Der Klimabericht zu Europa und Mainzelmännchen im hohen Norden 

Von Frank Bosse

Der europäische Klimadienst „Copernicus“ veröffentlichte seinen Bericht zum Jahr 2025. 

Er war Thema in nahezu alle Medien am Ausgabetag (29. April 2026), auch beim ZDF in „heute“. Der Beitrag ist hier abrufbar.  

Der Text zur Meldung verheißt schon nicht viel Sachlichkeit: 

„Laut aktuellem Bericht erwärmt sich der Kontinent doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.“ 

Immer wieder solch schreiende Überschriften! Wir hatten uns erst im November 2025 damit auseinandergesetzt: Der „globale Durchschnitt“ enthält die ca. 70% Ozean, die die Erdoberfläche nun mal ausmachen.

Über Wasserflächen kann es unbegrenzt verdunsten, sie erwärmen sich damit etwa Faktor 3 weniger als das Mittel aller Landflächen. Wir hatten im November 2025 auch einen „Äpfel mit Äpfeln“-Vergleich der Kontinente untereinander angestellt und gefunden, dass sich Europa zwar wirklich schneller erwärmt als die anderen, das jedoch (außer im Fall Südamerika) nicht signifikant ist. Das „Rauschen“, eingetragen auch von Wetter, lässt eine statistisch robustere Aussage schlicht nicht zu.  

Wäre eine solche Aussage zu komplex für das Ziel?  
Das besteht wohl immer in möglichst aufmerksamkeitsheischenden, knalligen Überschriften. Schade für einen wissenschaftlichen Klimadienst und die Berichte darüber!  

Nun zum Video im Bericht des ZDF.  

Er beginnt mit einer vermeintlichen „Sensation“: Es wurden im Juli 2025 am Polarkreis in Rovaniemi (Finnland) über 30°C gemessen, „in der Heimat des Weihnachtsmannes“. 

Screenshot ZDF „heute“ vom 29.4.2026 

Wie sind so hohe Temperaturen im Sommer dort möglich? Hierzu schauen wir auf die Solarleistung in Abhängigkeit von der geografischen Breite und den Monaten des Jahres:  

      

Quelle 

Es wird deutlich, dass bei 66°N in den Monaten Juni und Juli dort eine Sonneneinstrahlung (sie scheint dann 24 h /Tag!) herrscht, die höher ist als am Äquator (0°). Kommt dann der Wind von Land her (Südwest bis Südost), so ist auch die kühlende Wirkung des Arktischen Ozeans „abgeschaltet“ und dann kann es nicht so „exotisch“ sein, dass dort Temperaturen um die 30° festgestellt werden. Das sagen auch die Stationsdaten der Maximaltemperaturen der Jahre von dort:  

Quelle: KNMI Climate Explorer 

Da ist auch praktisch kein Trend, in den 70er Jahren wurden auch schon so hohe Temperaturen gemessen, der Rekord (2012) ist auch schon recht alt.  

Man möchte in die „heute“ Nachrichten rufen: „Ihr wollt hinters Licht führen!“ 

Weiter geht’s im Video und gleich im Anschluss (bei 0:15 Min.) kommt da ein Dr. Pappenberger zu Worte mit diesen Aussagen:  

„Die ganze Region so von Norwegen bis …Russland hatte eine 21-tägige Hitzewelle, die wir noch nie davor gesehen haben“    

Das sollte sich im Gebietsmittel da abzeichnen in den „Copernicus“ Daten („ERA 5“)? 

Quelle: KNMI Climate Explorer 

Gezeigt ist die Anzahl der Sommertage/Jahr (>25°C) im Gebietsmittel 15-34°O; 65-69°N, das ist die fragliche Fläche. Es gab tatsächlich im letzten Jahr 7 solcher Tage da, nur waren es 1972 gar 9 an der Zahl! Man sieht zwar eine deutliche Häufung nach 2019, nur keinen Rekord bei der Anzahl von Sommertagen in 2025, wie im Bericht reklamiert. Wäre es für die Aussage so „verheerend“, wenn man bei Daten bleiben würde und formulierte: „Mit der Klimaerwärmung steigt auch tendenziell die Anzahl der warmen Tage jenseits des Polarkreises.“?  

Sie wäre dann sachlich und reproduzierbar. Das „Rekord-Gedöns“ ist es nicht!  

Bei Min. 0:40 des „heute“- Berichtes kommt er auf die Arktis zu sprechen, gezeigt ist da sommerliches Meereis. Kommentar: 

 „Die Arktis kühlt nicht mehr, … sie hat gerade eine große Eis- und Schneeschmelze“.  Das hat sie jedes Jahr, nirgends auf der Erde scheint die Sonne mit solcher Leistung im Sommer wie am Nordpol, zeigt die Abbildung weiter oben.  

War es also 2025 da besonders schlimm mit der Eisflächen- Ausdehnung (Sea ice Extent):   

Grafik: Der Autor 

In Rot das Jahr 2025, beim Minimum um den 12. September herum sahen wir stattdessen Werte, die dem Mittel der 2010er Jahre entsprachen. Das Phänomen des „nicht mehr schrumpfenden arktischen Sommer- Meereises“ ist auch in der Literatur beschrieben, eine Studie vom August 2025 fand keine signifikante Abnahme des arktischen Minimum-Eises seit 20 Jahren.  

Hier wäre es vorbei mit der Geduld mit dem (gottlob!) nur 1:37 Min langen Beitrag.  

Er enthält in nur reichlich einer Minute drei nicht reproduzierbare „Sensationsmeldungen“, die keine sind.  

Warum nur?  
 
Sind reale Daten ein natürlicher Feind der Berichterstattung, wenn sie offensichtlich nur darauf angelegt ist, die „Apokalypse“ zu beschreiben a la: 

„Oh Gott, Hitze im Juli in der Heimat des Weihnachtsmannes“? 

Hinweis also an die Zuseher: Das Beispiel zeigt exemplarisch, dass es mit der Wahrheit da nicht so eng gesehen wird, wenn es um die Berichterstattung zu Klimafragen geht. Nur da?       

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