Von Frank Bosse
Der Juni 2026 war ein recht warmer Monat und sehr viel geregnet hat es auch nicht. Nach den vorläufigen Angaben des DWD ergibt sich dieser Kontext der letzten 100 Jahre:

Die Daten des DWD für Temperatur und Niederschlag seit 1926.
Unschwer erkennt man, dass der Juni 2026 (19,5°C) den zweiten Platz einnimmt nach 2019 (19,8°C) knapp vor 2003 (19,4°C). Man erkennt auch unschwer im 30-jährigem Tiefpass (fett), dass es seit Mitte der 80er Jahre deutlich wärmer wurde, um reichlich 2°C. Nicht jedes Jahr erringt dabei Plätze auf dem Podium, es ist der Langzeittrend, der den Anstieg verdeutlicht.
Beim Niederschlag ist das anders. Zwar geht auch hier der Tiefpass in den 90ern zurück um ca. 10mm, nur war er da auch schon zu Beginn der Erhebungen um 1900, im Bild nicht gezeigt. Was wir sehen, ist sehr hohe Variabilität von Jahr zu Jahr. Der aktuelle Juni (66 mm) brachte es zwar nicht auf einen Mittelwert 1991-2020, es waren jedoch in den letzten 100 Jahren in 35 Junis trockener, davon auch 18 vor 1980. Von „dramatischer Trockenheit“ war der Monat also weit entfernt. Wir sehen einen Klimatrend bei den Temperaturen, beim Niederschlag sehen wir keinen.
Wie kam der Juni 2026 zu seinem hohen Temperatur-Mittel? „Schuld daran“ trugen die Tage nach dem 17.6.2026. Eine Wetterlage benannt nach dem griechischen Buchstaben „Omega“ stellte sich ein. Sehr gut erklärt wird das in einem Video von „Kachelmannwetter“.
Ein Bild daraus macht den Zusammenhang schnell deutlich:

Ein Hochdruckgebiet etabliert sich recht stabil so, dass Luft aus dem Süden nach Mitteleuropa verfrachtet und gegen Tiefdruckgebiete vom Atlantik her „abgeschirmt“ wird. Es wird dann auch länger heiß bei uns. Und es wurde in der 3. Monatsdekade sehr heiß! Im Südwesten Deutschlands zunächst, später auch im Osten mit der langsamen Verlagerung des Hochdruckgebietes. In Berlin sah das für die Kombination aus Maximaltemperaturen und Taupunkt so aus im Vergleich zu einigen Vorjahren:

Die Addition von Maximaltemperaturen und Taupunkt. Die „Schwelle“ für Hitze liegt bei 44°C. Das Vorgehen wurde hier vor Jahresfrist erläutert.
Dort finden sich auch Hinweise zum zweckdienlichen Verhalten bei hoher Hitzebelastung, die auch physiologisch begründet sind. Kurz: Machen Sie Fenster IMMER auf und sorgen Sie (auch mit Ventilatoren) für viel Luftbewegung. Die transportiert die Luft weg von der Hautoberfläche und die menschliche Kühlung via Verdunstung (vulgo Schwitzen) funktioniert ungleich besser, als wenn die Luft über der Haut Feuchte-gesättigt werden kann. Dann geht da nicht mehr viel, es musste aber bei Temperaturen von 39°C in Berlin am 27. Und 28.6. sehr viel gehen. „Zugluft“ bei großer Hitze ist nicht schädlich, sondern kann im Gegenteil lebensrettend wirken! Geschlossene Fenster tragen dazu bei, die Raumfeuchte durch das Schwitzen der Menschen zu erhöhen, das muss unbedingt verhindert werden.
Zurück zu den Daten. Insgesamt steht der aktuelle Juni am Ende sehr genau da, wo auch der Juni 2019 in Punkto „physiologischer Hitze“ stand, nur erreicht es das Niveau ungleich schneller als vor 7 Jahren, der Anstieg erfolgte viel steiler. Die wenigen Tage seit dem 18.6. erreichten eine höhere Belastung als es damals der Fall war. Es wurden auch Rekorde vermeldet. Der DWD führt hier Stationsrekorde auf. Einer davon ist der von Frankfurt /M -Westend mit 41,2°C am 27.6.
Dafür gibt es Vergleiche seit Beginn der Erhebungen da.

