Von Frank Bosse
Von ersterem konnte man in jüngster Vergangenheit viel lesen.
Das Wissensmagazin Sinexx berichtete auch ausführlich über eine neue Arbeit Forster/ Rahmstorf 2026 aus dem März 2026, im folgenden „FR26“.
Was haben die Autoren gemacht? Im Abstract es Artikels stellen sie fest:
„… show that there has been acceleration with over 98% confidence, with faster warming over the last 10+ years than during any previous decade.”.
Es wird also gezeigt, dass in der letzten Dekade (2015…2024 mit den verwendeten Daten) sich die Erwärmung „signifikant beschleunigte“. Die Kernabbildung ist diese:

Eine Reproduktion von Fig.3 der Arbeit.
Ein deutlich zu sehender Sprung im Trend bei 2015.
Um „Signifikanz“ zu erreichen, entfernten die Autoren rein rechnerisch einige bekannte natürliche Einwirkungen, z.B. El Nino/La Nina Effekte. Die Methode dafür geht auf ein Paper der beiden gleichen Autoren zurück.
Da ist also etwas exorbitantes passiert nach 2015?
Ein Blick auf die Daten (GISS) 2015-2024 der globalen Temperaturen:

Der offenbart: Im fraglichen Zeitraum passierte bis 2022 nichts, was die Trenderhöhung auslösen könnte, des Rätsels Lösung kann ALLEIN an 2023 und 2024 liegen. Da gab es eine plötzliche Erwärmung um ca. 0,4 °C. Das Warum ist nach wie vor unklar, wir berichteten darüber.
Was man recht sicher weiß, ist dass es kaum der (kleine) El Nino im Jahre 2023/24 war, noch ein Sprung bei Aerosolen noch Einflüsse durch die Sonnenaktivität. Die berücksichtigten FR26 ja.
Der 10-Jahrestrend ist für Klimaanwendungen zu kurz, da gehen solche Schwankungen sehr betont ein.
Wozu so etwas führen kann, sei an anderen Daten gezeigt: die arktischen Temperaturen der nördlichen Breite von 66°N bis zum Pol.
Von denen ist bekannt, dass sie deutlich schneller steigen als die des Rests des Planeten. Das Phänomen ist bekannt als „Arktische Verstärkung der Erwärmung“.

Die globalen Temperaturtrends nach GISS 1975- 2024. Die Abbildung wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert.
Der Ko-Autor von SR26 Stefan Rahmstorf (PIK) veröffentlichte höchstselbst 2013 ein Essay dazu. Der Autor war Lars Kalschke, der u. a. schrieb:
„Die Summe der Effekte bildet die sogenannte „Arktische Verstärkung“, welche die Arktis zu einem Frühwarnsystem für Klimaänderungen macht. Ähnlich dem Kanarienvogel in der Kohlenmine, der früher die Grubenarbeiter vor giftigen Gasen gewarnt hat, spiegelt das arktische Meereis den Zustand des globalen Klimasystems wider.“
Der Trend der Temperaturen seit 1975 sollte also stets mehr ansteigen als das globale Mittel.
Ein Blick auf die von ERA5 gelieferten Daten:

Die Abbildung wurde mithilfe des KNMI-Climate Explorers generiert.
Fällt dem aufmerksamen Leser etwas auf? Hier stagnieren die Temperaturen seit 2015!
Ähnlich zu FR26 kann man hier auch 10-Jarestrends konstruieren:

Ein sehr prägnanter Trend 1975-1984, dann deutlich geringere und für 2015-2024 wird der Trend gar negativ!
Global stiegen die Trends ab 2015 stark an nach FR26, in der Arktis kühlte es sich im gleichen Zeitraum ab?? Der „Kanarienvogel“ ist von der Stange gefallen?
Die „Arktische Verstärkung “fällt nach 2015 aus“? Ist es plötzlich „andere Physik“ nach 2015?
Das ist natürlich ein Fehlschluss. Ursache: In beiden Fällen, sowohl bei den globalen Temperaturen als auch bei denen in der Arktis sind solch kurze Trends völlig ungeeignet, die „Welt“ des Klimas zu erklären. Es gibt eine Unmenge von Einflüssen („interne Variabilität“) in einem chaotischen System, die in so kurzen Zeiträumen auf diese Trends einwirken.
Wie es besser geht? Man errechne die Trends (OLS) vom konstanten Anfangsjahr 1975 an, bis zu 55 Jahren lang.
Dann erhält man solch ein Diagramm:

Plötzlich spielen Variationen in den Beobachtungszeiten keine bedeutende Rolle mehr. Die „Arktische Verstärkung“ der Erwärmung ist mit ca. Faktor 3 weiterhin intakt, es ist ja auch physikalisch logisch. Auch den „Uptick“ am Ende bei den globalen Temperaturen bemerkt man kaum, wenn man angemessene Zeiträume für „Klima“ auswertet.
Die Auf- und Abs in wenigen Jahren sind etwas zum Aufklären für Spezialisten, nicht unbedingt für „Trendanalysatoren“.
Beim globalen Temperaturhub 2023/2024 ist man mit der Aufklärung noch nicht weit gekommen. Die beiden Jahre als Endpunkte von 10-Jahrestrends bei Klima (das Mittel über mindestens 30 Jahre) zu benutzen ist so gesehen mal wieder ein „Stück aus dem Tollhaus“.
Warum so etwas zur Aufführung kommt? Darüber kann man nur spekulieren. Man kann mit ähnlichen „Rechnungen“ auch die erwartete Klimasensitivität gegenüber äußeren Antrieben z.B. durch Treibhausgase oder Aerosole nach oben trimmen. Da die reale Temperatur- Entwicklung stets eine Kombination eines Szenarios der Emissionen mit der Klima- Empfindlichkeit ist, könnte die „festgestellte“ Beschleunigung der Erwärmung“ auch eine erste Reaktion auf das Streichen des „Doom-Szenarios“ mit 8,5 W/m² Antrieb bis zum Jahre 2100 sein (wir berichteten), um den „Alarmpegel“ in der Öffentlichkeit hochzuhalten.
Solide Klimawissenschaft ist jedoch beides nicht: sowohl der „Ausfall der Arktischen Verstärkung“ als auch die „starke Versteilerung“ des globalen Trends nach 2015 sind in Wahrheit Artefakte, entstanden durch ungeeignete Klima- Auswertungen. Die eine wird (zu Unrecht) auch in Medien gehypt, von der anderen hört man (zurecht) öffentlich gar nichts.