Windkraft: Ausbauziele in Deutschland 2024 nicht mehr zu schaffen

Der MDR beschäftigt sich mit den Zahlen des Zubaus. 

“69 Gigawatt sind das Ziel. Aber diese im Diagramm rot eingefärbte Ziellinie wird Ende 2024 verfehlt, wahrscheinlich um etwa drei Gigawatt. Das geht aus einem Report des „Science Media Center Germany“ hervor, der auf Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur beruht. […] Ein Beleg für das schleppende Ausbautempo ist der schlichte Fakt, dass im Jahr 2023 bislang erst 1,46 Gigawatt neu in Betrieb genommen wurden. Im Zwei-Jahres-Zeitraum, auf den es ankommt, um das Etappenziel 2024 zu erreichen, sind also schon 29 Prozent der Zeit vergangen (sieben von 24 Monaten), es wurden aber erst 13 Prozent der gewünschten Windkraftleistung installiert.” 

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Hohe Preise und schwache Konjunktur senken Energieverbrauch. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen stellt seine Analysen des ersten Halbjahres 2023 vor. 

“Der Energieverbrauch in Deutschland lag in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rund 7 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes. Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) erreichte der inländische Primärenergieverbrauch im ersten Halbjahr 2023 eine Höhe von 5.561 Petajoule (PJ) beziehungsweise 189,7 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Das waren 7,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. 

Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen sind für den beträchtlichen Verbrauchsrückgang die hohen Energiepreise sowie die schwache konjunkturelle Entwicklung verantwortlich. Von der Witterung gingen im ersten Halbjahr geringe verbrauchssteigernde Effekte aus. Lediglich der im Zuge der aktuellen Flüchtlingsbewegungen zu verzeichnende Bevölkerungsanstieg sorgte für eine Erhöhung des Energieverbrauchs, die aber deutlich geringer ausfiel als die verbrauchssenkenden Effekte.” 

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Vielleicht ist es nicht das glücklichste Timing beim ZDF nach 2 regnerischen Wochen das Thema Dürre in den Vordergrund zu rücken. Stilecht mit einen Dürrebild. Immerhin wird erklärt, wie der Dürre-Monitor entsteht. Der berechnet die statistischen Abweichungen des Niederschlags. Es wird also nicht in 1,8 Meter Tiefe flächendeckend geprüft, das würde auch schlecht gehen. Allerdings führt das zu interessanten Bewertungen. Der Bereich der Voralpen hatte in den letzten 12 Monaten 1.000 – 1.200 mm Niederschlag. Dennoch wird es beim Dürremonitor z. T. mit schwerer bis außergewöhnliche Dürre angegeben. Gut möglich, dass die Niederschlagsmenge abwich und das Model dann eine Dürre berechnet, die in der Realität aber nicht unbedingt in dem Bereich gegeben sein muss. 

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Kein Windrad oder E-Auto ohne Ewigkeits-Chemikalien. Die FAZ über die Auswirkungen eines möglichen Verbots von sogenannten PFAS-Chemikalien. 

“Große deutsche Industrieverbände warnen vor einer Gefährdung der EU-Klimaziele bei einem umfassenden Verbot sogenannter Ewigkeits-Chemikalien. Kein Windrad, kein E-Auto, kein Energiespeicher, keine Halbleiter – ohne PFAS-Chemikalien ließen sich Schlüsseltechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität nicht produzieren, hieß es in einer Mitteilung von Autoindustrie (VDA), Maschinenbau (VDMA) sowie Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plädiert für einen differenzierten Umgang mit der Chemikaliengruppe. In der Europäischen Union wird über ein mögliches Verbot von PFAS diskutiert, die wegen ihrer Langlebigkeit auch Ewigkeits-Chemikalien genannt werden. Zu der Chemikaliengruppe zählen geschätzt über 10.000 einzelne Substanzen, die in Alltagsprodukten wie Anoraks, Pfannen oder Kosmetik verarbeitet sind. In der Industrie werden sie etwa in Dichtungen, Isolierungen oder Kabeln eingesetzt. Auch Lithium-Ionen-Batterien zum Beispiel für E-Autos oder Wasserstofftechnologien sind den Angaben zufolge auf PFAS angewiesen.” 

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Die Kohlenachfrage hat im letzten Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Das berichtet cnbc.com. Den Rückgang der Nachfrage in den USA und in Europa wiegen andere Länder wie China oder Indien auf. 

“Geographically, the picture in 2023 is mixed. “By region, coal demand fell faster than previously expected in the first half of this year in the United States and the European Union — by 24% and 16%, respectively,” the IEA said in a statement accompanying its report. “However, demand from the two largest consumers, China and India, grew by over 5% during the first half, more than offsetting declines elsewhere,” it added.” 

Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund interessant, dass Hans Werner Sinn für seine These des Leakage-Effekt gerade massiv in den sozialen Medien angegriffen wird. 

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Der Sommer biegt auf die Zielgerade ein. Wie ist der Stand der Talsperren im Harz? Zwischen 60 – 86% sind die Sperren gefüllt. Die größte Talsperre, die Granetalsperre sticht dabei heraus. 

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Gestohlener Wald. So lautet der Titel eines Radiofeatures der ARD. Es geht um illegal eingeschlagenes Holz aus Europa aber auch anderen Teilen der Welt. Aus den Infotext: 

“Auf Platz drei der Statistik über Organisierte Kriminalität steht, nach Drogenhandel und gefälschten Produkten, der illegale Handel mit Holz. Wer Holz verkauft, kann damit reich werden – so reich, dass Menschen dafür töten. Die Reporter treffen frustrierte Forstdirektoren, Ex-Mitglieder der rumänischen Holzmafia und Menschen, die sich Kriminellen in den Weg stellen. Und die Autoren recherchieren zu skrupellosen Händlern, die das seltene Teak aus Myanmar noch immer für Luxusyachten nach Europa exportieren – und so Millionen in die Kassen der Militärjunta spülen, die dort eine blutige Diktatur durchsetzt.” 

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Focus:

Enorme Kosten: Experten zerlegen Habecks riskantes 6-Cent-Konzept beim Industriestrom

Habecks teurer Plan für eine Industriestrom-Revolution trifft auf heftige Kritik. Sein 6-Cent-Konzept könnte den Staat bis zu 30 Milliarden Euro kosten. Experten warnen vor den finanziellen Risiken.

Der Plan von Bundeswirtschaftsminister Robert Habecks für einen staatlich subventionierten Industriestrompreis trifft auf zunehmenden Widerstand. Der Wissenschaftliche Beirat beim Finanzministerium hat nun seine Bedenken gegen Habecks Vorschlag geäußert, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

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Welt:

VATTENFALL-ABSAGE: Dann platzt die Hoffnung auf billigen Ökostrom

Die Nachricht aus Großbritannien lässt nichts Gutes ahnen: Vattenfall baut dort einen geplanten Offshore-Windpark doch nicht mehr, weil er sich einfach nicht mehr rechnet. Das Problem sind die stark gestiegenen Konstruktionspreise. Damit gerät auch die deutsche Energiewende in Gefahr.

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BILD:

GROSSE MANAGER-UMFRAGE: Diese Watschn tut Habeck richtig weh

Eine neue Umfrage zeigt: Deutschlands Manager sind unzufrieden wie nie mit Robert Habeck (53, Grüne). Nur noch 24 Prozent der befragten knapp 500 Vorstände, Geschäftsführer, Spitzenpolitiker und Behördenchefs bescheinigen Habeck, eine gute Arbeit zu machen.

Zum Vergleich: Im Dezember waren noch 47 Prozent mit Habecks Arbeit zufrieden. Vor einem Jahr sogar noch 91 Prozent, ergibt das „Elite-Panel“ des Instituts Allensbach für die „FAZ“. Ein beispielloser Absturz.

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Die Bundesverwaltung der Schweiz erhebt die Zahl der Hitzetote ab sofort alljährlich – angeblich, um die Gesundheitsvorsorge zu optimieren. Nichts wissen will der Bund offenbar aber von den Kältetoten, die gemäss wissenschaftlichen Studien viel häufiger vorkommen. Alex Reichmuth ist diesen Widersprüchen im Nebelspalter auf den Grund gegangen.

Der Röhrenblick des Bundes auf die negativen Folgen des Klimawandels

Der Bund erfasst die hitzebedingten Todesfälle ab sofort jedes Jahr. Dies hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor einigen Tagen bekannt gegeben (siehe hier). Bisher sei die Zahl der Hitzetoten in der Schweiz nur «punktuell nach den Hitzesommern» ermittelt worden, schrieb das Amt. So war es im Sommer 2022, als der Bund 474 Todesopfer zählte. Von nun an wolle man permanent erfassen, wie viele Menschen wegen hoher Temperaturen ums Leben kommen.

Die «Tagesschau» von SRF berichtete prominent über die Ankündigung des BAG (siehe hier). Demnach gehe es dem Bund darum zu analysieren, «welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Gesundheit hat». Nur: Wenn man diese Auswirkungen ganzheitlich erfassen will, müsste man auch die Zahl der Kältetoten erheben. Denn gemäss übereinstimmenden Resultaten vieler Studien kommen viel mehr Menschen wegen tiefer als wegen hoher Temperaturen ums Leben (siehe hier).

Weiterlesen im Nebelspalter.

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Ella Gilbert und Caroline Holmes in The Conversation:

Antarctica is missing a chunk of sea ice bigger than Greenland – what’s going on?

Deadly heatwavesraging wildfires and record global temperatures are upon us. But far from the flames, at the southernmost tip of the planet, something just as shocking is unfolding.

It’s Antarctic winter, a time when the area of floating sea ice around the continent should be rapidly expanding. This year though, the freeze-up has been happening in slow motion.

After reaching a record low minimum extent this summer there is now an area of open ocean bigger than Greenland. If the “missing” sea ice were a country, it’d be the tenth largest in the world.

Who cares about Antarctic sea ice?

In the face of more immediate climate concerns, why does Antarctic sea ice matter?

Floating sea ice is a pivotal climate puzzle piece. Without it, global temperatures would be warmer because its bright, white surface acts like a mirror, reflecting the sun’s energy back to space. This keeps the Antarctic – and by extension, the planet – cool.

Antarctic sea ice also plays a particularly important role in controlling ocean currents and may act as a buffer that protects floating ice shelves and glaciers from collapsing and adding to global sea levels.

In short, the loss of Antarctic sea ice matters for the whole planet.

Southern sea ice: a short history

Every year Antarctic sea ice undergoes a transformation: from its summer minimum in February, its area increases more than sixfold during the winter freeze-up which reaches its height in September. A clear way to monitor the health of Antarctic sea ice is to track these peaks and troughs.

Records began in 1979 and until 2015, the yearly average extent of frozen sea around Antarctica was increasing ever so slightly. Yet in the past seven years, Antarctic sea ice has changed dramatically.

After a record high two years prior, the amount of sea ice fell dramatically at the end of 2016 to a record minimum in February 2017. This was followed by successive low years with the southern hemisphere summer record again being broken in February 2022 and most recently, a new lowest extent of 1.79 million square kilometres being recorded in 2023, a fall of nearly 10% from last year’s summer record.

Since February 2023, slow regrowth has meant sea ice has fallen further and further behind where it should be for the time of year.

And now, in July, what we’re seeing is truly remarkable.

A complex picture

Antarctic sea ice, and how it’s affected by climate change, has been so hard to understand because there are so many factors at play.

Wind patterns, storms, ocean currents and air and ocean temperatures all affect how much of the sea around Antarctica is covered by ice and they often push and pull in different directions. This means it can be hard to link the behaviour of Antarctic sea ice in any particular year, or over several years, to just one factor.

This complexity is behind the perplexing increase in Antarctic sea ice extent observed between 1979 and 2015, and what makes it so hard to understand current conditions.

Before 2015, contrasting trends in sea ice growth in different regions of the vast continent mostly counterbalanced each other. What’s remarkable about 2023 is that these regional differences are largely absent.

How rare is it?

This year’s record low summer minimum and record slow freeze-up are astonishing because they fall so far outside the range we have come to expect.

Antarctic sea ice varies a lot year-to-year, but even by Antarctic standards this is well outside the bounds of normality. Some experts have attempted to put a number on just how rare this would be without climate change and arrived at “a once in 7.5-million-year event”.

However, while the current situation is certainly off the charts, those charts don’t go back very far, and so it’s hard to make these sorts of statements with any real certainty.

Given how complex a system it is, we can’t say conclusively whether the past 40 years (the period for which we have satellite observations) are an accurate reflection of the “natural” behaviour of Antarctic sea ice. In fact, there’s good reason to think they aren’t. Which makes it difficult to say exactly how unusual this year’s values are.

However, while we may not be able to put an exact number on it, we know that this is a rare event.

Is it climate change?

Compared with Arctic sea ice, the precipitous decline of which can be robustly linked to rising temperatures, Antarctic sea ice has proved more enigmatic.

In response to greenhouse gas emissions, models have long predicted a drop in Antarctic sea ice: a prediction that previously appeared at odds with the data.

As the ocean and atmosphere warm, we might expect sea ice sandwiched between the two to shrink. But as scientists have come to learn, Antarctic sea ice is more complicated than that.

Models seem unreliable on this topic, which means we still don’t know what Antarctic sea ice decline will look like. And while seven days may be a long time in politics, seven years is a short time when it comes to the climate. It is too early to say conclusively whether the recent dramatic fall in Antarctic sea ice extent is simply a blip in the record or, as now seems more likely, the first sign of a longer-lasting reduction induced by climate change.

What happens in Antarctica doesn’t stay in Antarctica

Regardless of the vagaries of Antarctic sea ice behaviour, the polar regions play a vital role in the climate system. And they are changing before our very eyes.

Antarctica isn’t just for the penguins: it matters for all of us.

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Hier noch die Entwicklung des arktischen (blau) und antarktischen (rot) Meereises aus Climate4You.com:

Nun wird auch klar, weshalb man in der Presse aktuell so wenig über das ARKTISCHE Meereis hört…

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