Fukushima, der 15. Jahrestag

Leserbrief von Hans Ambos, Bensheim

Am 11. März heißt es in manchen Medien immer noch „Wir gedenken der Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima“. Durch den Reaktorunfall von Fukushima Daiichi gab es durch die 4 Wasserstoffexplosionen keine Toten oder Strahlenopfer, auch wenn die Bilder der zerstörten Reaktoren das Schlimmste befürchten ließen. Es gab eine vermisste Person, ein Mensch wurde im Materiallager erschlagen und einen tödlichen Herzinfarkt bei den Aufräumungsarbeiten. Durch die unüberlegte, überstürzte und teils chaotische Evakuierung einer Zone von 20 km im Umkreis des KKW Fukushima starben 2.300 Menschen indirekt. Ursachen: Stress, Erschöpfung, Unterbrechung der medizinischen Versorgung (vor allem bei Senioren in Krankenhäusern und Heimen) sowie Suizide aufgrund des Verlusts der Heimat. Diese Evakuierung war absolut unnötig. Es gibt auf der Erde zahlreiche Orte wie z.B. Kerala in Indien, Guarapari in Brasilien oder Menzenschwand im Schwarzwald, an denen der Strahlenpegel (die Ortsdosisleistung) höher ist als er in der Zone um das KKW Fukushima war. (Quellen: UNSCEAR, IAEA, WANO, GRS, BfS)

Aber die Naturkatastrophe, das Tōhoku-Erdbeben (Magnitude 9,1) und der Tsunami (Höhe bis zu 40 Meter) von unvorstellbarer Zerstörungskraft forderte 18.500 Todesopfer. 1,2 Millionen Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. 470.000 Menschen mussten in Notunterkünften oder bei Verwandten untergebracht werden.

Japan hat seine Kernreaktoren, nach Überprüfung und Modernisierung, wieder in Betrieb genommen und baut sogar neue Reaktoren. Die Milliardenkosten der Entsorgung von Fukushima werden durch einen kleinen (wenige Cent) aber ständigen Betrag auf jeder Stromrechnung über viele Jahre gedeckt. In japanischen Medien wurde übrigens nie etwas anderes als der oben geschilderte Sachverhalt berichtet.

Bundeskanzlerin Merkel hat am 14. März 2011 das Ende der Kernenergie durch eine Bundesanweisung eingeleitet. Die sofortige Stilllegung vom 8 Kernkraftwerken war rechtswidrig und zudem ein Eingriff in das Eigentumsrecht (Art. 14 Grundgesetz) darstellte. Die Energiekonzerne zogen vor Gericht. Frau Merkel (Verzeihung, der deutsche Steuerzahler) musste 2,43 Milliarden Euro an Entschädigungen an die Konzerne zahlen. Frau Merkel berief zur begleitenden Absicherung ihres „Atommoratoriums“ eine „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“, in der neben Philosophen, Soziologen und Politologen ein katholischer und ein evangelischer Bischof saßen, aber kein Fachmann. Die Silllegung der restlichen Kernkraftwerke erfolgte danach planmäßig, nach Änderung des Atomgesetzes bis 2023. Der verheerende Tsunami in Fukushima hat letztendlich in Deutschland mehr Kernkraftwerke zerstört als in Japan.

In Bezug auf die Energieversorgung in Deutschland müssen wir uns ehrlich machen. Unsere Energiewende zur Klimarettung ist katastrophal gescheitert: Es gibt keine CO2-freien Kernkraftwerke mehr (weltweit einzigartig), bald keine Kohle mehr, kein deutsches Fracking Gas. Nur wenige durch Brüssel erlaubte Gaskraftwerke mit Flüssiggas aus USA. Wir sind auch noch abhängig von norwegischen Wasserkraftwerken.

Ständig laufen 2 bis 4 französische Kernkraftwerksblöcke (von 56) nur für Deutschland und bei Dunkelflaute noch mehr. Der, angeblich grüne, Wasserstoff aus Abu Dhabi, der als Ammoniak transportiert werden muss, wird nicht mit Solar oder Wind erzeugt, sondern mit Atomstrom aus dem KKW Barakah. Er ist zudem durch die Wirkungsgradverluste absolut unbezahlbar.

Die Kernenergie in Deutschland ist technisch und politisch für sehr lange Zeit ausgeschlossen. Laut aktueller repräsentativer Umfragen (z. B. von Verivox und Innofact) befürworten allerdings 55 % der Deutschen einen Wiedereinstieg in die Kernkraft. 36 % lehnen dies ab und 9 % sind unentschieden. Kurz nach Fukushima war es umgekehrt.

Weltweit steigen die Zahlen zur Kernkraft kontinuierlich an, da viele Schwellenländer Kernkraft als einzigen Weg zur schnellen Dekarbonisierung sehen: In Betrieb sind 440 Reaktoren, im Bau: 65 Reaktoren, in fester Planung: 110 Reaktoren, vorgeschlagen sind über 300 Reaktoren.

Statt der KKWs sollen in Biblis und Gundremmingen Fusionskraftwerke gebaut werden. Fachleute haben Bauchweh vor Lachen. Kernfusion ist nur ein schöner Traum. Das ist Opium fürs Volk. Wie ist der Stand: Das Plasma kann man ca. 20 Min. halten, danach brennt der Torus durch (Materialprobleme ohne Ende). Ziel: 80 Jahre! Wir haben also schon mit 500 Mrd. Forschungsgelder einen Maulwurfshügel erklommen, müssen aber noch auf den Everest. Es gilt tatsächlich das „Gesetz der konstanten 30 Jahre“ (das ist eigentlich kein Scherz mehr). Es besagt, dass die wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion immer genau 30 Jahre in der Zukunft liegt – und zwar völlig unabhängig davon, in welchem Jahr man die Experten fragt. Wenn es je gelingen soll, was sehr zu wünschen wäre, wird Fusionsenergie unfassbar teuer und der Reaktor wird stark radioaktiv. Nach der Inbetriebnahme kann man den Torus kaum je wieder betreten.

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