Kohle hält den Laden am Laufen

Kohle hält den Laden am Laufen. So spottet in einem Bezahlartikel das Wallstreet Journal über den Energiewendeweg in Europa und ganz besonders in Deutschland. Dort kommt massenhaft Kohle zum Einsatz. 

“Germany did itself and Europe a favor by managing to avert an energy-shortage recession this winter, and now we know how they did it: supposedly evil coal. Data released Thursday show coal’s role in electricity generation growing in Germany for the second year running. 

Coal accounted for 33.3% of electricity production in 2022, according to the Federal Statistical Office, up from 30.2% in 2021. This is partly because coal picked up some of the slack from natural gas—whose share of electricity production dropped to 11.4% from 12.6%—as a halt of gas imports from Russia forced Germany to use other fuels.” 

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Die Verkehrswende schafft Arbeitsplätze. Leider nicht in Deutschland. Volkswagen wird laut n-tv eine Batteriefabrik in Kanada im Bundesstaat Ontario bauen. Dort wird Strom zum überwiegenden Teil aus Kernenergie und Wasserkraft gewonnen. Mit beidem kann Deutschland nicht dienen. Offensichtlich lockt auch die Versorgung mit Rohstoffen. 

“Volkswagen baut seine erste Batteriezellfabrik außerhalb Europas in Kanada. In St. Thomas in der Provinz Ontario solle 2027 mit der Produktion von Einheitszellen begonnen werden, teilte der Konzern nach wochenlangen Verhandlungen in Salzgitter mit.  

Das Batteriezellwerk soll neben der kürzlich beschlossenen Fabrik für die neue Marke Scout im US-Bundesstaat South Carolina dem Konzern helfen, mit E-Autos den wichtigen Markt in Nordamerika zu erobern. Die Entscheidung für Kanada begründete Volkswagen damit, dass das Land ideale Voraussetzungen bei der Versorgung mit Rohstoffen und dem Zugang zu grünem Strom habe. Einzelheiten zur Gigafabrik in Kanada will Volkswagen „in naher Zukunft“ nennen.” 

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Kipppunkt-Trickserein.  

Sie gelten als das Nonplusultra in der Klimadebatte: Kipppunkte. Das Schöne an ihnen ist, dass man auch gern mal vermuten und schätzen kann. Wer will das Gegenteil beweisen? Konjunktive haben daher leichtes Spiel in Artikeln über Kipppunkte. Axel Bojanowski hat sich die Situation und vor allem die Entstehung der Kippunkte in der Klimadebatte angesehen in einem Bezahlartikel in der Welt

“Der Begriff „Kipppunkte“ veränderte die Klimadebatte: Er werde verwendet, um „ein politisches Problem zu lösen, indem die öffentliche Wahrnehmung auf neue und substanzielle Weise umstrukturiert wird“, kommentierten Chris Russill von der Carleton University und Zoe Nyssa von der University of Chicago 2009 im Fachblatt „Global Environmental Change“.  

Ein Jahr nach ihrer Umfrage publizierte Schellnhuber zusammen mit Kollegen erneut über Kipppunkte in „PNAS“, diesmal eine Umfrage unter 43 Klimaforschern. Die Gutachter akzeptierten sie diesmal als richtige Studie, allerdings blieb deshalb von dem alarmierenden Duktus des vorherigen Aufsatzes wenig übrig: „Ungenaue Wahrscheinlichkeitsabschätzung von Kipppunkten im Klimasystem“, hieß die Arbeit.  

Der Text offenbarte, dass es für Kipppunkte-Alarm zu früh schien: „Obwohl die Expertenschätzungen eine große Unsicherheit hervorheben, weisen sie einigen der oben aufgeführten Ereignisse eine signifikante Wahrscheinlichkeit zu“, schrieben Schellnhuber und seine Kollegen ungewohnt zurückhaltend. Die Arbeit ging unter im Vergleich zur vorherigen, sie erreichte nur einen Bruchteil der Zitate.” 

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Die Aktivisten der Letzten Generation sind frustriert. Es scheint eine Liste zu geben, und wer auf dieser Liste steht, dem wird der Zugang zum Bundestag verwehrt. Die Aktivisten gehören dazu. Das berichtet Tag24

“Allerdings stehen alle Personen, die sich an den Protesten beteiligt haben, gesammelt auf einer schwarzen Liste, die ihnen den Zugang zum Bundestag untersagt, selbst wenn sie dort auf Einladung erscheinen, wie die Umweltgruppe am Montagmorgen in einer Presseerklärung mitteilte. Seit Beginn der Protestaktionen finden demnach bereits Diskussionen auf bundespolitischer Ebene statt. „Abgeordnete von CDU, FDP, SPD, Grüne und Die Linke laden uns zu Gesprächen in den Bundestag ein“, erklärte Pressesprecherin Carla Hinrichs (26), die kürzlich vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Die Letzte Generation beklagt jedoch, dass allen Menschen, die im Zusammenhang mit der Gruppe stehen, der Zutritt in den Deutschen Bundestag untersagt werde. Wer auf besagter Liste steht, erhalte vom zuständigen Sicherheitsdienst ausnahmslos keinen Eintritt.” 

Sie würden doch nur das Gespräch suchen, schrieben sie auf Twitter. Keine Aktionen mehr, Ehrenwort. Jetzt wird ihnen aber dennoch der Zutritt verwehrt, selbst wenn die Aktivisten von Abgeordneten eingeladen werden. Vielleicht hat man im Bundestag die Aktionen nicht vergessen, bei denen die Aktivisten Feueralarm ausgelöst hatten und für teure Einsätze der Feuerwehr sorgten. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. 

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Montelnews wagt eine Prognose über den Gasspeicherstand. Je nach Witterung könne der auf 54% absinken, was aber immer noch deutlich mehr wäre als die 26,6% nach dem Winter 2021/2022. 

“Im Fall von besonders warmen Temperaturen ging die Ines jedoch davon aus, dass der Tiefstand der Speicher zum Winterende 66% erreichen dürfte. Zuletzt waren die Speicher zu 64,4% gefüllt, während es nach dem Winter 2021/2022 die deutschen Speicher 26,6% gewesen waren, zeigten Daten von Gas Infrastructure Europe. In ihrer Prognose von vor einem Monat war die Initiative noch davon ausgegangen, dass sehr kalte Temperaturen den Füllstand bis auf 23% sinken lassen könnten, wie Montel berichtete. Den Wert für sehr warmes Wetter hatte die Ines vor einem Monat jedoch noch bei 74% angesetzt. Der Gasverbrauch lag im Februar um 12,5% niedriger als im Vorjahresmonat, auch wenn die Einsparungen nicht ganz so hoch ausfielen wie im Januar mit noch 20,9%, stellte Ines fest.” 

Der Chef der Bundesnetzagentur, der Grüne Klaus Müller, hält die Gasmangellage bei der Deutschen Welle für überwunden. 

“Müller rechnet zudem mit einem Ende der Preisschwankungen. „Gas kostet aktuell wieder so viel wie im Dezember 2021. „Hauptsächlich, weil Europa seine Gasspeicher erfolgreich aufgefüllt und damit möglichen Spekulationen die Grundlage entzogen hat“, sagte er. „Viel spricht dafür, dass wir ein Preisplateau erreicht haben, mit dem wir die nächsten ein bis zwei Jahre rechnen können.“ Es gebe aber drei große Risikofaktoren: „Der nächste Winter kann kälter werden. Chinas gerade niedrigerer Gasverbrauch kann wieder ansteigen. Und der Anschlag auf die Nordstream-Pipelines hat gezeigt, dass es ein Sicherheitsrisiko für die Gasinfrastruktur gibt.“ 

Ein steigender Gasverbrauch führe wieder zu hohen Gaspreisen, so Behördenchef Müller 

Der Behördenchef warnte aber davor, jetzt mit dem Sparen etwa beim Heizen oder Duschen aufzuhören. „Das wäre nicht nur sehr teuer, sondern auch unsolidarisch“, sagte er. Ein steigender Gasverbrauch führe am Ende auch zu höheren Gaspreisen für Industrie. „Außerdem gilt: Jede Kilowattstunde, die wir jetzt einsparen, müssen wir im Sommer nicht mehr teuer einkaufen, um die Gasspeicher wieder aufzufüllen.” 

