Wissenschaft über die Unabhängigkeit von (Klima)Wissenschaft

Von Frank Bosse

Eine neue Arbeit (noch nicht abschließend begutachtet, ein „Preprint“) beschäftigt sich mit diesem heiklen Punkt. Wie unabhängig sind Studien, über die später in Medien berichtet wird oder auch nicht, je nachdem, was herausgefunden wird? Die Arbeit hat dazu eine Klimafrage herausgepickt:  

Hat der Klimawandel einen bedeutenden Einfluss auf tropische Stürme?  

Dazu wurden 82 Studien analysiert und geordnet. Besonders wichtig war den Machern der Arbeit, ob bestimmte Studienautoren einem möglichen Interessenkonflikt durch Verbindungen zu Regierung, zu Finanziers, zu Nichtregierungsorganisationen usw. ausgesetzt sind. Aber auch der „Impact Factor“ des jeweiligen Journals wurde untersucht, um zu klären, ob bestimmte „High Impact“ Journale wie Nature und Science deutlich mehr als der Rest den Klimazusammenhang veröffentlichten.  

Allgemein wurde gefunden, dass kein einziger Autor mögliche Interessenkonflikte offenlegte, obwohl es sehr wohl welche gab, sei es durch eine Förderung oder durch „Vormagnetisierung“, durch Mitarbeit bei Aktivistengruppen. Es folgt der dringende Rat an alle Journale, auf diese Erklärung konsequent zu bestehen.  

Und ja: Es gibt zwei hoch signifikante Zusammenhänge: Der „Impact Factor“ spielte eine große Rolle: Je höher in der Rangliste ein Journal rangiert, desto „sicherer“ der berichtete Zusammenhang zwischen den Eigenschaften von tropischen Stürmen und dem Klimawandel.  
Ein schönes Beispiel ist diese Studie in „Nature“, erschienen im November 2020. Darin wurde ein enger Zusammenhang der Abklingzeit des jeweiligen Sturmes nach seinem Landgang mit den Oberflächentemperaturen der Ozeanteile (SST) konstruiert, die der Sturm vorher passierte.  
Da die mit der Klimaerwärmung ansteigen, so die Folge, bleibt die zerstörerische Windgeschwindigkeit von Stürmen länger höher nach dem Landgang und damit steigen auch mögliche Schäden mit dem Klimawandel. Klingt plausibel? Der Zusammenhang besteht nur statistisch praktisch nicht.  

Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung kritisierte der Autor dieser Zeilen die verwendete Statistik. Die „Nature“ Studie hatte tatsächlich die Mitteltemperatur einer ganzen Saison als die tatsächlich wirkende für einen einzelnen Sturm benutzt, obwohl je nach Monat (Juni-November sind möglich bei Hurricanes) die realen SST um bis zu 2 Grad Celsius jährlich variieren. Vermeidet man diesen Fehler, so schnurrt der Zusammenhang zwischen tatsächlichen SST und der Abklingzeit eines Sturmes von 53% auf lächerliche 4% zusammen. Später widmeten sich andere Forscher der Sache, sie verfassten einen Kommentar auch mit diesen Argumenten, der wurde nach „nur“ 16 Monaten von „Nature“ auch angenommen. Die (wilden) Stories in Medien dazu (z. B. diese) waren schon lange wieder vergessen, fanden jedoch mit Sicherheit interessierte Konsumenten, die das, was da stand für bare Münze nahmen und womöglich noch nehmen. Sie sind und bleiben fehlinformiert, trotz (oder wegen?) Erscheinens der Arbeit infrage in “Nature”. Aber: Nicht JEDE Arbeit in “Nature” oder “Science” ist zwingend schlecht.  

Wissenschaft hat eine hohe Verantwortung. Leider kommt sie dieser Verantwortung nicht genug nach. Bestimmte Medien gieren nur so nach „Klimawandel-Nachrichten“ und eine genaue Analyse der zugrundeliegenden Arbeiten unterbleibt dabei natürlich. Hauptsache die Überschrift knallt. 

Der zweite hoch signifikante Zusammenhang für einen (viel zu sicheren) Zusammenhang zwischen tropischen Stürmen und dem Klimawandel in der oben verlinkten Preprint-Arbeit: Der Einfluss von Nichtregierungs-Organisationen (NGO). Hier sind welche aufgeführt. Besteht zwischen einer und den Autoren einer Studie ein Zusammenhang, so ist das Ergebnis hoch signifikant vorgegeben: „Ja, es ist Klimawandel.“ Man macht also als interessierter Leser keinen signifikanten Fehler, die betreffende Arbeit erst gar nicht zu lesen und Zeit zu verschwenden. Das Ergebnis ist mit sehr hoher Sicherheit bereits vorgegeben, wenn einer der Autoren Verbindungen zu NGOs hat. Er hat eine Mission. Leider beeinflussen so NGOs auch sehr effizient öffentliche Wahrnehmung, das wird im Journal selbst leider nicht offengelegt.  

Im Sinne von Wissenschaft und dem Vertrauen in sie als fortgesetztes Suchen nach der Wahrheit ist das nicht.  

Am Ende ist es wohl so: Hochpolitisierter und/oder wirtschaftlich interessanter Kontext (in der Arbeit wird nicht zuletzt auch Medizin-u. Pharmainhalt erwähnt) ist ein wissenschaftliches Minenfeld.  
Der Konsument von medialen Meldungen ist immer wieder zur kritischen Auseinandersetzung aufgerufen. Oder wie ein Spruch so treffend formulierte:  

„Eine jüngste Studie der NASA hat gefunden, dass die meisten Meldungen falsch sind, die mit „eine jüngste Studie der NASA hat gefunden“ beginnen.“               

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