Die Ambivalenz verschiedener Umweltverbände in Sachen Windkraft ist riesig.
Im Englischen nennt man das Twisted Minds.
Auf der kürzlich beendeten internationalen Nordseekonferenz wird der massive Ausbau der Windkraft auf der Nordsee beschlossen. Bis 2050 soll die Kapazität sich um den Faktor 9 von dann aktuell 35 Gigawatt Leistung auf 300 Gigawatt erhöhen.
Davon sollen 100 Gigawatt grenzüberschreitend sein.
Der produzierte Strom soll in mehrere Länder verteilt werden.
Aktuell hinkt der Ausbau in Deutschland den Plänen hinterher. Bis 2030 dürfte Deutschland statt 30 Gigawatt lediglich knapp 20 Gigawatt Leistung installiert haben.
Die Installation der Anlagen ist teuer, die Preise sind erheblich gestiegen und damit auch das wirtschaftliche Risiko.
Die Nordsee dürfte sich durch den Zubau also erheblich verändern und mit ihr die Natur.
Tagesschau hat ein interessantes Video dazu. Es äußert sich unter anderem die Windkraft-Lobbyistin Lucke zu Forderungen nach weiteren bzw. noch mehr Subventionen.
Sie nennt es nur anders. Aber es wird klar, dass es ohne Garantiepreise und Zuschüsse nicht geht. Die will man sich sichern, es läuft dann unter dem Stichwort Investitions-Sicherheit.
Frau Lucke spielt auch die geostrategische Karte, meint dabei wohl die Verringerung der Abhängigkeit von Gas und Öl.
Dass ausgedehnte Windparks und Konverterstationen Ziel feindlicher Angriffe werden könnten, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen.
Wahrscheinlich könnte man mit wenige Aufwand großen Schaden erzeugen.
Eine Konverterstation zu zerstören hätte erhebliche Auswirkungen.
Wie reagieren nun Verbände auf die Pläne die Nordsee mit Windkraft zuzubauen?
Im Grund ist es ein „wasch mich aber mache mich nicht nass“.
Einerseits fordern sie die Energiewende, andererseits kritisieren sie diese Wende, wenn sie wie jetzt konkret wird.
Nabu:
Nach Einschätzung des NABU ist bei Regierungsverantwortlichen auf unterschiedlichen Ebenen noch immer nicht ausreichend verstanden worden, dass Klimaschutz und der Schutz der Biodiversität keine Selbstbeschäftigung von Umweltakteuren sind. Der Global Risk Report 2025 des Weltwirtschaftsforums sieht beide Faktoren binnen einer Dekade als größte globale Wirtschaftsrisiken. Das gilt auch für den Meeresnaturschutz. Insofern ist hinsichtlich des Erhalts der Ökosystemleistungen eine nachhaltige Meeresraumplanung ebenso bedeutsam, wie der konsequente Schutz und die Wiederherstellung ökologisch wertvoller und sensibler Meeresgebiete. Statt also kurzsichtig über die geplante Planungsbeschleunigung Umweltstandards und Beteiligung abzubauen, sollte stattdessen mit Blick auf die Bedeutung des sensiblen Ökosystems Meer langfristige bei Planung, Bau, Betrieb und Netzanbindung von Windparks der Meeresnaturschutz höchste Priorität haben.
BUND:
Anlässlich des internationalen Nordsee-Gipfels, den die Bundesregierung am 26. Januar 2026 in Hamburg ausrichtet, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den Ausbau der Offshore-Windenergie strikt an den Belastungsgrenzen der Nordsee auszurichten. Die Nordsee ist bereits heute eines der am stärksten genutzten Meeresgebiete weltweit. Der BUND betont: Erneuerbare Energien sind das Rückgrat des Klimaschutzes und die Windenergie auf See kann einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig gilt: Klimaschutz und Naturschutz müssen gemeinsam gelingen. Gesunde Meere sind Lebensräume und müssen geschützt und wiederhergestellt werden.
