Isaac Newton, Jules Verne, Albert Einstein und die „Energiewende“ 

Von Frank Bosse

Was haben diese Persönlichkeiten und die „Energiewende“ gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Ein bekannter Erzähler auch von Sci-Fi seiner Zeit zum Ende des 19. Jahrhunderts und zwei Physiker: Wie passt das zur in Deutschland bisher praktizierten Form der „Energiewende“ mit nur einem „Antrieb“: Photovoltaik (PV) und Windkraft?  

Fangen wir beim Anfang an: Im Jahre 1687 veröffentlichte Isaac Newton die von ihm gefundenen Gesetze der Gravitation. Er beschrieb mathematisch, wie Körper sich gegenseitig anziehen und definierte eine Kraft zwischen ihnen, die von der Masse der beteiligten Körper und ihrem Abstand zueinander abhängig war. Diese Auslegung wird bis heute auch in der modernen Raumfahrt verwendet und schon zu Newtons Lebzeiten hätte man alles ausrechnen können, was zum Flug zum Mond notwendig war.  

Jules Verne nahm in seinem Roman „Von der Erde zum Mond“ aus dem Jahre 1865 auch darauf Bezug und dachte sich einen Antrieb aus: Eine große Kanone, die Raumfahrer zum Mond buchstäblich schoss. Sie hatte einen Lauf von 270m Länge, das Projektil wog 10 t. Der Autor wäre gewiss in der Lage gewesen zu errechnen, dass die Passagiere eine solche Beschleunigung durch die Explosion von Schießbaumwolle nicht überleben würden. Er wäre gewiss auch in der Lage gewesen, zu berechnen, wie lang die Beschleunigungsphase hätte sein müssen, damit es (minimale) Überlebenschancen für eine Crew gab: das Rohr der Kanone hätte 300 km lang sein müssen und der Sprengstoff viel mehr Energie entfalten, um das Unternehmen wenigstens rechnerisch möglich zu machen. Es ging ihm jedoch nicht unbedingt um Realität im Roman: Er wollte damals schlicht den „Amerikanischen Wahn“ zu immer größeren Kanonen ein wenig auf die Schippe nehmen: Die Roman-Kanone wurde in den USA entwickelt.   

Womit wir bei der praktizierten Energiewende wären. Sie hat ja ein Ziel, man kann es u. a. hier nachlesen: Bis 2040 sollen 88% der CO2-Emissionen gegenüber 1990 eingespart werden, bis 2045 oder 2050 sollen sie null betragen. Das bedeutet in Zahlen für den Emissionsfaktor: bis 2040 dürfen es noch 168 g CO2/kWh sein, 1990 waren es 764 CO2/kWh. 

Wie ist der Kurs heute? Mit monatlichen Zahlen von „Agora Energiewende“ ergeben sich folgende lineare Trends bis zum Februar 2026: 

Was sofort auffällt: Der Abnahmetrend wird immer geringer. Waren es 2012-2026 noch ca. -1,4 g CO2/kWh/ Monat als hoch signifikanter Trend, so sind es für 2019-2026 nur noch um 0,6 g CO2/kWh/Monat, der Trend ist signifikant geringer fallend als zu Beginn der Datenerfassung und auch nicht mehr signifikant negativ (p= 0,1):  

Was ist geschehen? Ein einzelnes Event erkennt man nach 2012 nicht, es ist ein stetig geringer werdender Trend, ein “Siechtum” der Abnahme.  

Stellen Sie sich bitte die Erde (diesmal oben) vor und einen „Schuss“ einer Kanone mit der Hoffnung, das Schwerefeld der Erde zu verlassen, etwa wie das Setting aus dem Roman von Jules Verne. Mit der damaligen „Artillerietechnologie“ wäre das Projektil ebenso in Richtung Erde zurückgefallen, wie es der Rückgang des Emissionsfaktors unter den Bedingungen der „Energiewende“ tut. Unterstellen wir optimistisch, dass der lineare Trend sich nach 2019 bis in die Zukunft nicht noch weiter verringert: Mit der Geschwindigkeit der Reduktion der letzten 7 Jahre (0,6 g CO2/kWh/Monat) bräuchten wir für das Ziel in 2040 noch 22 Jahre, es sind jedoch nur noch 15 bis 2040. So wird das nichts! Und warum?  
Aus dem gleichen Grund, warum der Mondflug bei Jules Verne niemals hätte funktionieren können: Ungeeignete Technologie.   

In der Realität flogen Astronauten erst rund 100 Jahre nach dem Roman zum Mond. Nicht mit einer Kanone als Antrieb, den lang andauernden Schub lieferte eine Rakete namens „Saturn“.  

Zu Zeiten des Romans war eine andere Methode als Artillerie jedoch nicht denkbar, die damaligen Raketen waren eher Unterhaltung zu Silvester.  

Womit wir bei den Unterschieden beider Phänomene wären: Da war es die Schwerkraft, die mit einer Kanone nicht überwindbar ist. Bei der „Energiewende“ sind die Hemmnisse andere:  
Die Wetterabhängigkeit von Sonne und Wind. Das ermöglicht zwar zu Beginn erste „low hanging fruits“, die leicht pflückbar waren. Nun wissen wir, dass das nicht so weiter gehen kann mit der nicht zu vermeidenden Kohlenstoff- Verbrennung für eine sichere Energieversorgung im Hintergrund.  
Die erhofften Speicherkapazitäten für Wind und PV gehören wohl ebenso in das Reich der Fantasie wie der Kanonenschuss zum Mond von Jules Verne.   

Noch ein Unterschied: Es ist heute bereits eine Technologie bekannt, die ebenso CO2-arm wie Sonne und Wind ist, jedoch NICHT wetterabhängig: Die Kernkraft. Sie ist erprobt und anderswo hat man damit immerhin den „stabilen Orbit“ erreicht.  

Man darf gespannt sein, ob man hierzulande die „Bauchlandung“ im Trenddiagramm wirklich abwarten will (Trend um null) oder ob man sich auf die Erfahrungen des Mondflugs besinnt: eine andere Technologie muss zumindest hinzutreten.  

Bleibt noch eine Frage: was hat Albert Einstein aus der Überschrift mit all dem zu tun? Mehr als man denkt! Er entwickelte zum einen die Lehre von der Gravitation weiter und ließ die Newtonsche „Kraft“ überflüssig werden, indem er fand: eine Masse krümmt die Raumzeit und das ist es was wir als Gravitation erleben. Und die Energiewende? Für die trifft eines seiner bekanntesten (jedoch nie eindeutig belegt als von ihm) Aussprüche zu:  

„Wahnsinn ist es, immer das gleiche zu tun und einen anderen Ausgang zu erwarten“       

Teilen: