Von Frank Bosse
Der Monat Oktober 2026 ist vorüber und mit den Daten von „Agora Energiewende“ lässt sich ein Langzeitfazit ziehen. Das Ziel der „Energiewende“ ist die Senkung der CO2-Emissionen. So ist denn ein untrüglicher Scharfrichter die Frage: „Wieviel CO2 wird produziert bei der Generierung von einer Kilowattstunde elektrischer Arbeit?“. Diese Größe nennt man CO2- Emissionsfaktor. Wie entwickelte er sich über die Zeit, wenn man das monatliche Mittel jeweils für Januar bis Oktober betrachtet? Die Antwort:

Man erkennt zunächst einen klaren Abwärtstrend bis ca. 2019: Jedes Jahr waren es im Mittel rund 20 g CO2 weniger als im Folgejahr. Wäre es so weitergegangen, so hätte man es im Jahre 2036 geschafft, auf dem Niveau von Frankreich zu sein, das zu diesem Zeitpunkt im Jahre 2019 die Energieproduktion mit 56 g CO2/kWh bewerkstelligte.
Das „deutsche Tempo“ änderte sich allerdings dramatisch. Inzwischen sehen wir zwischen 2019 und 2026 keinen signifikanten Trend mehr, wenn man für „signifikant“ ein Konfidenzniveau von 95 % voraussetzt, wie es in der Statistik üblich ist.

Das Tempo (die Trendsteigung) verringerte sich heftig und die Streuung wurde größer. Dazu mag ein gewisser „Einspareffekt“ im Jahre 2020 (Covid-19 Pandemie) und das Ausfallen von billigem russischem Erdgas im Jahre 2022 beigetragen haben. Nur tat sich auch danach kaum mehr etwas an CO2-Reduktion. Es scheint so, dass da ein „Boden“ erreicht ist mit der verwendeten Technologie von „nur Erneuerbarer Energie“ (EE), als strebe der deutsche Emissionsfaktor einem Grenzwert zu, der kaum zu unterbieten ist auch mit noch so viel Mühe. Und die hat man sich gegeben! Allein In 2024 flossen 33 Mrd. Euro in EE. Nur leider sieht man die Erfolge kaum.
Woran liegt das?
Schauen wir stellvertretend den Monat Oktober 2026 genauer (auf Tage aufgelöst) an.
Der Anteil EE am Gesamtverbrauch verhält sich so:

Mit Solar wird es bei kürzeren Tagen und niedrigerem Sonnenstand naturgemäß dünn: Maximal wurden 25% des Verbrauchs erreicht am 4.10.26, am Monatsende noch maximal 14%. Windkraft konnte viel mehr punkten: am 24.10. waren es 80% des Verbrauchs, der von ihr gedeckt wurde. Nur ist auch der Wind ein kaum berechenbares „himmlisches Kind“. Am 30.10 waren es nur 8 % des Verbrauchs, was Windkraft leisten konnte, am 4.10 26 gar nur 5%. Blicken wir auf die Gesamtleistung EE (Sonne + Wind) und den täglichen Emissionsfaktor, so ist da zwischen 18% und 90 % alles dabei:

Wie nicht anders zu erwarten wird die Streuung des Emissionsfaktors nahezu (zu 97%, das R² im Bild) ausnahmslos von der Streuung des Anteils an EE am Gesamtverbrauch beeinflusst.
Es war viel die Rede von Kernkraftwerken in Frankreich, von denen einige im Sommer zurück geregelt werden mussten durch niedrige Wasserstände in Flüssen. Das hatte auf das Ergebnis (CO2-Emissionsfaktor) jedoch nur minimale Auswirkungen. In den Sommermonaten Juni, Juli und August erreichte Frankreich ein Mittel von 32 g CO2/kWh (Daten), Deutschland brachte es 267 g CO2/kWh. Für Januar-Oktober 2026 schlagen in Frankreich ebenfalls 32 g CO2/kWh zu Buche, für Deutschland sind es 311 g CO2/kWh, rund Faktor 10.
Jeder Staat ist frei in seiner Entscheidung, welchen Weg er geht bei der Senkung von Emissionen im wichtigsten Gebiet überhaupt, der Energieumwandlung in elektrische Arbeit. Davon wird auch die Mobilität (E-Autos) und der Gebäudesektor (Wärmepumpen) entscheidend geprägt.
Frankreich ließ sich nicht von der Kernkraft abbringen, in Deutschland hat man sie per Gesetz verboten. Nur dass man Emissionen überall stark senken muss für Klimaschutz, darüber besteht Einigkeit. Das steht inzwischen sogar im deutschen Grundgesetz. Dann müssen auch Vergleiche zulässig sein.
Damit sei auf die Regression der letzten Abbildung zurückgekommen. Anhand der Geradengleichung kann man errechnen, wie hoch der EE- Anteil sein müsste beim „deutschen Weg“, um den französischen Oktober-Wert 2026 (38 g CO2/kWh) des Emissionsfaktors zu erreichen.
Es sind 103%.
Das bedeutet: Es dürfen NUR EE benutzt werden, um an die französischen Reduktionserfolge auch nur heranzureichen. Das gibt die Physik jedoch nicht her. Das Wort „Dunkelflaute“ hat es ins internationale Schrifttum zum Thema geschafft, das kann man nur von sehr wenigen deutschsprachigen Begriffen sagen. Das hat einen Grund: Die deutsche Energiewende mit „nur EE“ ist wohl singulär wetteranhängig für Länder des industrialisierten Nordens. Und dort gibt es halt auch längere Phasen der Abwesenheit von Sonne und Wind. Dann MUSS in Deutschland Kohlenstoffverbrennung einspringen und das DARF sie nicht, wenn man die CO2-Reduktionswerte anstrebt, die machbar sind wie Frankreich zeigt.
Das ist alles relativ simple Statistik, ziemlich folgenlos im richtigen Leben.
Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2021 steht jedoch:
„Artikel. 20a Grundgesetz verpflichtet den Staat zum Klimaschutz. Dies zielt auch auf die Herstellung von Klimaneutralität.“
Nun konnte hier gezeigt werden, dass weitgehende Klimaneutralität im Energiesektor, wie von Frankreich praktisch vorgeführt, mit dem „deutschen Weg“ Stand Oktober 2026 nicht realisierbar ist.
Verstößt der gegen das Grundgesetz?