Ein wilder Ritt

Was macht man nicht alles, um sein Geschäftsmodell irgendwie zu promoten? Es gibt viele Beispiele, wo jegliches Wetterereignis auf der Welt auf zu wenig Windkraftanlagen und Solarpaneele in Deutschland geschoben wird. Die Lobbyistin Simone Peter ist ein Paradebeispiel, wie eigentlich mit jeder Art von Wetter gespielt wird. Ihre Tanzfiguren haben wir schon einmal beschrieben, sie tanzt sie permanent und bei jedem Wetter.  

Ein anderer Kandidat ist Peter Dynes. Er hat ein Unternehmen gegründet, das mittels Reflektion der Sonnenstrahlen die Erde kühlen möchte. Vielleicht läuft die Sache nicht wie gewünscht, denn Dynes stellt gern Schreckensmeldungen in Netz. Im Sommer 2023 war er mächtig aufgeregt, weil die Bodentemperatur! in Spanien sensationelle 60 Grad erreichte. Jeder, der schon einmal im Hochsommer über einen Sandstrand gelaufen ist, weiß, wie heiß Oberflächen werden können. Dunkle Flächen wie z. B. Asphalt werden ebenfalls sehr heiß im Sommer bei Sonnenschein. Dynes weiß das offenbar nicht und vielleicht weiß er auch nicht, dass die Lufttemperaturen bzw. Wassertemperaturen in der Meterorologie ausschlagebebend sind. 

(Abbildung: Screenshot Twitter/X)  

Jedenfalls hat sich sein damaliges Posting sogenannten Community Notes verdient. Leser haben Peter Dynes Posting in den richtigen Kontext gesteckt. Sicherlich ärgerlich für das Geschäft, denn wie viele seiner Reflektoren hätte er sonst in Spanien verkaufen können? Aber Dynes macht munter weiter. Über der Arktis gibt es durchschnittlich in jedem zweiten Jahr eine sogenannte ”Stratosphärische Erwärmung”. Die Wissenschaft weiß das seit den 1950er Jahren. Die schlaue Wikipedia gibt Auskunft

“In den Wintermonaten bildet sich in der polaren Stratosphäre, bedingt durch die negative Strahlungsbilanz im Polargebiet, ein Polarwirbelheraus, an dessen südlicher Begrenzung starke Westwinde auftreten. Die Temperaturen in der unteren Stratosphäre (in etwa 20 km Höhe) betragen im Durchschnitt unter −70 °C. 

Diese im Winter vorherrschende Struktur wird durchschnittlich alle zwei Jahre, aber in unregelmäßiger Folge, stark gestört. Bei dieser starken Erwärmung (Major Warming) steigt die Temperatur der Stratosphäre innerhalb weniger Tage um mehr als 50 Kelvin an und erreicht höhere Werte als in südlicheren Breiten. Verbunden ist diese plötzliche Erwärmung mit einer Umkehr der West- in Ostwinde und damit einem Zusammenbruch des Polarwirbels. Anschließend erfolgt eine genauso abrupte Abkühlung. Die Umkehr der West- in Ostwinde in der Stratosphäre beeinflusst in vielen Fällen die Nordatlantische Oszillation. Damit verknüpft ist oft eine Abschwächung des Druckunterschieds zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch. Dieser bestimmt aber die vorherrschende Windrichtung für Mitteleuropa und damit, ob der Winter in Europa kalt oder mild ausfällt. Eine plötzliche Stratosphärenerwärmung begünstigt Wetterlagen, die ein Vordringen kalter Festlandsluft aus dem Osten nach Mitteleuropa begünstigen.” 

Dynes wäre aber ein schlechter Verkäufer, wenn er nicht auch dieses immer wiederkehrende Phänomen nicht ausschlachten würde für sein Geschäft. Um etwas mehr Dramatik in die Sachen zu bringen, wird der Polarwirbel und auch der Jetstream bemüht, der sei nämlich zusammengebrochen. Es ist das gleiche Schema wie schon bei den Bodentemperaturen. Einfach mal einige Behauptungen aufstellen und raushauen, was soll schon schiefgehen? Auch hier reagierten die Community besonnen und stellte klar, warum seine Aussagen nicht stimmen. 

(Abbildung: Screenshot Twitter/X) 

Kritiker an dem Posting, wie den US-Meteorologe Ryan Maue blockt Dynes einfach weg und steckt mal eben alle ”sogenannten Meteorologen” <sic>, die seinen Blödsinn konsequenterweise Blödsinn nennen, in den Klimawandel-Leugner-Sack. 

(Abbildung: Screenshot Twitter/X) 

Zu noch härterer Wortwahl griff auf Twitter Fabian Ruhnau von Kachelmann-Wetter. Der deutsche Meteorologe nennt die Aussagen von Dynes sogar Lügen, die hundertfach geteilt werden. 

(Abbildung: Screenshot Twitter/X) 

Einer, der den Quatsch von Dynes bedenkenlos weiterträgt ist Martin Bethke, ehemals WWF. Auch das Geschäftsmodell des studierten Historikers ist die Klimakrise. Da kommen Meldungen wie die von Dynes genau richtig, auch wenn die Kommentare bei Bethke ihn auf den Fake hinweisen. Er löscht sein Posting nicht. Ruhnau jedenfalls weiß, wovon der spricht, erst kürzlich hat ein Video zu dem Thema “Major Warming” auf YouTube veröffentlicht. 

(Abbildung: Screenshot YouTube) 

+++ 

Stichwort Jetstream. Der hat eine magische Anziehungskraft auf Meteorologen, wenn man denn alles Wetter auf Klimawandel zurückführen möchte. So wie 2018, als Karsten Schwanke einen Beitrag zu den Waldbränden in Kalifornien machte. Alles hängt mit allem zusammen und Schuld ist der schwächer werdende Jetstream. Dummerweise lag er damals aber ziemlich falsch. Seine These damals war, dass sich der Jetstream abschwächt, und zwar so, ”wie Klimaforscher es schon einige Zeit erwartet haben”

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)  

Das genaue Gegenteil ist offenbar der Fall, wie eine kürzlich erschienene Studie bei Nature ausführt. Der Jetstream wird schneller. Wir haben Schwankes These schon in 2020 angezweifelt. Aus dem übersetzten Abstract: 

“Die oberen Jetstreams der Erde beeinflussen die Geschwindigkeit und Reiserichtung von Wettersystemen und Verkehrsflugzeugen und sind mit Unwettern verbunden. Es wird prognostiziert, dass der Klimawandel den durchschnittlichen Jetstream der oberen Ebene beschleunigen wird. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie schnell (> 99. Perzentil) sich die Oberstufenstrahlwinde ändern werden. Hier zeigen wir, dass schnelle Windströme der oberen Ebene unter dem Klimawandel schneller werden, indem tägliche Daten aus Klimamodellprojektionen über eine Hierarchie der physischen Komplexität hinweg verwendet werden. Schnelle Winde erhöhen sich auch ~2,5-mal mehr als die durchschnittliche Windreaktion.  

Wir zeigen, dass der multiplikative Anstieg, der der Fast-Get-Faster-Antwort zugrunde liegt, aus der nichtlinearen Clausius-Clapeyron-Beziehung (Moist-Get-Moister-Antwort) folgt. Es wird prognostiziert, dass das Signal bis 2050 in beiden Hemisphären entstehen wird, wenn man die Unsicherheit des Szenarios berücksichtigt. Die Ergebnisse können verwendet werden, um prognostizierte Veränderungen der kommerziellen Flugzeiten, Rekordwinde, Turbulenzen in klarer Luft und eine potenzielle Zunahme des Unwetters unter dem Klimawandel zu erklären.” 

Was wird nun aus dem Zusammenhang, den Schwanke seinerzeit postulierte? Damals war es eine These, heute widerlegt. So etwas passiert immer wieder in der realen Wissenschaft. Er erklärte es dem staunenden Publikum jedoch als “DIE Wahrheit”. “Immer schön vorsichtig bleiben bei steilen Thesen”, wäre eine mögliche Lehre, auch für Karsten Schwanke.   

Teilen: