Von Frank Bosse
Die Pressekonferenz am 31.3.26 war lang, über 1 Stunde und ist hier zu sehen. Da wurde über Modellprojektionen berichtet, über Trends beim Niederschlag in Deutschland, und und.
Man muss wirklich nicht alles ansehen was der Deutsche Wetterdienst über Klima zu sagen hatte.
Da wurde hoch wissenschaftlich hergeleitet, dass es im Osten und Süden wärmer werden könnte als im Westen und Norden. Ein Reporter erkundigte sich im abschließenden Frageteil, wie man zu dieser Lehre fand (bei Min 52:30). Die entwaffnende Antwort vom Podium:
„Das marine küstennähre Klima wird durch die Nähe zum Meer in der Erwärmung gedämpft. Das kann schon 1 gutes Kelvin ausmachen“.
Potzblitz, darauf wäre man ohne die PK wahrlich nicht gekommen! In Nähe des Meeres ist es kühler als weiter im Landesinneren (in der warmen Jahreszeit)! Das ist Alltagserfahrung, so wohl auch vom DWD kolportiert. Ziemlich irrelevant!
Davor berichtete Frau Drücke ab Min 40 über die 2025er Wetterdaten und Einflüsse auf das EE- Energiesystem. Da wird referiert, dass es (vor allem im Frühjahr) im Jahr 2025 recht windarm war, ein Langzeittrend zeigt sich jedoch nicht. Also eher Wetter, die Kernkompetenz des DWD.
Bei Min. 46 führte sie aus, dass die Sonneneinstrahlung 2025 im Winter gering war, im Sommer war es mehr. „Ach was!“ kann man da nur ausrufen!
Und weiter: „Der Wind bläst dafür im Winter mehr als im Sommer.“ Auch das kommt nicht ganz unerwartet!
Bei Min 46:32 dann eine interessante Aussage:
„Insgesamt ergänzen sich die beiden Energiequellen sehr gut.“
Das kann man nachprüfen, nicht unbedingt mit DWD-Daten sondern welchen von Agora, spezialisiert auf solche EE-Daten. Wieviel Prozent des Stromverbrauchs wurden CO2-arm gedeckt über die Monate?

Die Lücke bis 100% zeigt an: Sie muss nach wie vor durch Kohlenstoffverbrennung geleistet werden. Da stellen die 50% in einzelnen Monaten schonmal eine nicht zu knackende Grenze dar. Am besten funktionierte es im Juni 2025 mit 68,6%. Der Februar hält die rote Laterne: 41,9%. Der Rest dazwischen mittelt sich zu 54,6 %.
Das führt zu einem CO2-Emissionsfaktor von 327 g CO2/kWh. Frankreich erreichte in 2025 im Jahresmittel 31 g CO2/kWh. Was ergänzt sich also besser als „sehr gut“ (DWD)? EE und Kernenergie, die Kombination ist 10mal besser für das Klima als unsere „Ergänzung“!
Aber ja, es ist nicht die Kernkompetenz des DWD. Warum er das dann zum Thema macht? Das Fragezeichen wird immer größer…
Wer meint, es wäre alles nur irrelevant wird jedoch bitter enttäuscht. Bei Min. 49:55 kommt eine Frage eines Journalisten von einer Agentur nach „stehenbleibenden Wetterlagen“ in Deutschland. Antwort zunächst: „Es gibt keinen signifikanten Trend dahin.“ Der Kollege übernimmt und sagt wörtlich:
„Diese These, verbunden mit der „Arctic Amplification“ (arktische Verstärkung der Erwärmung, d.A.) ist in der Wissenschaft umstritten. …Die Theorie dahinter ist ja, dass der Jetstream davon beeinflusst wird. Wir sehen diese Verstärkung auch, aber nur in bodennahen Schichten. Die Jetstreams funktionieren aber in der Höhe. Deshalb warne ich davor, aus dieser Persistenz-Vermutung Ableitungen zu machen“
Der aufmerksame Leser dieses Blog weiß das schon viel länger:
Schon im Mai 2024 hatten wir auf einige Widersprüche in der „gern genommenen“ Jetstream-These hingewiesen. Im Januar 2025 zeigten wir die Widersprüche in den Erwärmungstrends am Boden und in der Höhe des Jetstream mit einer Graphik:

Darunter stand:
„Links deutlich zu sehen ist die sich stärker erwärmende Arktis (rot, in der Bildmitte) im Vergleich zum Rest. Rechts jedoch verhält es sich umgekehrt: Über den Subtropen erwärmt es sich in der Höhe mehr als über der Arktis, die sich da praktisch gar nicht erwärmte. Folgt man also den Beobachtungen, so ist klar, dass sich der Wind in der Höhe nicht abschwächen, sondern eher verstärken sollte, da der Temperaturkontrast Arktis-Subtropen ansteigt mit dem Klimawandel.
Das wurde nun also vom DWD selbst so bestätigt, am 31.3.2026,
Woher kommt die „Persistenz“ bei den Jetstream- Irrungen von Journalisten? Seit mindestens 2013 wurde die These immer wieder unter die Leute gebracht. Ursprünglich von einem „Gastforscher“ am PIK, er sagte:
„Der Temperaturunterschied zwischen den Tropen und den polaren Breiten hat großen Einfluss auf den Höhenwind. Je größer die Differenz, desto instabiler wird der Jetstream.“
Vermutlich ist diese Aussage (nur für den Boden zutreffende, wo der Jetstream NICHT weht) ein entscheidender Ausgangspunkt für den beständigen Irrtum.
Er war halt auch nützlich, denn so konnte man praktisch jedes ungewöhnliche Wetter der „Erhitzung“ zuschreiben. Auch TV-Wettermoderatoren wie Karsten Schwanke trugen mit dazu bei, den Irrtum zu multiplizieren. Er gewann mit genau diesem Thema sogar den Grimme Preis im Jahre 2019, wir berichteten. Nun also auch die offizielle Entwarnung vom DWD.
Das war das wirklich Relevante an der Pressekonferenz: Ein Ausräumen eines PIK-Mythos.
Das war nun wirklich überfällig. Das Problem an der Sache ist NICHT der Irrtum, das ist Wissenschaft. Das Problem ist in Wahrheit das lange Festhalten daran. Bis tief in die 2020er Jahre hielt er sich, obwohl es längst starke Hinweise (auch von diesem Blog) darauf, gab, dass es „überholtes Wissen“ ist. Man sollte sich wirklich merken, wer so etwas mit völlig überschätzter Gewissheit fortgesetzt in die Welt setzt und damit Wissenschaft und Politik verwechselt.