Natürliche Klimaschwankungen verursachten Japans Hungersnot der 1830er Jahre

Quelle: https://phys.org/news/2026-05-journals-monthly-climate-shifts-japan.html | Autor: Research Organization of Information and Systems | Veröffentlicht: 14. Mai 2026

Alte Tagebücher erschließen monatliche Klimaschwankungen hinter Japans Hungersnot der 1830er Jahre

Die Tenpō-Hungersnot der 1830er Jahre war eine der schlimmsten Hungersnöte in der japanischen Geschichte, wobei schlechtes Wetter als wesentliche Ursache für steigende Reispreise galt. Um besser zu verstehen, wie historische Wetteranomalien die Erntepreise in Japan beeinflussten und letztlich zur Hungersnot führten, entwickelten Forscher einen neuen Ansatz zur Analyse historischer Wetterdaten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht. Historische Klimaforscher stützen sich häufig auf Proxydaten wie Jahrringe von Bäumen oder Seesedimente, um frühere Wettermuster zu rekonstruieren. Diese Proxydaten haben jedoch Einschränkungen. Oft liefern sie nur einen einzigen Wert für ein ganzes Jahr. Außerdem berücksichtigen sie weder regionale Unterschiede noch jahreszeitliche Schwankungen.

Die Forscher wollten besser verstehen, wie klimatische Anomalien mit den Schwankungen der Reispreise im frühneuzeitlichen Japan zusammenhingen. Der Schwerpunkt lag auf der Tenpō-Hungersnot der 1830er Jahre. Frühere Studien stützten sich vor allem auf Jahresdaten. Dadurch war es schwierig zu erkennen, wie saisonale Klimaschwankungen mit Veränderungen der Reispreise zusammenhingen. In der neuen Studie rekonstruierten die Wissenschaftler die monatliche Sonneneinstrahlung aus 18 historischen Tagebüchern der Jahre 1821 bis 1850. Anschließend verglichen sie diese Daten mit monatlichen Reispreisen in Osaka.

Dieser Ansatz ermöglichte eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Klima und Preisen in deutlich höherer zeitlicher Auflösung. Die Forscher nutzten die Historical Weather Database, eine der umfangreichsten Sammlungen historischer Wetterbeobachtungen für Japan. Dadurch konnten großräumige Klimamuster im ganzen Land analysiert werden. Zudem wurden regionale Unterschiede sichtbar. Die Wissenschaftler entwickelten zunächst eine Referenz der typischen Sonneneinstrahlung für dieselben Orte im Zeitraum 1981 bis 2010. Anschließend erarbeiteten sie ein Verfahren zur Rekonstruktion historischer Sonneneinstrahlung auf Basis von Wetterbeschreibungen in Tagebüchern und Beobachtungsprotokollen.

Im Jahr 1836 lag die Sonneneinstrahlung in Zentraljapan während Juli und August etwa zehn Prozent unter dem Normalwert. Gleichzeitig stiegen die Reispreise rasch an. Im folgenden Sommer erreichten sie das Drei- bis Vierfache ihres üblichen Niveaus. Der zeitliche Zusammenhang deutet darauf hin, dass die Reispreise bereits vor der Ernte von den saisonalen Klimabedingungen beeinflusst wurden. Die Auswertung monatlicher Klima- und Preisdaten macht innerjährliche Entwicklungen sichtbar, die in Jahresstatistiken verborgen bleiben. Reispreise werden häufig in der historischen Klimaforschung verwendet. Als alleiniger Indikator sind sie jedoch unvollkommen. Auch Handel, Unruhen, Taifune und staatliche Eingriffe können die Preise beeinflussen.

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Quelle: https://phys.org/news/2026-05-scientists-sunlight-18th-19th-century.html | Autor: Research Organization of Information and Systems | Veröffentlicht: 14. Mai 2026

Wissenschaftler schätzen die Sonneneinstrahlung im Tokio des 18. und 19. Jahrhunderts mithilfe historischer Tagebücher

Die Menge an Sonnenlicht beziehungsweise Solarstrahlung, die einen Ort erreicht, hat großen Einfluss auf Wetterbedingungen, Ernteerträge, Niederschläge und langfristige Klimatrends. Heute wird die Sonneneinstrahlung mit Instrumenten namens Pyrheliometer gemessen. Solche Geräte standen jedoch erst ab 1838 zur Verfügung. Automatische Pyrheliometer wurden sogar erst im frühen 20. Jahrhundert entwickelt. Deshalb existieren für die Zeit vor dem 20. Jahrhundert keine genauen und konsistenten Messreihen der Solarstrahlung. Dennoch könnten solche Daten wertvolle Informationen liefern.

Veränderungen der Sonneneinstrahlung lassen sich beispielsweise mit Ernteausfällen oder längerfristigen Wetterveränderungen in Beziehung setzen. Um diese Lücke zu schließen, nutzten Wissenschaftler der Research Organization of Information and Systems, der Rissho-Universität und der Tokyo Metropolitan University historische Tagebücher zur Abschätzung der Sonneneinstrahlung in Tokio. Dabei identifizierten sie langfristige Veränderungen der Solarstrahlung. Außerdem untersuchten sie mögliche Zusammenhänge mit klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen derselben Zeiträume. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Climatic Change veröffentlicht. Historische Tagebücher enthalten häufig tägliche Wetterbeschreibungen.

Solche qualitativen Aufzeichnungen wurden bislang jedoch nur selten in quantitative meteorologische Daten auf Monatsbasis umgewandelt. Die Forscher entwickelten und überprüften daher eine Methode, mit der sich langfristige Solarstrahlung aus täglichen Wetterbeschreibungen rekonstruieren lässt. Dadurch entstand eine durchgehende Zeitreihe für Tokio, die bis ins Jahr 1720 zurückreicht. Grundlage waren tägliche Wetteraufzeichnungen aus historischen Tagebüchern. Solche Wettertagebücher wurden in Japan bereits seit dem achten Jahrhundert geführt. Verfasst wurden sie häufig von Adligen, Beamten oder gebildeten Bauern. Viele dieser Tagebücher wurden inzwischen digitalisiert und in der Historical Weather Database of Japan erfasst. Dort stehen Forschern 60 veröffentlichte tägliche Wetterreihen zur Verfügung.

Die Wissenschaftler standardisierten die Wetterbeschreibungen und verglichen sie mit offiziellen Sonnenscheindauerdaten der japanischen Wetterbehörde, die bis in die 1870er Jahre zurückreichen. Damit standen rund 140 Jahre verlässlicher Vergleichsdaten zur Verfügung. Anschließend rekonstruierten sie die Sonneneinstrahlung in Tokio für den Zeitraum von 1720 bis 1912. Dieser Zeitraum überschneidet sich mit der Kleinen Eiszeit. Die Ergebnisse zeigen, dass qualitative Wetterbeschreibungen systematisch in quantitative Schätzungen der Solarstrahlung umgewandelt werden können. Auf dieser Grundlage entstand eine Rekonstruktion von rund 300 Jahren Solarstrahlungsvariabilität für Tokio. Dabei wurden besonders strahlungsarme Phasen in den 1780er und 1830er Jahren identifiziert. Diese fielen mit schweren Hungersnöten zusammen.

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