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Giftige Kältemittel in Wärmepumpen 

Agrarheute über das Problem und über das Lobbying nach dem Motto: Kinners, an irgendetwas müssen wir alle mal sterben, dann wenigsten im Glauben, dass es dem Klima genutzt hat. Was ist schon etwas Gift, wenn wir eh bald alle verglühen? 

“Das Herzstück jeder Wärmepumpe ist ein Kältemittel. Es ist entscheidend für die Wirksamkeit einer Wärmepumpe. Das Kältemittel fließt in einem Kreislauf, nimmt Wärme von außen auf und wird komprimiert. Dadurch erhitzt es sich. Dann gibt es die gewonnene Wärme an das Heizsystem des Hauses ab. Wenn es abkühlt, startet der Kreislauf von vorne. 

Hierbei stößt man jedoch auf ein Problem: In fast jedem Kältemittel befinden sich künstliche Gase der Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Weil diese F-Gase für giftig und persistent erachtet werden, sollen sie in Europa in ein paar Jahren überwiegend verboten sein. 

Giftige Gase im Kältemittel birgt Risiken 

Trotzdem sich das Kältemittel in Wärmepumpen eigentlich in einem geschlossenen Kreislauf befindet gibt es ein Risiko: Vor allem bei der Entsorgung kann es zu Austritten kommen. Deshalb soll das Gift aus den Pumpen raus. Dagegen gibt es jedoch Widerstand. Viele interne Dokumente wurden zwischen der Regierung und der Industrie ausgetauscht – die Argumente für den weiteren Einsatz der Substanz sind bedenklich. Die Begründung der Lobby: Ohne F-Gase seien die Klimaziele nicht erreichbar.” 

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Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig:

Globale Studie: Wenige der ökologisch wertvollsten Böden sind geschützt

Orte mit ökologisch besonders wertvollen Böden werden nur unzureichend durch bestehende Schutzgebiete abgedeckt. Das ist die Schlussfolgerung einer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist. Ein internationales Forschungsteam ermittelte hierfür verschiedene bodenökologische Werte. Diese unterschieden sich stark zwischen den Erdteilen. So war in Ökosystemen gemäßigter Breiten die lokale Bodenbiodiversität besonders hoch, während in Böden kühlerer Klimate Ökosystemdienstleistungen wie Kohlenstoffspeicherung hohe Werte erreichten. Die neue Studie zeigt, wo Schutzmaßnahmen am nötigsten ist.

Dicht unter unseren Füßen liegt eine Welt voller Leben. Böden sind die Heimat von Milliarden Fadenwürmern, Insekten, Pilzen, Bakterien und vielen anderen Lebewesen. Doch wir sind uns dieser Vielfalt und ihrer Bedeutung für die Ökosysteme wenig bewusst. Ohne Böden gäbe es kaum Leben auf dem Festland und sicherlich keine Menschen. Ein Großteil der Lebensmittel, die wir verzehren, hängt direkt oder indirekt von der Bodenfruchtbarkeit ab. Böden sind jedoch auch anfällig für Änderungen des Klimas oder der Landnutzung. Um bodenökologische Werte zu erhalten, müssen wir wissen, wo ihr Schutz am dringendsten ist. Für Pflanzen und Tiere, die über und auf dem Boden leben, wurden bereits vor Jahrzehnten Hotspots der biologischen Vielfalt ermittelt. Für bodenökologische Werte dagegen gab es bisher keine solche Erhebung.

Erstmals mehrere bodenökologische Werte gemeinsam analysiert

In der Fachzeitschrift Nature hat ein Team internationaler Forschender unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Universität Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Instituto de Recursos Naturales y Agrobiología de Sevilla (IRNAS) die erste globale Schätzung von Hotspots bodenökologischer Werte veröffentlicht. Sie untersuchten in Böden weltweit die biologische Vielfalt (Wirbellose, Pilze, Protisten, Bakterien und Archaeen) sowie Indikatoren für Ökosystemdienstleistungen. Dafür führten sie über 10.000 Beobachtungen in 615 Bodenproben aus allen Kontinenten durch. Mit diesen Beobachtungen erfassten sie drei bodenökologische Dimensionen: (1) lokalen Artenreichtum, (2) Einzigartigkeit der Artengemeinschaft und (3) Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung oder Wasserregulierung.

Erdteile mit unterschiedlichen bodenökologischen Werten

Jede der drei bodenökologischen Dimensionen erreicht ihre höchsten Werte in verschiedenen Erdteilen. So wiesen Böden in gemäßigten Ökosystemen den höchsten lokalen Artenreichtum auf, während in ariden Ökosystemen und in den Tropen die Einzigartigkeit der Artengemeinschaft besonders hoch war. Erstautor Dr. Carlos Guerra erklärt: „Wenn man in einem europäischen Boden gräbt, zum Beispiel in einem Wald, findet man viele verschiedene Arten an einem Ort. Wenn man einige Kilometer weiterfährt, findet man ähnliche Arten. Nicht so in den Tropen, wo man ein paar Kilometer entfernt völlig andere Artengemeinschaften finden kann.“ Guerra begann die Arbeit an dem Projekt bei iDiv und der MLU und arbeitet jetzt bei iDiv und der Universität Leipzig.
Anders als die beiden Dimensionen biologischer Vielfalt erreichte die Dimension Ökosystemdienstleistungen ihre höchsten Werte meist in den kälteren Erdteilen.

Schutz ökologisch wertvoller Böden

Die unterschiedliche räumliche Verteilung der drei bodenökologischen Dimensionen macht es schwer, alle drei gleichzeitig zu schützen. „Das ist schwieriger als bei Pflanzen und Säugetieren, wo die verschiedenen Dimensionen meist stärker übereinstimmen“, sagt Carlos Guerra. „Wenn es um den Schutz der Böden geht, können wir nicht lokal alle bodenökologischen Dimensionen gleichzeitig maximieren. Stattdessen brauchen wir integrierte Ansätze, die das lokale Potenzial hervorheben.“ Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es den Forschenden Hotspots zu identifizieren, die für den Bodennaturschutz höchste Priorität haben sollten. Diese befinden sich hauptsächlich in den Tropen, in Nordamerika, Nordeuropa und in Asien.

Bodennaturschutz priorisieren

Die Forschenden verglichen die ermittelten bodenökologischen Hotspots mit vorhandenen Schutzgebieten. Sie stellten fest, dass die Hälfte der Hotspots derzeit nicht unter Naturschutz steht. „Schutzgebiete wurden vor allem zum Schutz von Pflanzen, Vögeln oder Säugetieren ausgewählt“, sagt der Erstautor Dr. Manuel Delgado-Baquerizo vom Instituto de Recursos Naturales y Agrobiología de Sevilla. „Wir müssen die Böden, ihre biologische Vielfalt und ihre Leistungen in unsere Betrachtung einbeziehen. Deshalb müssen Regierungen und Entscheidungsträger den Schutz der Böden im Rahmen der internationalen Verhandlungen über die Biodiversitätsziele für 2030 als Priorität festlegen.“ Die neue Studie kann hierbei helfen, da sie zeigt, wo der Bodennaturschutz am dringendsten ist.

Paper: Guerra, C. A., et al. (2022). Global hotspots for soil nature conservation. Nature. DOI: 10.1038/s41586-022-05292-x

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