Ein Mensch und seine Energiewende: mehr Poesie

Ein Mensch, der glaubt an Wind und Licht, vertraut der Zukunft voller Pflicht.
Er denkt: Was gratis sich uns schenkt,
man klug in neue Bahnen lenkt.

Er baut darauf mit großem Fleiß,
als wär’s ein Coup, der Naseweis,
stellt Räder auf in Feld und Flur,
verfolgt beharrlich seine Spur.

Und weht der Wind, dann läuft es rund,
der Mensch fühlt sich auf festem Grund.
Er lächelt still und glaubt daran:
„Dass dies auf Dauer tragen kann.“

Doch bleibt der Wind dann plötzlich fort, ist’s unerquicklich hier und dort.
Die Sonne ruht, der Himmel grau —
da wird es eng im Stromaufbau.

Dann greift man schnell, kaum ausgesprochen, zu dem, was man zuvor gebrochen:
Zu Kohle, Gas — man kennt es ja,
sie sind verlässlich, immer da.

Der Mensch, nun leicht verwirrt im Sinn, fragt sich: „Wo ist der Fortschritt hin?“ Man hatte ihm doch fest versprochen, das Alte werde längst gebrochen.

Stattdessen wächst mit jedem Jahr
der Aufwand still und sonderbar.
Mehr Netze hier, mehr Speicher dort —
zeigt sich der Wirtschaft Eigenmord.

Die Rechnung kommt — man staunt nicht schlecht, sie wächst beständig, aber echt.
Denn was der Wind auch gratis schickt,
wird teuer durchs System verstrickt.

So lernt der Mensch, bei Licht bedacht:
Nicht alles wird, wie man es macht.
Und Hoffnung, die zu hoch sich schwingt, nicht stets das gute Ende bringt.

Und die Moral von der Geschicht:
Schlicht ohne Grundlast geht es nicht.
Wer nur auf Wunsch und Hoffnung setzt,
hat sich am Ende selbst verletzt.

(Michael L. , frei nach Eugen Roth)

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