Neue Analyse zeigt weltweit zunehmende Mangrovenfläche

Quelle: Phys.org – https://phys.org/news/2026-08-analysis-reveals-global-mangrove-losses.html – Aberystwyth University – veröffentlicht am 20. August 2026

Eine neue weltweite Analyse der Mangrovenbestände kommt zu einem zunächst überraschenden Ergebnis: Obwohl in mehreren bedeutenden Mangrovenregionen große Flächen verloren gegangen sind, hat die globale Mangrovenfläche zwischen 1985 und 2025 insgesamt um 47.720 Hektar zugenommen. Die Forscher bewerten diese Entwicklung als ermutigend, weisen aber zugleich darauf hin, dass sich hinter dem globalen Zuwachs erhebliche regionale Unterschiede verbergen. Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlern der Aberystwyth University im Rahmen des internationalen Projekts Global Mangrove Watch durchgeführt. Grundlage sind neue, hochauflösende Karten, mit denen die Entwicklung der Mangroven über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten verfolgt werden kann. Mithilfe von Satellitendaten und modernen Analyseverfahren wurde untersucht, wo Mangroven verloren gingen, wo sie sich erholten und wo ihre Bestände weitgehend stabil blieben.

Mangroven sind ökologisch und klimatisch besonders wichtig

Mangrovenwälder gehören zu den bedeutendsten Ökosystemen tropischer und subtropischer Küstengebiete. Sie bilden einen Übergangsbereich zwischen Land und Meer und erfüllen zahlreiche ökologische Funktionen. Sie bieten Lebensraum für eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten und sind insbesondere für viele Fisch- und andere Meerestiere wichtige Rückzugs- und Aufzuchtgebiete. Gleichzeitig können Mangroven Küstengebiete vor den Auswirkungen schwerer Stürme schützen. Ihre dichten Wurzelsysteme stabilisieren den Boden und können dazu beitragen, Küstenerosion zu vermindern. Darüber hinaus speichern Mangroven große Mengen Kohlenstoff. Ein erheblicher Teil des Kohlenstoffs wird nicht nur in der oberirdischen Vegetation, sondern auch im Boden und in den Sedimenten unterhalb der Mangroven gespeichert. Der Schutz dieser Ökosysteme gilt deshalb auch als eine Möglichkeit, die Freisetzung von Kohlendioxid zu begrenzen.

Globaler Zuwachs verdeckt erhebliche regionale Verluste

Der positive globale Saldo darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung in verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich verläuft. Besonders deutlich zeigt sich dies in Indonesien, dem Land mit der weltweit größten Mangrovenfläche. Dort gingen seit 1985 nach den neuen Berechnungen rund 2.044 Quadratkilometer Mangroven verloren. Auch Myanmar, Malaysia und Nigeria verzeichneten erhebliche Rückgänge. Damit zeigt die Untersuchung ein wichtiges Problem globaler Umweltstatistiken: Ein insgesamt positiver Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Situation überall verbessert. Neue Mangrovenflächen können Verluste in anderen Regionen statistisch ausgleichen, obwohl die ökologischen Folgen des Verlustes an einem bestimmten Standort erheblich sein können. Für den Naturschutz ist deshalb nicht allein entscheidend, wie groß die weltweite Mangrovenfläche insgesamt ist. Ebenso wichtig ist die Frage, wo Mangroven verloren gehen und wo neue Bestände entstehen.

Verbesserte Satellitenüberwachung ermöglicht genauere Aussagen

Für die neue Untersuchung wurde die aktuelle Version des Global Mangrove Watch, GMW v4.1, verwendet. Gegenüber früheren Kartierungen wurden verbesserte Satellitenbilder und Verfahren des maschinellen Lernens eingesetzt. Dadurch lässt sich wesentlich genauer unterscheiden, ob eine Mangrovenfläche verloren gegangen ist, sich nach einem früheren Verlust wieder entwickelt oder über längere Zeit stabil geblieben ist. Die Forscher können damit Veränderungen über mehrere Jahrzehnte hinweg nachvollziehen. Gerade bei Mangroven ist eine solche langfristige Betrachtung wichtig, weil Veränderungen nicht ausschließlich durch unmittelbare menschliche Eingriffe verursacht werden.

Mangroven können sich auch natürlich ausbreiten

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Untersuchung besteht darin, dass eine Zunahme der Mangrovenfläche nicht automatisch auf erfolgreiche Aufforstungs- oder Renaturierungsmaßnahmen zurückzuführen ist. Nach Angaben der Forscher können neue Mangrovenbestände sowohl durch gezielte Wiederherstellung als auch durch natürliche Prozesse entstehen. Veränderungen der Sedimentablagerung, der Küstenlinie und anderer Umweltbedingungen können dazu führen, dass Mangroven neue Flächen besiedeln. Umgekehrt können Mangroven durch die Veränderung ihrer Lebensräume verschwinden. Zu den möglichen Einflussfaktoren gehören Veränderungen der Landnutzung und andere menschliche Eingriffe in Küstengebieten. Die neuen Karten ermöglichen es, solche unterschiedlichen Entwicklungen räumlich besser voneinander zu unterscheiden.

Bedeutung für den Küstenschutz

Die Ergebnisse haben nicht nur wissenschaftliche Bedeutung. Die detaillierten Karten sollen auch Naturschutzorganisationen und politische Entscheidungsträger dabei unterstützen, besonders gefährdete Mangrovengebiete zu identifizieren. Wenn bekannt ist, wo Mangroven besonders schnell zurückgehen, können Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen gezielter eingesetzt werden. Gleichzeitig lässt sich feststellen, in welchen Regionen bereits eine natürliche Erholung stattfindet und wo menschliche Eingriffe möglicherweise weniger notwendig oder anders ausgerichtet sein könnten. Der an der Untersuchung beteiligte Fernerkundungsexperte Dr. Pete Bunting von der Aberystwyth University betont deshalb die Bedeutung zuverlässiger Daten. Nur wenn Veränderungen zuverlässig erfasst werden, lässt sich beurteilen, welche Faktoren für den Verlust oder die Ausbreitung von Mangroven verantwortlich sind und an welchen Stellen Schutzmaßnahmen besonders wirkungsvoll sein können.

Vorsichtig positives Fazit

Insgesamt zeichnet die Studie ein vorsichtig positives Bild. Nach den vorliegenden Daten ist die weltweite Mangrovenfläche zwischen 1985 und 2025 nicht zurückgegangen, sondern hat netto um 47.720 Hektar zugenommen. Das Ergebnis bedeutet jedoch keineswegs, dass die Gefährdung der Mangroven gelöst ist. Die großen Verluste in Indonesien und anderen Ländern zeigen, dass weiterhin erheblicher Schutzbedarf besteht. Der globale Zuwachs ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass Mangroven unter bestimmten Bedingungen in der Lage sind, verlorene Flächen zurückzugewinnen oder neue Gebiete zu besiedeln. Die neue Kartierung liefert damit vor allem ein wesentlich differenzierteres Bild der weltweiten Entwicklung. Sie zeigt sowohl die anhaltenden Verluste in wichtigen Mangrovenregionen als auch die Fähigkeit dieser Ökosysteme zur Erholung. Für den zukünftigen Schutz wird es entscheidend sein, die Ursachen der regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen besser zu verstehen und Schutz sowie Wiederherstellung gezielt auf die besonders gefährdeten Gebiete auszurichten.

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