Ausbau der Atomkraft hätte Europa vor Energiesorgen bewahrt

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Abkehr Europas von der Atomkraft kürzlich als „strategischen Fehler“ bezeichnet. Dieser Schluss ist gemäss dem amerikanischen Umweltwissenschaftler Roger Pielke Jr. absolut richtig. In einem Blogbeitrag hat er vorgerechnet, dass Europa einige Energiesorgen weniger hätte, wenn der Kontinent die Kernenergie in den letzten Jahrzehnten aus- statt abgebaut hätte. Alex Reichmuth hat für den Nebelspalter nachgezeichnet, wie Pielke argumentiert: https://www.nebelspalter.ch/themen/2026/04/ausbau-der-atomkraft-haette-europa-vor-energiesorgen-bewahrt

Energieversorgung
Ausbau der Atomkraft hätte Europa vor Energiesorgen bewahrt

Die Fakten: Ursula von der Leyen hat es vor Kurzem als «strategischen Fehler» bezeichnet, dass Europa sich von der Atomkraft abgewendet hat. Die EU-Kommissionspräsidentin hat recht: Hätte der Kontinent in den letzten Jahrzehnten in die Kernenergie investiert, statt sie zurückzufahren, wäre Europa heute unabhängig von Gas aus Russland und Katar und würde beim CO₂-Ausstoss deutlich besser abschneiden.

Warum das wichtig ist: 1990 trug die Atomkraft noch rund ein Drittel zur Stromversorgung der EU bei. Heute sind es nur noch 15 Prozent. Wäre diese Entwicklung umgekehrt verlaufen, hätte Europa heute einige Energiesorgen weniger. 

Das Zitat: «Es war ein strategischer Fehler für Europa, sich von einer verlässlichen, erschwinglichen Quelle emissionsarmer Energie abzuwenden.» (Ursula von der Leyen zur Atomkraft in der EU, Nuclear Energy Summit in Paris, März 2026)

Den ganzen Beitrag kann man im Nebelspalter nachlesen: https://www.nebelspalter.ch/themen/2026/04/ausbau-der-atomkraft-haette-europa-vor-energiesorgen-bewahrt

Den Newsletter „Klima und Energie“ von Alex Reichmuth kann man hier abonnieren: https://www.nebelspalter.ch/newsletter/klima-energie

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Leserpost von Dipl.-Ing. Peter Kapteinat:

Guter Journalismus und gute Poltik beginnt mit einer ungetrübten Wahrnehmung der Realität

Leider stelle ich häufig fest, dass das Wissen darüber, wie ein kluger, möglichst klimaneutraler Energiemix aussieht, im Journalismus weitgehend mangelhaft ist. Das führt auch dazu, dass Frau Martus zwar korrekt berichtet, dass China massiv in erneuerbare Energien investiert, dass China jedoch im Vergleich mit anderen Industrienationen ebenfalls die Atomenergie massiv ausbaut wird dagegen ignoriert.

Mit der volatilen Energie aus Sonne und Wind allein wird Deutschland als Industriestandort nicht bestehen können. Eine großtechnische Nutzung von Batterien und grünem Wasserstoff ist auf absehbare Zeit technisch und ökonomisch kaum realisierbar. Für die Versorgungssicherheit bei Dunkelflauten, die nicht stundenweise, sondern tageweise auftreten, sind grundlastfähige und regelbare Stromerzeuger daher unverzichtbar. Eine installierte Leistung (in MW) bei erneuerbaren Energien sagt nichts über die verfügbare Energie (in MWh) aus. Energieintensive Unternehmen wissen zudem, dass eine stabile Netzfrequenz von 50 Hz unverzichtbar ist. Die dramatisch gestiegene Anzahl der Eingriffe zur Netzstabilisierung ist ein deutliches Warnzeichen. Und auch minimale Stromunterbrechungen führen in stromabhängigen Unternehmen zu massiven Schäden. Deswegen überlegen oder entscheiden solche Unternehmen, ihre Produktionsstandorte ins Ausland zu verlagern.

Noch kann Deutschland davon profitieren, dass wir als Teil des europäischen Verbundnetzes von unseren Nachbarn bei der Versorgungssicherheit gestützt werden, solange wir als Stromimportland dafür bezahlen können. Aus Schweden (mit Wasserkraft und Atomkraft) war aber auch schon zu hören, dass man nicht bereit ist, wegen der fragwürdigen deutschen Energiewende der eigenen Volkswirtschaft zu schaden. Mal sehen, wann die Vernunft gegenüber der Ideologie bei uns wieder den Vorrang hat.

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Nachtrag zum Blogpost „Antarktisches Meereis erholt sich 2026 und nähert sich nach vier Jahren dem Durchschnitt

Das Bild passt zum heutigen Artikel über das Antarktis Eis. Es zeigt die Eisausdehnung des Meereises (Sea Ice Extent) im März ab 1990. Der gestrichelte lineare Langzeittrend ist nicht signifikant fallend (p=0,08). Datenquelle: NSIDC, wie im Text erwähnt. 

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