wäre eine logische Frage an die Autorin des „Focus-Artikels“, der viel Lärm um Wassermangel macht. 

Das bemerkenswerte daran ist, dass reale Daten verraten: Es ist „Viel Lärm um nichts“. Weder wird ein „Regimewechsel“ wirklich begründet noch sieht man etwas von wirklicher Dürre in Deutschland.  

Die ach so plausibel klingenden Sätze von Jaqueline Arendt wie: 

„Doch die Hitzeglocke bringt nicht nur die Menschen ins Schwitzen, sondern auch die Natur unter Druck. Böden trocknen aus, verlieren schnell Feuchtigkeit und entziehen Pflanzen und Ökosystemen zunehmend Wasser.“ 

sind samt und sonders Prosa, nicht evidenzbasiert. Die „Hitzeglocke“ dauerte ca. 1 Woche in Deutschland und wie steht es auch im Artikel: 

 „Einzelne Niederschlagsereignisse oder auch eine feuchte Witterungsphase über zwei oder drei Wochen, die können den Boden auf den ersten halben Meter relativ nass machen” 

Das trifft natürlich auch auf das Gegenteil zu. Auch 1 Woche mit sehr hohen Temperaturen macht keine „unsichtbare Dürre“. Wie geschrieben an alle Journalisten: 

Man kann Quellen auch verifizieren!  Oder nimmt man gerne alles an auch Fehlinformation, was die eigene Gedankenwelt bestätigt?  

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