Schwedens Atompläne

Der staatliche Konzern Vattenfalls gibt auf seiner Webseite die Pläne zum Ausbau von Kernenergie bekannt. Vattenfall setzt auf Small Modular Reactors SMR. Die Pressemeldung von Vattenfall steht im krassen Widerspruch von Aussagen einer Anti-Atom-Aktivisten. Diese hatten eine Änderung auf der Webeseite der schwedichen Regierung zum Anlass genommen zu behaupten, dass Schweden den Ausbau komplett einstellt. Das ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall. 

“Since the summer of 2022, a feasibility study has therefore been underway to examine the conditions for building at least two new SMR reactors (Small Modular Reactors) next to the Ringhals nuclear power plant. Already since 2020, Vattenfall has also participated in a pilot study together with Fermi Energia on building SMR in Estonia. 

During the autumn, Anna Borg, together with a delegation from Vattenfall, will visit a number of selected countries and companies where new nuclear power is being built. 

“Vattenfall wants to invest in new nuclear power as well as other fossil-free power types. We are an player with experience, competence and access to places where nuclear power already currently exists. At the same time, no new nuclear power has been built in Sweden for several decades. The purpose of the trip is therefore to deepen the understanding of how new construction of nuclear power can be done quickly and efficiently, lessons learned, pitfalls, background to technology choices and regulatory conditions. We will look at both SMR and large-scale nuclear power,” says Anna Borg.” 

Derweil hält Bundeskanzler Scholz laut Tagesschau die Kernenergie für ein totes Pferd. Dieses Bild ist richtig, denn das Pferd ließ man in Deutschland bewusst verhungern, insofern darf man sich über den Tod nicht wundern. Andere Länder reiten einfach voraus. Sie haben ihre Pferde gepflegt, siehe Schweden. Auch in Italien sattelt man das Pferd wieder, wie Euractiv berichtet. 

“However, in Italy, things could go in the opposite direction. 

Transport Minister and Deputy Prime Minister Matteo Salvini announced on Sunday his intention to push the accelerator on nuclear-derived energy production, which will also comply with the green energy policies imposed by the EU, at the Ambrosetti Forum in Cernobbio. 

Italy said no to nuclear power in a referendum on 8 November 1987, which led to the closure of several nuclear power plants. However, the referendum does not introduce any ban, nor is it necessary to repeat it to proceed with constructing nuclear power plants. An ordinary law outlining a national energy plan is sufficient. 

Nuclear power has broad support from all centre-right parties and was mentioned during the election campaign by Lega and Antonio Tajani’s Forza Italia (EPP) and Prime Minister Giorgia Meloni’s Fratelli d’Italia (ECR). 

“This will be a legislative government, and if we have worked well, I hope we will also have the next five years. Within that time, I count that this government, with the current conformation, will be able to inaugurate the first (energy) production derived from nuclear”, Salvini said. 

“I believe that Italy must, within this year, restart its research and participation in nuclear power. Italy cannot call itself out of it. I count that by 2023, this government will have the strength to explain to the Italians why, in the name of technological neutrality, we cannot say no to any energy source”, explained Salvini, who also did not spare the EU heavy criticism regarding tight budget constraints on public spending. 

“If Europe asks us for ambitious green goals on housing and cars with sacrifices for agriculture and fishing, it cannot put budget constraints that allow others to enter our house”, the League leader said.” 

Es wird noch etwas schräger, wenn man den deutschen Weg verfolgt Energie (Strom) zu verteuern, um sich dann zu fragen, ob man damit die eigene Industrie vielleicht schädigt. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer scheinen etwas zu ahnen. Laut MDR fordern die Bundesländer in Brüssel einen günstigeren Strom-Preis. Vielleicht, weil sie wissen, dass der eigene Bundeskanzler nichts davon hält? 

“Die Bundesländer wollen mit einem geförderten Industriestrompreis energieintensive Unternehmen unterstützen. Das „Handelsblatt“ berichtete, die 16 Regierungschefs der Bundesländer hätten gemeinsam eine „Brüsseler Erklärung“ abgegeben. Von der EU-Kommission forderten sie darin, dass die nationalen Regierungen einen subventionierten Strompreis einführen können sollen. 

In der Erklärung heißt es weiter, die gestiegenen Energiekosten seien ein „akutes Hemmnis für die Erholung der Konjunktur“. Das Handelsblatt zitiert: „Es muss daher den Mitgliedstaaten für einen Übergangszeitraum möglich sein, einen wettbewerbsfähigen Brückenstrompreis vor allem für energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen zu etablieren, bis bezahlbare erneuerbare Energien in hinreichendem Umfang zur Verfügung stehen.“” 

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Wie sehr kann man sich als Staatssekretär blamieren? Michael Kellner von den Grünen hat offenbar große Schwierigkeiten Leistung bei der Stromerzeugung richtig einzuordnen. Wie gut, dass einigen Lesern bei Twitter das auffiel und sie die Aussagen in den richtigen Kontext setzten. Hat Deutschland wegen solcher Denkdefizite möglicherweise seine Energieprobleme? 

(Abbildung: Screenshot Twitter)  

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Die neue Eis-Saison hat mit dem 1. September auf Grönland angefangen. Die abgelaufene Saison lag etwas über dem Mittelwert 1981-2010). Die neue Saison 2023-2024 ist gleich mit einem Zuwachs von 10 Gigatonnen gestartet. 

(Abbildung: Screenshot Polarportal.dk)  

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Bild:

Kritik von allen Seiten: Scholz in der Strom-Falle

In Sachen Energie wird es einsam um Kanzler Olaf Scholz (65, SPD). Die Zweifel, ob die Strom-Strategie der Ampel wirklich gut ausgeht, wachsen.

► Die FDP glaubt, dass es nicht ohne Atomkraft geht. Die Fraktion will den Rückbau der abgeschalteten Meiler stoppen.

Und kassierte dafür gestern im Deutschlandfunk ein Machtwort vom Kanzler: „Kernkraft ist in Deutschland ein totes Pferd.“

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Richard Tol in der FAZ:

DIE ORDNUNG DER WIRTSCHAFT

Das Ende ist noch nicht nah

Der Klimawandel ist ein Problem, aber nicht die Apokalypse. Die fehlgeleitete Angst vor dem Untergang verursacht Extremismus und eine übertriebene Klimaschutzpolitik.

Extinction Rebellion rebelliert gegen das mögliche Aussterben der Menschheit aufgrund des Klimawandels. Manche sind opti­mistischer. David Attenborough befürchtet, dass der Klimawandel nur das Ende der menschlichen Zivilisation bedeuten und uns alle zu Jägern und Sammlern machen wird. Andere sind pessimistischer. Bernie Sanders scheint zu glauben, dass der Klimawandel dem Planeten dasselbe antun wird, was dem fiktiven Planeten Alderaan passiert ist – er wurde zerstört. Wenn irgendetwas davon wahr oder auch nur annähernd wahrscheinlich wäre, würde ich mich der Rebellion anschließen. Aber das ist zum Glück nicht der Fall, also werde ich es nicht tun.

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Welt:

HILDEGARD MÜLLER: VDA-Chefin sieht Auto-Standort Deutschland durch hohe Energiekosten in Gefahr

Zum Beginn der IAA macht sich Deutschlands Autoindustrie für einen subventionierten Strompreis stark. Verbandsvertreterin Hildegard Müller sieht durch die hohen Energiekosten den Standort Deutschland in Gefahr. Unternehmen könnten in die USA abwandern.

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, schließt nicht aus, dass Deutschland als Branchenstandort auf der Strecke bleiben könnte. Zwar würden die deutschen Hersteller den Wettlauf um die Zukunft nicht verlieren, „der deutsche Standort ohne massive Reformen schon“, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur in einem gemeinsamen Interview mit Microsofts Deutschlandchefin Marianne Janik.

Müller beklagte vor Beginn der Automesse IAA unter anderem Überregulierung, zu langsame politische Entscheidungen und fehlende Rechtsrahmen bei Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz.

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Die meisten Klimaforscher halten nichts von Wirtschaftswachstum. Das zeigt einen Umfrage bei über 700 Wissenschaftlern. Damit stehen die Forscher mit ihrer Meinung quer zu der der Gesamtbevölkerung. Diese glaubt nämlich sehr wohl an grünes Wachstum. Alex Reichmuth hat die Resultate im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/klimaforscher-wollen-nichts-wissen-von-wirtschaftswachstum) aufbereitet.

Klimaforscher wollen nichts wissen von Wirtschaftswachstum

«Grünes Wachstum» ist in aller Munde. Die Vorstellung, dass unsere Wirtschaft dank nachhaltiger Technologien und klimaschonender Innovationen einen Sprung nach vorne schafft, ist weit verbreitet. Zahlreiche links-grüne, aber auch bürgerliche Meinungsführer versprechen der Bevölkerung, dass Energiewende und Klimaschutz ihren Wohlstand erhöhe. Auch mächtige Institutionen wie die Weltbank, die Europäische Union und die OECD bekennen sich zum «grünen Wachstum».

Nur: Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Ökonomen, die sich mit den Themen Erderwärmung und Klimaschutz befassen und darum einen vertieften Einblick in das Thema Nachhaltigkeit haben, glauben in der grossen Mehrheit nicht an «grünes Wachstum». Ein beachtlicher Teil von ihnen ist sogar äusserst wachstumskritisch eingestellt. Das zeigt eine Studie, die vor einigen Tagen in der renommierten «Nature»-Gruppe publiziert worden ist.

Mehr dazu im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/klimaforscher-wollen-nichts-wissen-von-wirtschaftswachstum).

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Welt:

CLEMENS FUEST: Top-Ökonom fordert Gasförderung in Deutschland mittels „Fracking“

Mehrere deutsche Ökonomen schlagen Schritte zur Reduzierung der hohen Energiepreise vor. Der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest fordert den Wiedereinstieg in die Kernkraft und eine eigene Gasförderung. Wirtschaftsweise Grimm verlangt Importpläne für Wasserstoff.

Führende Ökonomen des Landes fordern von der Bundesregierung weitreichende Schritte zur dauerhaften Reduzierung der hohen Energiepreise. „Der entschlossene Ausbau der erneuerbaren Energien ist richtig, reicht aber nicht.

Deutschland sollte sich breiter aufstellen. Dazu gehören der Wiedereinstieg in die Kernkraft, die Erforschung neuer Energien wie etwa die Fusionsenergie und die heimische Schiefergasförderung“, schrieb Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, in einem Beitrag für die WELT AM SONNTAG. Schiefergas ist in Steinen enthaltenes Erdgas und es kann nur mittels „Fracking“ gefördert werden.

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