Die Sache mit den Hurricanes

Von Frank Bosse

Es klang so sicher: Die TAZ schrieb noch 2023:

„Der sich rasch erhitzende Ozean liefert Tropenstürmen mit voranschreitendem Klimawandel mehr Energie. Die Wärme des Meereswassers bestimmt maßgeblich, wie stark der Hurrikan wird, weil Temperatur- und Druckunterschiede in seinem Innern Windgeschwindigkeit und Feuchtigkeit des Sturms erhöhen.“

Dann müsste sich die Anzahl der „Major Hurricanes“ (starke Stürme mit mehr als 178 km/h Windgeschwindigkeit) merkbar erhöhen mit wärmer werden Ozeanen.

Wo entstehen die Hurricanes? Im „Hauptentwicklungsgebiet“ (MDR für Main Development Region) im nördlichen (10°N-20°N) Atlantik von Afrika bis Amerika. Dort wird es mit dem Klimawandel wärmer, also muss auch die Anzahl der Hurricanes monoton wachsen? Das wird jedoch nicht beobachtet. Eines trifft jedoch zu: Die Temperatur des Ozeans muss über 26°C liegen, sonst entwickeln sich diese Stürme nicht, es fehlt der Brennstoff. Das ist jedoch immer der Fall, dort wurde das Meer schon vor 100 Jahren so warm. Die Verbindung zu den wärmeren Meeren ist jedoch auch vom IPCC AR6 als eher unsicher eingeschätzt.

Recht hatten die Autoren, das beweist eindrücklich die aktuelle Saison. Wir sahen bisher nicht einen dieser Stürme, die sonst regelmäßig Verwüstungen in der Karibik und den USA anrichten. Seit Juni liegen die Temperaturen da deutlich über 26C, im August waren es gar über 28°C. Was hält also Hurricanes aktuell davon ab, zu entstehen?  Es spielen viele Faktoren zusammen, damit das passiert. Auch der sich entwickelnde starke El Nino spielt eine große Rolle, er dämpft die Aktivität.

Daher ein Blick auf den Zusammenhang zwischen SST (Sea Surface Temperatures) und der Anzahl der „Major Hurricanes“ in der jährlichen Saison Juni-November seit 1950:

Der Zusammenhang ist sehr „lose“, nur zu 23% (das R² im Bild) wird die Varianz der Anzahl schwerer Stürme von der Varianz der Temperaturen im Entstehungsgebiet beeinflusst. Auch in kühleren Saisons (knapp über 27°C im Mittel) entstanden bis zu sechs, bei sehr warmen Bedingungen (fast 29°C) auch nur deren drei.

Nicht ohne Grund sehen wir in dieser Quelle daher eine andere Größe als „Prädiktor“ abgebildet: Die Temperatur-Differenz zwischen dem Entwicklungsgebiet und den globalen tropischen Meeresgebieten:

Ist der Wert negativ, so ist ein Hurricane unwahrscheinlich, ist er deutlich positiv, so besteht real Hurricane-Gefahr. Wie Sie sehen: bisher nicht in der Saison, das genau wurde auch festgestellt.

Was wir lernen: Es sind nicht NUR die Temperauren selbst, es ist der Temperaturunterschied, der entscheidender ist.

Das kann man auch mit vielen Daten überprüfen. Die gleiche Betrachtung für diese Differenz:

Nicht nur das R² ist klar höher (34% der Varianz der Anzahl der Major-Hurricanes wird von der Größe MDR-globale Tropen erklärt) sondern auch „Einzelfälle“ besser erklärt: Bei negativer Differenz (die globalen Tropen sind wärmer als das „MDR“) entstanden nie mehr als zwei pro Saison, alle aktiven Saisons (mehr als 6 Stürme) wiesen wärmere MDR im Vergleich zu den globalen Tropen aus. So ist denn auch diese Differenz viel aussagekräftiger als die „reinen Temperaturen“. Dieses Vorgehen ist in der wissenschaftlichen Literatur zum Thema schon lange etabliert, vgl. auch diese Quelle.

Das hat eine Folge: Die Langzeittrends der Erwärmung durch den Klimawandel unterscheiden sich nicht signifikant in beiden Gebieten:

Die Abbildung wurde mit dem KNMI Climate Explorer generiert und zeigt die lokalen Trends 1980 bis 2025 in K/Jahr.

Der Ostpazifik allerdings erwärmte sich praktisch gar nicht. Nur bei El Ninos wie in diesem Jahr legt er nach.

Wenn also die starken Hurricanes mehr von der Temperaturdifferenz abhängen als von den Temperaturen selbst, so hat das „Global Warming“ viel weniger Einfluss auch auf starke Hurricanes als uns medial immer wieder suggeriert wird. Eine Gleichtaktgröße (Klimawandel) wird bei einer Differenzbildung unterdrückt. Das aktuelle Geschehen (bisher überhaupt kein solcher Sturm) beweist das ein weiteres Mal. Wenn Sie also zukünftig sinngemäß wieder lesen: „Heiße Meere- viele starke Hurricanes“ so wird da nur der kleine und ideologisch passende Teil der Story erzählt.     

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