Weltweite Wald- und Vegetationsbrände gingen während der Corona-Lockdowns zurück

Quelle: Phys.org, https://phys.org/news/2026-10-global-wildfires-decreased-covid-lockdown.html, Autor: Cell Press, 9. Oktober 2026

Die weltweiten Einschränkungen des öffentlichen Lebens während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hatten offenbar auch erhebliche Auswirkungen auf die Häufigkeit von Wald- und Vegetationsbränden. Eine neue wissenschaftliche Studie, die in der Fachzeitschrift Cell Reports Sustainability veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Zahl der registrierten Brände während der ersten sechs Monate des Jahres 2020 weltweit um 12,3 Prozent zurückging. Gleichzeitig offenbart die Untersuchung ein komplexes Zusammenspiel zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Auftreten von Vegetationsbränden. Während der Mensch in vielen Regionen eine wesentliche Ursache für die Entstehung von Bränden darstellt, trägt er andernorts durch Überwachung, Brandbekämpfung und gezielte Landschaftspflege dazu bei, Feuer zu verhindern oder einzudämmen.

Ein internationales Forschungsteam um Jianghao Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften untersuchte die Auswirkungen der pandemiebedingten Einschränkungen auf das globale Brandgeschehen. Hierzu kombinierten die Wissenschaftler satellitengestützte Beobachtungen von Feuerereignissen mit meteorologischen Daten, staatlichen Lockdown-Maßnahmen und Informationen über die Mobilität der Bevölkerung. Die Brandaktivität im ersten Halbjahr 2020 wurde mit den entsprechenden Zeiträumen der Jahre 2013 bis 2019 verglichen. Auf diese Weise wollten die Forscher herausfinden, wie sich die drastische Verringerung menschlicher Aktivitäten auf die Entstehung und Ausbreitung von Vegetationsbränden auswirkte.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen weltweiten Rückgang der registrierten Feuerereignisse. Neben der um 12,3 Prozent geringeren Zahl von Bränden wurden auch kleinere verbrannte Flächen und niedrigere Kohlenstoffemissionen im Vergleich zu den historischen Durchschnittswerten festgestellt. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in Waldgebieten, wo die Zahl der Brände um mehr als 27 Prozent abnahm. In Graslandschaften betrug die Verringerung mehr als acht Prozent. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass insbesondere Waldökosysteme in erheblichem Umfang von menschlich verursachten Feuerentzündungen betroffen sind.

Allerdings verlief die Entwicklung regional höchst unterschiedlich. In Australien sank die registrierte Brandaktivität um bemerkenswerte 79 Prozent, während in den Vereinigten Staaten ein Rückgang von nahezu 23 Prozent festgestellt wurde. Demgegenüber nahm die Zahl der Feuerereignisse in Kolumbien um 31 Prozent und in Honduras sogar um 70 Prozent zu. Die Untersuchung verdeutlicht damit, dass eine Verringerung menschlicher Aktivitäten keineswegs überall zu weniger Bränden führt.

Die Wissenschaftler erklären diese gegensätzlichen Entwicklungen mit der unterschiedlichen Rolle des Menschen im jeweiligen regionalen Brandgeschehen. In zahlreichen Gebieten entstehen Feuer durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise durch unbeaufsichtigte Lagerfeuer, weggeworfene Zigaretten oder andere Zündquellen. Wenn sich weniger Menschen im Freien aufhalten, verringert sich entsprechend die Wahrscheinlichkeit solcher Brandauslöser. In anderen Regionen kann die Abwesenheit des Menschen jedoch den gegenteiligen Effekt haben. Dort tragen regelmäßige Kontrollen, Patrouillen und Maßnahmen zur Brandbekämpfung entscheidend dazu bei, entstehende Feuer frühzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung zu verhindern.

Während der Lockdowns wurden vielerorts auch die Aktivitäten zur Überwachung und Bekämpfung von Vegetationsbränden eingeschränkt. Dadurch könnten manche Feuer länger unentdeckt geblieben sein oder erst verspätet bekämpft worden sein. Die regional beobachtete Zunahme der Brandaktivität könnte deshalb zumindest teilweise auf eine geringere menschliche Präsenz und reduzierte Kapazitäten des Feuermanagements zurückzuführen sein. Die Forscher betonen allerdings, dass diese Zusammenhänge regional unterschiedlich ausgeprägt sind und nicht sämtliche Veränderungen allein durch die Lockdown-Maßnahmen erklärt werden können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Untersuchung betrifft kontrollierte Feuer, die gezielt eingesetzt werden, um brennbares Pflanzenmaterial zu reduzieren und dadurch das Risiko größerer, unkontrollierter Waldbrände zu verringern. Solche Maßnahmen gehören insbesondere in Nordamerika zu den etablierten Instrumenten des vorbeugenden Feuermanagements. Das Forschungsteam analysierte deshalb zusätzlich Daten aus zwölf Ländern, darunter die Vereinigten Staaten und Kanada, für die detaillierte Aufzeichnungen über kontrollierte Brände vorlagen.

Dabei zeigte sich, dass die im Jahr 2020 durch kontrollierte Feuer behandelte Fläche auf ungefähr die Hälfte des historischen Durchschnitts zurückging. Dieser Rückgang könnte einen Teil der insgesamt geringeren Brandaktivität erklären, da auch absichtlich gelegte und kontrollierte Feuer in den entsprechenden Statistiken berücksichtigt werden können. Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, ob die beobachtete Abnahme der Brandereignisse auch nach Berücksichtigung dieser Veränderungen bestehen blieb.

Das Ergebnis war eindeutig: Selbst unter Berücksichtigung des Rückgangs kontrollierter Feuer verringerte sich die Zahl der Brandereignisse in den zwölf untersuchten Ländern nach Einführung der Lockdown-Maßnahmen um mehr als 27 Prozent. Damit lässt sich die insgesamt geringere Brandaktivität nicht allein auf den reduzierten Einsatz kontrollierter Feuer zurückführen. Vielmehr sprechen die Ergebnisse dafür, dass die allgemeine Einschränkung menschlicher Aktivitäten einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von Vegetationsbränden hatte.

Die Studie liefert damit neue Erkenntnisse über die doppelte Rolle des Menschen im globalen Feuerregime. Einerseits ist menschliches Verhalten eine bedeutende Ursache für die Entstehung von Wald- und Vegetationsbränden. Andererseits können menschliche Eingriffe dazu beitragen, Brände zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung zu begrenzen. Welche dieser beiden Wirkungen überwiegt, hängt offenbar stark von den jeweiligen regionalen Bedingungen ab.

Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftler wichtige Konsequenzen für das zukünftige Feuermanagement ab. In Regionen, in denen menschlich verursachte Zündquellen dominieren, könnten strengere Regeln für den Umgang mit offenem Feuer und eine bessere Kontrolle potenzieller Brandursachen die Zahl der Feuerereignisse deutlich verringern. In abgelegenen Gebieten mit geringer menschlicher Präsenz und begrenzten Möglichkeiten zur Brandbekämpfung könnte dagegen der Ausbau von Überwachungsmaßnahmen und Patrouillen besonders wirksam sein.

Die Forscher warnen deshalb vor pauschalen Strategien zur Verringerung des globalen Brandrisikos. Ein einheitlicher Ansatz werde der komplexen Beziehung zwischen menschlichen Aktivitäten, Landschaftseigenschaften und regionalen Feuerregimen nicht gerecht. Stattdessen müssten die jeweiligen Ursachen von Bränden sowie die Möglichkeiten ihrer Verhinderung und Bekämpfung für jede Region gesondert berücksichtigt werden.

Die COVID-19-Pandemie bot der Wissenschaft eine außergewöhnliche Gelegenheit, den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf natürliche und vom Menschen beeinflusste Prozesse zu untersuchen. Die zeitweise drastische Einschränkung der Mobilität und zahlreicher wirtschaftlicher Tätigkeiten schuf Bedingungen, die unter normalen Umständen kaum in vergleichbarem Umfang beobachtet werden können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass menschliche Aktivitäten das weltweite Brandgeschehen erheblich prägen, ihre Auswirkungen jedoch keineswegs ausschließlich in einer Zunahme von Bränden bestehen.

Insgesamt unterstreicht die Untersuchung, dass die Häufigkeit und Ausbreitung von Wald- und Vegetationsbränden nicht allein durch natürliche Umweltbedingungen bestimmt werden. Menschliche Aktivitäten spielen eine wichtige, regional jedoch sehr unterschiedliche Rolle. Die während der Pandemie beobachteten Veränderungen verdeutlichen, dass eine gezielte Verringerung menschlicher Zündquellen in vielen Regionen wirksam sein kann, während andernorts eine stärkere Überwachung und aktives Feuermanagement erforderlich sind. Für die Entwicklung zukünftiger Strategien zur Brandprävention ist daher ein differenziertes Verständnis des Zusammenspiels zwischen Mensch und Umwelt entscheidend.

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