Gestiegene Kosten: EnBW stellt Ausbauziele für Windkraft infrage

Thema heute: Windkraft

Spiegel:

Gestiegene Kosten: EnBW stellt Ausbauziele für Windkraft infrage

Der Energieriese EnBW mischt im Geschäft mit Windkraft gut mit. Doch nun fordert der Konzernchef, die bisherigen Ausbauziele zurückzuschrauben. Für Wirtschaftsministerin Reiche findet er lobende Worte.

Der Energiekonzern EnBW fordert die Bundesregierung auf, ihre Ausbauziele für die Windkraft in Nord- und Ostsee zu überdenken. Vorstandschef Georg Stamatelopoulos sagte der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«: »Wir müssen die Bezahlbarkeit im Auge behalten. Ein niedrigeres Ausbauziel wäre eine sinnvolle Korrektur nach 20 Jahren, kein Bremsen.«

Weiterlesen

+++

Blackout News:

Windrad-Havarie bei Aalen: Rotorblatt stürzt aus 100 Metern ab

Bei Aalen-Waldhausen im Ostalbkreis hat sich am Sonntag, 5. Juli 2026 ein Rotorblatt einer Windenergieanlage gelöst. Waldhausen liegt östlich der Kernstadt Aalen auf dem Härtsfeld in Baden-Württemberg; der betroffene Windpark befindet sich zwischen Waldhausen und Hülen. Das Blatt stürzte aus rund 100 Metern Nabenhöhe neben den Turm, jedoch wurde nach aktuellem Stand niemand verletzt. Betreiber Statkraft sperrte deshalb die Zufahrten, nahm alle eigenen Anlagen außer Betrieb und ließ Gutachter die Ursache der Havarie prüfen.

Weiterlesen

+++

Pressemitteilung:

Offshore-Windparks verändern Strömungsmuster in der Nordsee

Dr. Torsten Fischer Kommunikation und Medien
Helmholtz-Zentrum Hereon

Hereon-Forschende simulieren erstmals langfristige Folgen von Wind- und Gezeitenwakes durch Windkraftanlagen in der Deutschen Bucht

Bis zum Jahr 2050 soll die Leistung von Offshore-Windkraft in der Nordsee mehr als verzehnfacht werden. Forschende des Helmholtz-Zentrums Hereon haben erstmals die langfristige Gesamtwirkung dieser Vielzahl von Windparks auf die Hydrodynamik der Nordsee analysiert. Das Ergebnis: Das Strömungsmuster könnte sich großräumig verändern. Die Studie zeigt Ansätze auf, um mögliche Risiken für die Umwelt früh zu minimieren. Die Arbeit wurde kürzlich im Nature-Fachjournal Communications Earth & Environment vorgestellt.

Offshore-Windkraftanlagen verändern Luft- und Meeresströmungen. Die Rotoren entziehen Windenergie und beeinflussen die Oberflächenströmungen, während die Turbinenpfeiler unter Wasser Hindernisse darstellen und die Gezeitenströmungen bremsen. Diese Nachlaufstrukturen, sogenannte Wake-Effekte, interagieren miteinander und bestimmen die komplexen, physikalischen Auswirkungen von Offshore-Windparks. Eine Forschungsgruppe um den Geophysiker Dr. Nils Christiansen vom Hereon-Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung hat jetzt erstmals die Auswirkungen beider Effekte zusammen analysiert und ihr Ausmaß für das Ausbauszenario bis 2050 berechnet.

Ein neues Strömungsbild

Die Studie zeigt, dass das Zusammenspiel der Wake-Effekte zu Abnahmen der Spitzengeschwindigkeiten und Veränderungen von Strömungsfrequenzen in der Deutschen Bucht führt. „Unsere Simulationen zeichnen ein neues, fein strukturiertes Strömungsbild, das sich nicht nur innerhalb der Windparks zeigt, sondern sich in der Nordsee ausbreiten kann – mit bis zu 20 Prozent verlangsamten Oberflächengeschwindigkeiten bei einem Ausbauszenario für 2050“, sagt Christiansen. Dadurch kann es zu großräumigen Veränderungen im Sedimenttransport oder der Durchmischung des Meerwassers kommen. Diese Faktoren prägen auch das Meeresökosystem. Darüber hinaus haben die Veränderungen des Strömungsbildes auch Konsequenzen für die Genauigkeit der Strömungsvorhersage, die zum Beispiel für den Schiffsverkehr aber auch für Katastrophenmanagement, Umweltschutz und Fischerei relevant ist.

Risiken frühzeitig minimieren

Neben möglichen großräumigen Langzeitveränderungen zeigen Christiansen und seine Kolleginnen und Kollegen auch erste Ansätze, wie sich die Auswirkungen auf die Meeresumwelt verringern lassen. So deuten die Modellsimulationen darauf hin, dass der Turbinenabstand, der Standort der Windparks und die lokalen Gezeitenbedingungen entscheidend dafür sind, wie stark sich Strömungen, Temperaturen und die Durchmischung des Wassers verändern. Die Ergebnisse legen offen, dass ein größerer Abstand zwischen den Windrädern die Überlagerung auftretender Turbulenzen durch die Gezeitenwakes deutlich reduzieren kann und so zu weniger Durchmischung führt – ein Schlüsselfaktor, der bereits in einer vorherigen Hereon-Studie im Zusammenhang mit größeren Turbinen und den daraus entstehenden atmosphärischen Effekten gezeigt wurde. Diese Erkenntnisse können als Grundlage für nachhaltige Planung und optimierte Windpark-Designs dienen.

„Offshore-Windkraft ist ein zentraler Baustein der Energiewende und der Dekarbonisierung“, sagt Christiansen. „Gleichzeitig müssen wir verstehen, wie unterschiedliche Arten von Offshore-Installationen und die Größe der Anlagen die Nordsee beeinflussen. Nur so können wir Gesellschaft und Wirtschaft fundiert informieren und Maßnahmen entwickeln, um die möglichen Risiken frühzeitig zu minimieren.“

Spitzenforschung für eine Welt im Wandel

Das Ziel der Wissenschaft am Helmholtz-Zentrum Hereon ist der Erhalt einer lebenswerten Welt. Dafür erzeugen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wissen und erforschen neue Technolo-gien für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit – zum Wohle von Klima, Küste und Mensch. Der Weg von der Idee zur Innovation führt über ein kontinuierliches Wechselspiel zwischen Experimentalstu-dien, Modellierungen und künstlicher Intelligenz bis hin zu Digitalen Zwillingen, die die vielfältigen Parameter von Klima und Küste oder der Biologie des Menschen im Rechner abbilden. Damit wird interdisziplinär der Bogen vom grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis komplexer Systeme hin zu Szenarien und praxisnahen Anwendungen geschlagen. Als aktives Mitglied in nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unter-stützt das Hereon mit dem Transfer der gewonnenen Expertise Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.

Paper: Christiansen et al. 2026:

Cumulative hydrodynamic impacts of offshore wind farms on North Sea currents and surface temperatures

Offshore wind farms are increasingly shaping coastal ocean dynamics, yet their cumulative physical impacts remain poorly quantified. Using decade-long, high-resolution simulations of the North Sea, we show that large-scale offshore wind development can reduce current velocities by up to 20% and reshape local tidal energy distributions. Wind and tidal wakes exert distinct but interacting influences on ocean physics: wind speed anomalies drive far-field hydrodynamic impacts, while structure-induced drag intensifies local turbulence and mixing. Turbine spacing emerges as a key control on wake interactions, governing the formation of high-turbulence hotspots. The near- and far-field wake effects affect vertical mixing and surface heat fluxes – primarily driven by large-scale wind stress reductions – leading to shallower mixed layers and long-term surface warming of up to 2°C in wind farm areas. Our findings reveal a basin-scale physical footprint of offshore wind energy and highlight the need to account for hydrodynamic impacts in future offshore wind farm planning.

Teilen: