Der Kanarienvogel in der Kohlemine 

Auf dem Blog von Judith Curry ist ein interessanter Artikel zum Meereis in der Arktis erschienen. Er nimmt das Bild des Kanarienvogels auf, der früher Arbeiter in Minen warnen sollte, wenn die Luft in den Schächten zu schlecht wurde. Das bemerkten Arbeiter selbst oft zu spät, fiel der Kanarienvogel von der Stange, dann war das ein sichtbares Zeichen, dass etwas nicht stimmte. So ähnlich dachte man, verhält es sich mit dem Klimawandel und dem Meereis rund um die Arktis. Das Meereis weigert sich allerdings seit 2007 den Prophezeiungen von Al Gore zu folgen und im Sommer gefälligst komplett verschwunden zu sein. Der Artikel auf dem Blog nutzt offizielle Daten des NSIDC und das ist sehr spannend. Wenn man die Trendlinie von 1997 – 2007 fortführt, dann hätte das Eis zwar nicht wie von Gore prognostiziert 2013 im Sommer verschwunden sein müssen, aber 2024, was ja bereits in Kürze der Fall ist. 

 

Seit 2007 macht die Meereisausdehnung aber eine Seitwärtsbewegung mit einem Tiefpunkt 2012. 

“The detailed daily satellite data of sea ice extent provides the basis for extended study to understand the variation and forces driving change. Sadly much of the discussion seems based on drawing a straight line through the entire dataset and reducing it to single scalar value: the “trend”, which is instantly, and spuriously, attributed to the monotonic rise in atmospheric CO2. This is lazy and convenient but not scientific. The rich granularity of 45y of daily data shows the variation is anything but monotonic and that other factors and feedbacks are at play. 

More serious analysis is necessary to determine the extent that long term temperature rise is contributing to change, what feedbacks ( both positive and negative ) are at play and what this tells us about long term change. Trivial “trend” fitting is clearly grossly inadequate to understand the cryosphere and inform energy policy consequences and adaptation measures. 

More honest reporting is required from media outlets, climate scientists and government bodies about the true nature of change, good news as well as bad, instead of highly selective reporting or misreporting to build an alarmist narrative.” 

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Auch ein Professorentitel schützt nicht vor Fehlschlüssen. Stefan Krauter, Twittername: Solarpapst!, führt als Beweis, wie gut die Energiewende funktioniert, die Stromausfallzeiten in Deutschland an. Er nutzt dazu die sogenannten SAIDI Zahlen. 

(Abbildung: Screenshot Twitter)  

Wie es sich für das Oberhaupt einer Klimakirche gehört, wird den Schäfchen aber besser nicht alles gesagt. So verschweigt Krauter, dass in der Statistik der Bundesnetzagentur Stromausfälle unter 3 Minuten nicht gezählt werden. Diese können aber für Unternehmen erhebliche Probleme bringen. Server mögen spontane Stromabschaltungen eher weniger. Ist der Strom ausgefallen, dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Viel aussagekräftiger sind die sogenannten Re-Dispatch Kosten. Also bildlich gesprochen die Kosten, um das Kind vom Brunnen fernzuhalten. Diese Kosten steigen mit dem zunehmenden Anteil Erneuerbarer Energien immer weiter an. 

(Abbildung: Screenshot BDEW)  

Noch etwas besser zu erkennen auf einer zweiten Grafik, die das Volumen und die Kosten darstellt. Beide Daten basieren auf Daten der Bundesnetzagentur. 

(Abbildung: Screenshot BDEW) 

Diese Korrelation müsste eigentlich auch ein Blinder sehen. Außer, man ist unfehlbar, so wie der Papst. Oder hat Krauter einfach nur ein Faible für rote Schuhe? 

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Energiepolitik: Wer sich selbst schädigt, darf nicht auf Gnade hoffen. Daniel Stelter kommentiert im Handelsblatt den Energiestreit zwischen Deutschland und Frankreich. Der Autor sieht Frankreich als Sieger. 

“Auch wenn der französische Anlagenpark veraltet ist und einen Wartungsrückstand hat, muss die Bundesregierung anerkennen, dass Strom aus bereits bestehenden Atomkraftwerken nicht nur CO2-neutral, sondern vor allem auch unschlagbar billig ist. Berechnungen gehen davon aus, dass auch die deutschen Atomkraftwerke deutlich billiger Strom erzeugt hätten als Windparks und Solaranlagen. 

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „beyond the obvious“, Unternehmensberater und Autor. Jeden Sonntag geht auf www.think-bto.com sein Podcast online. Kann man Frankreich nun vorwerfen, dass es einen anderen Weg der Stromerzeugung gegangen ist als Deutschland? Die deutsche Energiewende – vom „Wall Street Journal“ als „dümmste Energiepolitik der Welt“ gebrandmarkt – taugt nicht als Vorbild. Frankreich ist dem vermeintlichen Vorbild nicht gefolgt und plant auch künftig nicht, es zu tun. Das Land will die historische Chance nutzen, mit billigerer Energie der Industriestandort der Zukunft zu sein, übrigens auch zur Erzeugung von günstigem Wasserstoff.” 

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Interessante Rumgeeier von Luisa Neubauer. Statt sich einfach von den Aussagen von Greta Thunberg zum Nahost-Konflikt zu distanzieren, wird anderweitig ordentlich auf den Putz gehauen. Ist die Schwedin als Gallionsfigur einfach zu wichtig? 

(Abbildung: Screenshot Twitter)  

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“So funktioniert die städtische Versorgung mit Energie und Gütern in Zukunft | „Was können wir mit smarter Technologie anders machen?“” 

So lautet ein Podcast vom SWR. Wer sich allerdings bahnbrechende Informationen erhofft, der wird enttäuscht. Am Ende kommt der Experte Dr. Simon Sadeeb Ottenburger vom KIT zu dem Ergebnis, dass es ganz gut wäre, wenn Quartiere oder Stadtteile einen Stromspeicher hätten für den Fall eines Strommangels. 

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Autofahren könnte deutlich teurer werden. Steigt der CO2-Preis, dann verteuert sich auch der Kraftstoff. Das berichtet der Focus

“Hohe Nachfrage trifft also auf geringes Tempo bei der Transformation. Die Berechnungen der Agora-Expertinnen und -Experten gehen daher davon aus, dass der CO2-Preis sofort auf 200 Euro pro Tonne steigen wird – ein Vielfaches des deutschen Preises, der 2026 höchstens 65 Euro betragen soll. Die Folge: Den Berechnungen zufolge würde der Benzinpreis daher vom 31. Dezember 2026 zum 1. Januar 2027 sprunghaft steigen, um 38 Cent pro Liter. „Es braucht jetzt ein durchdachtes Konzept, das auch Maßnahmen für den sozialen Ausgleich enthält“, sagte Simon Müller, Direktor der Deutschlandarbeit von Agora Energiewende, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. „Ansonsten landet die Last letztlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern.“” 

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Fritz Vahrenholt live: Am 26.10.2023 in Würzburg um 18:30 Uhr im Restaurant zur Feggrube. Details hier. Am selben Tag kann man Prof. Vahrenholt auch in Frankfurt bei einer Kernenergie-Veranstaltung erleben.

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Euractiv:

Slovakia’s nominee for envi-chief does not believe in climate change

The roster of EU environment ministers could soon include Rudolf Huliak, a man nominated by the Slovak National Party who believes the elite invented climate change to take away people’s cars.

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The Telegraph:

Electric cars risk becoming uninsurable

Difficulty pricing battery repairs forcing insurers to refuse cover

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Investopedia:

China Restricts Exports of Graphite, Key Mineral Used for Making EV Batteries

Move could make a shortage of graphite more likely as EV demand is soaring worldwide

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Martin Schlumpf berichtete am 4. September 2023 im Nebelspalter:

Fukushima: Einleitung des Kühlwassers ins Meer ist ungefährlich – Schlumpfs Grafik 80

Tepco, die Betreiberin der drei havarierten Kernkraftwerke in Fukushima Daiichi, hat vor wenigen Tagen zum ersten Mal mehrfach behandeltes Wasser ins Meer eingeleitet (siehe hier). Dieses Wasser stammt aus der Kühlung der Werke, die 2011 beim Kernschmelzunfall beschädigt wurden. Weil die Kapazität der grossen Tanks, in denen das Wasser gelagert wurde, langsam zu Ende ging, muss dieses Wasser nun entsorgt werden.

China und Südkorea haben die Einleitung des kontaminierten Wassers ins Meer stark kritisiert. China hat daraufhin sogar ein Einfuhrverbot von Fischereierzeugnissen aus der betroffenen Region angeordnet. Solche Reaktionen entbehren aber jeder vernünftigen Grundlage.

Was wichtig ist:

– Alle radioaktiven Substanzen mit Ausnahme von Tritium sind aus dem gespeicherten Kühlwasser in Fukushima herausgefiltert worden.

– Die Konzentration von Tritium im Wasser, das ins Meer abgelassenen wird, liegt mehr als 250-mal unter dem entsprechenden Grenzwert.

– Würde man täglich drei Liter vom Wasser trinken, das in Fukushima ins Meer eingeleitet wird, würde man weniger als ein Tausendstel der durchschnittlichen Strahlendosis der Schweiz erhalten.

Im April 2021 hat die japanische Regierung entschieden, dass das in Fukushima gelagerte Kühlwasser nach einer speziellen Reinigung innerhalb von dreissig Jahren ins Meer eingeleitet werden soll. Unmittelbar darauf hat die Regierung die Internationale Atomenergie Agentur (IAEA) ersucht, die Sicherheit dieser Lösung zu evaluieren. Nach aufwändigen Untersuchungen hat die IAEA 2023 einen umfassenden Bericht veröffentlicht (siehe hier), in dem sie bestätigt, dass die vorgesehene Einleitung des Kühlwassers allen internationalen Sicherheitsstandards entspricht.

Weiterlesen im Nebelspalter. Auch verfügbar auf schlumpf-argumente.ch.

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