Die globale Vegetation war 2025 so grün wie nie zuvor

Quelle: Nature Reviews Earth & Environment – https://www.nature.com/articles/s43017-026-00776-0 – Nazhakaiti Anniwaer, Dan Zhu, Yanchen Gui, Chris Huntingford, Ranga B. Myneni und Shilong Piao – veröffentlicht am 1. April 2026.

Das Jahr 2025 hat einen neuen Höchststand bei der globalen Vegetationsbegrünung erreicht. Eine aktuelle Auswertung in Nature Reviews Earth & Environment zeigt, dass sich der bereits seit mehreren Jahrzehnten beobachtete Trend zu einer zunehmend grünen Landoberfläche fortgesetzt und sogar leicht verstärkt hat. Nach den Satellitendaten erreichte die mittlere globale Vegetationsbegrünung 2025 einen Rekordwert. Insgesamt zeigten 68,2 Prozent der bewachsenen Landflächen eine zunehmende Begrünung. Besonders deutlich war die Entwicklung bei Grasland und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Untersuchung basiert auf satellitengestützten Beobachtungen der Vegetation. Die Autoren werteten unter anderem Daten des MODIS-Instruments auf dem NASA-Satelliten Terra sowie Daten des VIIRS-Instruments auf dem Satelliten Suomi NPP aus. Dadurch lässt sich die Entwicklung der Vegetationsaktivität über große Teile der Erde hinweg vergleichbar erfassen. Die verwendeten Messgrößen beschreiben dabei, wie stark die Landoberfläche mit grüner, photosynthetisch aktiver Vegetation bedeckt ist.

Der langfristige Trend setzt sich fort

Besonders bemerkenswert ist nicht nur der Rekordwert des Jahres 2025, sondern die Tatsache, dass sich damit ein langfristiger Trend fortsetzt. Für den Zeitraum von 2000 bis 2024 wurde eine Zunahme der globalen Begrünung von durchschnittlich 8,1 × 10⁻⁴ pro Jahr ermittelt. Betrachtet man nun den Zeitraum bis einschließlich 2025, steigt dieser Trend auf 8,5 × 10⁻⁴ pro Jahr. Die globale Vegetationsentwicklung hat sich demnach über diesen Zeitraum geringfügig beschleunigt. Die Autoren betonen dabei, dass die Begrünung keineswegs gleichmäßig über den gesamten Planeten verteilt ist. Vielmehr gibt es große regionale Unterschiede. Einige Gebiete weisen eine besonders starke Zunahme der Vegetationsaktivität auf, während andere Regionen eine Abnahme zeigen.

Grasland und Ackerflächen sind die wichtigsten Treiber

Das stärkste Begrünungssignal des Jahres 2025 stammt von krautigen Ökosystemen, insbesondere von Grasland und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bei 72,1 Prozent der Graslandflächen wurde eine zunehmende Begrünung festgestellt. Noch höher lag der Wert bei den Ackerflächen: 77,6 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen zeigten eine Zunahme der Vegetationsbegrünung. Damit sind gerade jene Ökosysteme, die relativ schnell auf Veränderungen von Niederschlag, Temperatur und Bewirtschaftung reagieren können, maßgeblich für den globalen Rekord verantwortlich. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass die stärksten Begrünungsgebiete häufig mit Regionen zusammenfallen, in denen die Niederschläge zugenommen haben. Zu den markanten sogenannten „Hotspots“ zählen das südliche Afrika, das südliche Südamerika, Nordaustralien, Europa, das zentrale Nordamerika und Nordchina. Die räumliche Übereinstimmung mit zunehmenden Niederschlägen deutet darauf hin, dass die Wasserverfügbarkeit in vielen dieser Regionen ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Vegetation war.

Auch die Wälder zeigen überwiegend eine Begrünung

Auch bei den Wäldern überwiegt die zunehmende Begrünung. Allerdings ist der Anteil der Waldflächen mit einem positiven Begrünungssignal niedriger als bei Grasland und Ackerflächen. Im Jahr 2025 zeigten 60,0 Prozent der Waldflächen eine zunehmende Begrünung. Damit lag der Anteil unter dem Wert, der für das Jahr 2024 ermittelt worden war. Die Entwicklung der Wälder ist allerdings wesentlich komplexer als diejenige vieler krautiger Ökosysteme. Wälder reagieren auf Temperatur, Niederschlag, Trockenheit, Brände, Stürme, Insektenbefall und andere Störungen. Außerdem können unterschiedliche Satellitenmessverfahren bei Wäldern zu teilweise unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Auffällige Gegenentwicklung in Ostsibirien

Eine der markantesten Regionen mit einer gegenläufigen Entwicklung war Ostsibirien. Dort wurde 2025 eine deutliche Verbraunung der Vegetation festgestellt. Als wesentliche Ursache nennen die Autoren ungewöhnlich niedrige Temperaturen während der Vegetationsperiode. Das Beispiel zeigt, dass die globale Zunahme der Begrünung nicht bedeutet, dass überall auf der Erde mehr Vegetation wächst. Vielmehr handelt es sich um die Bilanz zahlreicher regional unterschiedlicher Entwicklungen. Ein globaler Mittelwert kann deshalb erhebliche regionale Unterschiede verdecken. Während bestimmte Gebiete deutlich grüner werden, können andere gleichzeitig Vegetationsverluste oder eine geringere Vegetationsaktivität verzeichnen.

Unsicherheit in den tropischen Regenwäldern

Besonders interessant ist die Situation in den tropischen Regenwäldern. Dort liefern die beiden verwendeten Satellitensysteme teilweise unterschiedliche Ergebnisse. Während MODIS für die tropischen Regenwälder ein Verbraunungssignal zeigte, deuteten die VIIRS-Daten eher auf eine zunehmende Begrünung hin. Die Autoren weisen deshalb ausdrücklich auf Unsicherheiten bei der satellitengestützten Erfassung hin. Ein möglicher Grund liegt in der schwierigen Interpretation der Vegetationsentwicklung nach dem starken El-Niño-Ereignis 2023–2024. Tropische Wälder können auf solche außergewöhnlichen klimatischen Ereignisse mit Veränderungen ihrer Kronenstruktur und Vegetationsaktivität reagieren. Je nachdem, welcher Satellit und welcher Vegetationsindex verwendet wird, kann sich dadurch ein unterschiedliches Bild ergeben.

Was bedeutet „Begrünung“ überhaupt?

Der Begriff „Begrünung“ sollte nicht mit einer einfachen Zunahme der Waldfläche gleichgesetzt werden. Die verwendeten Satellitenmessungen erfassen vor allem die Vegetationsaktivität beziehungsweise die Grünheit der Landoberfläche. Eine zunehmende Begrünung kann beispielsweise bedeuten, dass Pflanzen dichter wachsen, mehr Blätter bilden, eine längere Wachstumsperiode haben oder dass sich die Vegetationsdecke aufgrund günstigerer Bedingungen verdichtet. Sie bedeutet nicht automatisch, dass in einer Region neue Wälder entstehen. Das ist insbesondere bei landwirtschaftlichen Flächen wichtig. Eine intensiver bewachsene oder länger grün bleibende Ackerfläche kann das Satellitensignal deutlich erhöhen, ohne dass sich die grundsätzliche Landnutzung verändert.

Niederschlag spielt eine wichtige Rolle

Die räumliche Verteilung der Begrünung im Jahr 2025 zeigt eine auffällige Verbindung mit den Niederschlagsverhältnissen. Viele der Regionen mit besonders ausgeprägter Begrünung verzeichneten gleichzeitig höhere Niederschläge. Das unterstreicht die Bedeutung der Wasserverfügbarkeit für die globale Vegetationsentwicklung. Gerade in trockenen und semiariden Gebieten kann bereits eine relativ geringe Veränderung des Niederschlags erhebliche Auswirkungen auf die Vegetation haben. Temperaturänderungen spielen ebenfalls eine Rolle, allerdings nicht immer in derselben Richtung. Eine Erwärmung kann in kalten Regionen die Vegetationsperiode verlängern und dadurch das Pflanzenwachstum fördern. In bereits warmen oder trockenen Regionen können höhere Temperaturen dagegen den Wasserstress verstärken und das Pflanzenwachstum begrenzen. Die Entwicklung der Vegetation ist deshalb das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren und lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren.

Einordnung in die längerfristige Entwicklung

Die Ergebnisse von 2025 stehen in einer Reihe früherer Untersuchungen der Autoren und anderer Forschungsgruppen. Bereits frühere Satellitenanalysen hatten eine langfristige Zunahme der globalen Vegetationsbegrünung festgestellt. Die neue Auswertung bestätigt diese Entwicklung und zeigt, dass 2025 den bisherigen Rekord nochmals übertroffen hat.

Die Autoren verweisen zugleich auf frühere Forschungsarbeiten, die verschiedene Ursachen der globalen Begrünung untersucht haben. Dazu gehören Veränderungen des Niederschlags, Landnutzungsänderungen, Aufforstung und landwirtschaftliche Bewirtschaftung sowie klimatische Veränderungen.

Damit ist der Befund einer zunehmenden globalen Begrünung zunächst eine Beobachtung, aus der nicht automatisch auf die Gewichtung der einzelnen Ursachen geschlossen werden kann. Für die Interpretation müssen regionale Unterschiede und die unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Vegetationstypen berücksichtigt werden.

Ein bemerkenswerter globaler Befund

Der wichtigste Befund der Untersuchung ist daher relativ eindeutig: Die Erde war 2025 nach den ausgewerteten Satellitendaten so grün wie noch nie im Beobachtungszeitraum. 68,2 Prozent der bewachsenen Landflächen zeigten eine zunehmende Begrünung, wobei Grasland und Ackerflächen besonders stark zum Rekord beitrugen.

Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass hinter diesem globalen Mittelwert eine sehr unterschiedliche regionale Entwicklung steht. Besonders starke Begrünung wurde unter anderem in Europa, Teilen Afrikas, Südamerikas, Nordamerikas, Australiens und Chinas festgestellt. Ostsibirien bildete dagegen ein Beispiel für eine deutliche gegenläufige Entwicklung.

Besonders wichtig ist außerdem der Hinweis auf die Unsicherheiten bei der Beobachtung tropischer Wälder. Die unterschiedlichen Signale von MODIS und VIIRS zeigen, dass selbst bei globalen Satellitenmessungen die Interpretation der Vegetationsentwicklung nicht immer eindeutig ist.

Insgesamt liefert die Arbeit damit eine aktuelle Bestandsaufnahme der globalen Vegetationsentwicklung im Jahr 2025. Sie bestätigt den über mehrere Jahrzehnte beobachteten Trend zu einer zunehmenden Begrünung der Erde und zeigt gleichzeitig, dass dieser Trend regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Die Entwicklung von Niederschlag, Temperatur, Landnutzung und außergewöhnlichen Klimaereignissen wie El Niño muss daher gemeinsam betrachtet werden, wenn die Ursachen der globalen Vegetationsveränderungen verstanden werden sollen.

Weiterlesen: https://www.nature.com/articles/s43017-026-00776-0

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Archiv: Ausgetrockneter Rhein – Monatelange Dürre (1949) (Youtube):

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