Man erkennt eine klar steigende Kurve, gezeigt sind die jeweils wärmsten Tage der Jahre. Die Abbildung wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.
Woran liegt das?
In einem Radiointerview vom 26.6.2026 hören wir von Anders Levermann vom PIK Potsdam dazu eine (wilde) Vermutung: In Min. 2:00 bis 2:33 erklärt er „Die Wetterlagen werden im Sommer langsamer, dadurch dass sich der Nordpol viel stärker erwärmt als der Rest.“
Er wärmt damit eine ältere These auf, dass der Jetstream langsamer und „welliger“ wird durch die arktische Verstärkung der Erwärmung. Es ist wirklich eine alte These, nur wurde die (zuletzt im Jahre 2025) sehr stark erschüttert, wir berichteten. Das „Schweizer Messer Jetstream“, um jede ungewöhnliche Wetterlage auf den Klimawandel zu schieben, ist nicht mehr scharf! Es einem staunenden Radio- Laien- Publikum so zu verkaufen ist wirklich sehr problematisch. Nein, die sommerlichen Omega-Lagen, die sehr häufig diese Hitzewellen produzieren, werden NICHT häufiger. Das erwähnt auch Axel Bojanowski in seinem Bericht zum Thema und zitiert dafür auch eine Quelle die findet:
„The atmospheric circulation responsible for the event is not unprecedented. Similar synoptic patterns have occurred many times in the past…”
Woran liegt die Zunahme der Maximal- Temperatur- Amplituden im Bild oben dann?
Die Antwort findet man, wenn man die Trends der Maximaltemperaturen in dem Gebiet betrachtet, aus denen die Luftmassen zu uns verfrachtet werden bei Omega-Lagen:

Die Trends der Maximaltemperaturen im Sommer von 1980-2025. Die Abbildung wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.
Es wurde nicht nur bei uns wärmer (erstes Bild) sondern auch auf der iberischen Halbinsel, in Nordafrika und Teilen Frankreichs, und zwar um ca. 2-3 °C. Entsprechend heißer werden auch unsere Hitzewellen.
Das hat nicht nur physiologische Auswirkungen, das betrifft auch die Energieversorgung. Ein Blick auf die generierte Wind- und Solarleistung in Deutschland im Juni 2026 mit Agora-Daten:

Mit Eintritt der Hitzewelle ging die Windleistung dramatisch zurück, Solar ist unbeeindruckt. Nur fehlt der Wind halt, wenn die Sonne tageszeitmäßig bedingt nicht am Himmel steht. Das verteuert den Strom in den Nächten und treibt dann den CO2-Emissionskoeffizienten regelmäßig auf über 500 g CO2/kWh. „Klimafreundliche (nur) Erneuerbare Energien“ und Hitze vertragen sich nicht.
Es war in einigen deutschen Medien viel die Rede von „Abregelungen von Atom in Frankreich infolge zu warmer Flüsse“.
Die Fakten: Am 27.6. (der Tag der Rekordtemperaturen in Frankfurt /M) produzierte Deutschland Energie mit 315 g CO2/kWh, Frankreich mit 45 g CO2/kWh.
Möge sich jeder Leser selbst ein Bild davon machen, welcher Weg dem Klima mehr hilft!
Es kann NUR global funktionieren, den CO2- Ausstoß zu reduzieren. Frankreich ist da auf einem viel besseren Weg als Deutschland. Lokale „Maßnahmen“ sind allesamt rein politische Ersatzhandlungen.
So muss es froh stimmen, dass wohl (ENDLICH!) auch am 27.6.2026 die völlig irre Ablehnung von (auch lebensrettenden) Klimaanlagen durch die Grünen („CO2-Scheudern!“), über die wir vor einem Jahr ebenfalls berichteten, unter dem Druck der öffentlichen Meinung fiel. Manchmal schaffen Realitäten Sinnvolles, weil es keine Alternative gibt. Bleibt nur für das Klima zu hoffen, dass das auch bei der Energieerzeugung sehr bald klappt!
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Nick Perry auf GIST bzw. phys.org zur kürzlichen Hitzewelle in Europa:
What is driving Europe’s heat wave?