„Die Nord- und Ostsee befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand. Ein weiterer massiver Ausbau der Offshore-Industrie darf nicht auf Kosten von Artenvielfalt und Meeresschutz gehen,“ erklärt der BUND. Während die Bundesregierung die Nordsee als „grünes Kraftwerk für Europa“ positioniert, warnt der BUND davor, sie durch immer mehr Infrastruktur faktisch zu einem Industriegebiet zu machen. Der Ausbau der Offshore-Windenergie und deren Netzanbindung muss nach Ansicht des Umweltverbands naturverträglich erfolgen und mit einer messbaren Reduktion der kumulativen Belastungen einhergehen. Derzeit sind Kabeltrassen durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer geplant, wodurch dessen Status möglicherweise gefährdet ist.
Und natürlich hat auch die Deutsche Umwelthilfe ein ähnliches Statement dazu.
Interessanterweise war deren Geschäftsführer der einzige Vertreter einer Umweltorganisation, der zu dem Gipfel eingeladen wurde.
Der Nordseegipfel setzt ein wichtiges Signal: Europa will den Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee konsequent vorantreiben. Wir unterstützen ausdrücklich die Planung der neu angekündigten grenzüberschreitenden Kooperationsprojekte, denn die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung passen nicht in die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone allein. Nur durch eine enge Kooperation aller Nordseestaaten kann der für den Kampf gegen den Klimawandel notwendige Ausbau auch innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen des Nordsee-Ökosystems geplant werden. Klar ist aber auch: Wer die Nordsee stärker für die europäische Energieversorgung nutzen will, muss sie konsequent schützen. Versorgungssicherheit gibt es nur mit einem resilienten Meeresökosystem. Dafür braucht es dringend eine seebeckenweite, grenzüberschreitende und ökosystembasierte Meeresraumplanung für die gesamte Nordsee. Energieministerin Katherina Reiche verlässt den Nordseegipfel mit einem klaren Auftrag: Noch 2026 muss sie die Weichen für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie auf See stellen.
Alle Statements gleichen sich stark und die drei Organisationen haben das gleiche Dilemma.
Sie wissen, dass der geplante Ausbau erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und die Natur haben wird. Es ist noch nicht einmal klar, was dieser Ausbau für Strömungen und alles, was damit verbunden ist, bedeuten könnte.
Wer an so was forschen möchte, dürfte eher einsam sein.
Löblich, dass immerhin das Geomar Geestacht an den Auswirkungen forscht.
Eine weitere Konsequenz der Wirbelschleppen ist die Minderung von scherungsbedingten Prozessen an der Meeresoberfläche. In anderen Worten: Die vom Winden hervorgerufene turbulente Durchmischung der Wasseroberfläche wird dutzende Kilometer um den Windpark reduziert.
Wasser ist meist geschichtet, so liegt z. B. eine Schicht mit wärmerem Wasser auf einer Schicht mit kaltem.Durch die Windparks wird die natürliche Schichtung gestört. Aufgrund der reduzierten Durchmischung wird eine stabilere Schichtung des Wassers begünstigt. Besonders auffällig war das während des Rückgangs der Sommerschichtung. Die natürliche Sichtung des Wassers ist im Sommer besonders markant und nimmt zum Herbst hin ab. Im Gebiet der Windparks wurde jedoch eine stabilere Schichtung außerhalb der jahreszeitlichen Schwankung berechnet.
Also wird vorauseilend schon mal gewarnt, aber beides wird zusammen schlecht gehen. Ausbau der Windkraft und gleichzeitiger Schutz der Meere sind Widersprüche. Die Verbände wissen das sehr wohl und wollen sich aber nicht sagen lassen, sie hätten nicht gewarnt.
An dem Ausbau wird sich aber nichts ändern dadurch.
Windkraft braucht Flächen, weil die Energiedichte von Wind gering ist.
Den Preis dafür zahlt dafür die Natur.